Minster warnt vor Borkenkäferkatastrophe Käferholz muss schnell aus dem Wald

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Das warme und trockene Jahr 2018 hat der Borkenkäfer offenbar genossen. Doch 2019 könnte es noch schlimmer werden, befürchtet der Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Was kann der Forst dagegen tun?

Der Borkenkäfer ist kaum größer als ein Schokoladenstreusel. In der Masse kann er aber 50 Jahre alten Fichten den Garaus machen. Foto: dpa
Der Borkenkäfer ist kaum größer als ein Schokoladenstreusel. In der Masse kann er aber 50 Jahre alten Fichten den Garaus machen. Foto: dpa

Stuttgart - Dem baden-württembergischen Wald droht 2019 eine „Käferkatastrophe“. Das sagte der Landwirtschaftminister Peter Hauk (CDU) bei der Vorstellung eines Maßnahmenpakets zur Eindämmung der Borkenkäferplage. Für dieses Jahr müssten die Waldbesitzer nach Schätzungen seiner Experten mit Schäden in Höhe von 100 Millionen Euro rechnen. Wie ist die Entwicklung? Bereits 2018 war das Wachstum des Käfers riesig. Dies zeigte sich in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres. Man habe die fünffache Menge an Käferholz aus dem Wald geholt wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Schadholz durch Sturm- und Winterbrüche komme hinzu. Allein das Orkantief­ Eberhard habe im März 500 000 Kubikmeter Holz flachgelegt. Warum ist der Käferbefall so stark? 2018 fand der Borkenkäfer ideale Bedingungen vor. Bereits im April herrschten sommerliche Temperaturen. Statt zwei Generationen konnten die Käfer drei, im Südschwarzwalds teils sogar vier Generationen ausbilden. Mit jedem Generationensprung wächst der Schaden rapide – von einem Baum zu 20, zu 400, zu 8000 Bäumen. Woran erkennt man betroffene Bäume? Der Borkenkäfer frisst sich unter die Rinde vornehmlich von Fichten und unterbricht die Wasserversorgung des Baums. Auch Laien können den Befall erkennen. Unter den Rindenschuppen, auf Spinnweben und am Stammfuß findet sich braunes Bohrmehl. Später färbt sich die Krone rot. Gibt es ein wirksames Gegenmittel? Entscheidend ist es, befallenes Holz schnell aus dem Wald zu entfernen. Dies muss jetzt geschehen, bevor die massenhafte Vermehrung der Käfer beginnt. Gefährdete Flächen müssten teilweise wöchentlich abgegangen werden. Hierbei will der Landwirtschaftsminister mit einem Zehn-Millionen-Euro-Programm helfen. „Es geht nicht darum, Schäden auszugleichen“, sagte Hauk. Das Problem ist, dass die Holzlager der Sägewerke voll sind. Im Staatswald wurde deshalb der planmäßige Einschlag bereits komplett gestoppt. Welche Bäume sind betroffen? Die Fichte ist für den Borkenkäfer der Baum der Wahl. Sie ist im Land besonders verbreitet. Nach dem Krieg wurde mit ihr aufgeforstet. Sie steht deshalb oft an Standorten, die nicht ideal sind, etwa in tieferen Lagen – für den Käfer ein gefundenes Fressen. Üblicherweise kann sich eine starke Fichte mit Harzfluss gut gegen Käfer wehren. Gegen einen Massenbefall hat aber auch ein gesunder Baum keine Chance. Könnte man auch spritzen? Für den Forst sind Pestizide das absolut letzte Mittel. 2018 sei dies in 150 der knapp 800 Reviere begrenzt erlaubt worden. Der Naturschutzbund Nabu kritisierte aber auch dies. Es schädige andere Insekten. Was könnte den Käfer stoppen? Der Landesforstpräsident Max Reger träumt von Schmuddelwetter. Der Frühlingsanfang in dieser Woche gab für solchen Optimismus aber keinen Anlass.