Spuk-Einsatz auf Burg Wolfstein Das sind die echten Geisterjäger

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Auf der Suche nach dem Unerklärlichen durchstreifen Geisterjäger alte Gemäuer, Burgruinen, Privathäuser. Ausgerüstet mit allerlei technischem Gerät, wollen sie ungewöhnliche Erscheinungen aufspüren. Protokoll einer Spuk-Tour.

Es  gibt sie wirklich – Geisterjäger. Sie glauben felsenfest, dass in Schlössern, Burgen und Ruinen Gespenster umhergeistern. Foto: dpa 14 Bilder
Es gibt sie wirklich – Geisterjäger. Sie glauben felsenfest, dass in Schlössern, Burgen und Ruinen Gespenster umhergeistern. Foto: dpa

Neumarkt - Burg Wolfstein liegt in völliger Dunkelheit. Die imposante Ruine aus dem 12. Jahrhundert, die weithin sichtbar auf dem 588 Meter hohen Wolfsteinberg bei Neumarkt in der Oberpfalz thront, ist menschenleer. Um 21.30 Uhr überqueren drei schwarz gekleidete Gestalten mit Alukoffer, Stativen und Taschenlampen die Brücke über den Burggraben. Die drei Nachteulen, die sich Trasgu, Hexana und Reare nennen, sind Geisterjäger vom Ghosthunterteam Bayern (GHTB), die in der Ruine eine paranormale Untersuchung durchführen. Mit Datenlogger, Gaußmaster und Trifeldmeter wollen sie Geister aufspüren.

Nachdem das Trio seine Geräte im verfallenen Palast der Burg aufgebaut hat, verharrt es in der Stille. „Sit down“ nennen Geisterjäger diese oft stundenlange Geduldsprobe. In jeder Ecke haben sie eine Videokamera für so genannte Night-Shots postiert. Mit Hilfe von Infrarotlicht kann man selbst bei stockdunkler Nacht Aufnahmen machen. Digitale Aufnahmegeräte sollen Geisterstimmen aufnehmen, die man angeblich nur beim Abspielen hört.

21.50 Uhr

Die Geisterjagd beginnt. Mit fester Stimme ruft Alexander Wagner alias Trasgu aus Kümmersbrück „Ist da jemand? Geist, wie heißt du?“ Wagner, Doris Michel alias Hexana und Dominik Stefko alias Reare lauschen gebannt. Keine Antwort. Trasgu ruft erneut: „Sind wir allein? Wer bist du?“ Wieder nichts.

22.15 Uhr

Mit einem Infrarot-Thermometer misst Doris Michel die Temperatur an den Buckelquadern. Minus drei Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist normal. Sie schiebt eine Endoskopkamera unter einer Tür durch. Außer Geröll ist nichts zu sehen.

Trasgu, Hexana und Reare sind alte Hasen

Wenn es nicht mit rechten Dingen zugeht, auf dem Dachboden poltert oder man sich von etwas Unheimlichem bedroht fühlt, ist das ein Fall für die bayerischen Geisterjäger. Das derzeit achtköpfige Team um Computerfachmann Wagner hilft bei rätselhaften Geräuschen, Strahlungen und sonstigen Vorkommnissen. Wagner: „Wir gehen den Phänomenen wissenschaftlich auf den Grund. Zu 95 Prozent gibt es eine natürliche Erklärung. Die restlichen fünf Prozent interessieren uns besonders.“ Doris Michel ergänzt: „Wir wollen den Menschen ihre Angst vor dem Unerklärlichen nehmen.“

Wagner nennt sich einen Skeptiker. Man müsse ihm die Geister im Koffer vorbeibringen, vorher glaube er nicht daran. „Aber ich bin überzeugt, dass es etwas gibt, was man nicht erklären kann. Es ist reine Neugier, die mich nach Geistern suchen lässt.“ Seit 2005 fahndet er nach dem Paranormalen. Anfang 2009 gründete er das GHTB.

Unterwegs in Ruinen, Burgen und Rathäusern

Geister-Gruppen haben regen Zulauf. Neben gut zwei Dutzend Geisterjägergruppen existieren mehrere Websites. Im größten Forum www.geisternet.com tauschen laut Wagner mehr als 2500 Mitglieder ihre Spuk-Erlebnisse aus.

„Es gibt einen Boom“, sagt Doris Michel. Die Angestellte ist seit Ende 2009 GHTB-Mitglied. Aufgrund von Erscheinungen, Stimmen und Vorausahnungen suchte sie den Kontakt. Inzwischen widmet sie einen Großteil ihrer Freizeit der Spuk-Fahndung. „Es ist fast schon ein Beruf.“ Dominik Stefko sagt von sich: „Ich bin echt der Harte“, sagt er. „Wenn es anderen mulmig wird, bleibe ich cool stehen.“ Doris Michel nickt anerkennend. „Reare kennt keine Angst.“