Mobilfunk Der lange Weg zum Fairphone

Das Fairphone wird in China hergestellt. Der Produzent verspricht bessere Arbeitsbedingungen, als sie in der Branche üblich sind. Foto: Fairphone
Das Fairphone wird in China hergestellt. Der Produzent verspricht bessere Arbeitsbedingungen, als sie in der Branche üblich sind. Foto: Fairphone

Rund 60.000 Stück ihres fair und umweltschonend produzierten Smartphones hat die Firma Fairphone bereits verkauft. Aber nicht alle Ziele wurden erreicht. Für die zweite Generation will man aus den Schwierigkeiten lernen.

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Stuttgart - Das Fairphone kommt an: Die letzte Charge des fairen Smartphones, 1600 Stück, war in anderthalb Stunden verkauft. Insgesamt hat das Amsterdamer Unternehmen Fairphone mit seiner ersten Smartphone-Edition rund 60 000 einigermaßen fair gehandelte und umweltschonend produzierte Taschentelefone unters Volk gebracht. Etwa 43 Prozent der Käufer kommen aus Deutschland. Das macht weniger als 0,01 Prozent des Weltmarkts aus. Doch ein Zeichen ist laut Daria Koreniushkina von Fairphone gesetzt: Die 32 Mitarbeiter um Firmengründer Bas van Abel haben gezeigt, dass ein faires Handy möglich ist.

Zwei der Metalle, Zinn und Tantal, stammen aus Minen, deren Erlöse nicht Bürgerkriegen zufließen. Die Arbeiter in der chinesischen Produktion bekommen bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Auch ist das Handy auf Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit ausgelegt. Für den Herbst kündigt Fairphone ein neues Modell mit weiteren Verbesserungen an.

Mit dem Handy hat sich Fairphone das komplizierteste aller Elektrogeräte vorgenommen, erklärt Sebastian Jekutsch, der im Forum für Informatiker für den Frieden und gesellschaftliche Verantwortung das Thema grüne und faire Computer verfolgt. „Die Macher von Fairphone haben das Thema bei den Hörnern gepackt“, sagt Jekutsch. „Gut gelungen ist aus meiner Sicht der Worker Welfare Fund, aus dem die Arbeiter, die das Gerät zusammenbauen, extra Gelder zur eigenen Verfügung bekommen haben.“ Vom Erlös jedes verkauften Geräts kommt ein kleiner Betrag in diesen Fonds, heißt es bei Fairphone.

Kein Import des fair geförderten Golds

Im Grunde ist Fairphone ein Projektbüro, das die Liefer- und Herstellungskette eines Smartphones untersucht und neu ausrichtet. Dazu fahren die Mitarbeiter in afrikanische Länder, um mit Nichtregierungsorganisationen die Beschaffung konfliktfreier Rohstoffe zu diskutieren, oder nach China, um die Arbeitsbedingungen bei Herstellern zu prüfen. „Wir haben in China nicht gezaubert und eine faire Fabrik ausgemacht. Die gibt es dort schlicht nicht“, erklärt Koreniushkina. Vielmehr habe man einen willigen Hersteller gefunden, der sich auf die Vorstellungen der Europäer einließ. Dass der Hersteller zwar die Miniserie unter besseren Sozialbedingungen produzierte, etwa eine kürzere Wochenarbeitszeit, Pausen, Fortbildung, dann aber zur üblichen Maloche für potentere Kunden zurückkehrte, gehört zu den harten Realitäten der Branche.

Welche Hürden das Team um van Abel nehmen muss, illustriert das Beispiel Gold. Es wird für die elektrischen Kontakte im Smartphone benötigt. Eine faire Mine ist zwar gefunden, doch Fairphone bekommt das Gold wegen bürokratischer Hürden nicht nach China. Derzeit ist unklar, ob in den nächsten Fairphone-Generation auch faires Gold enthalten sein wird.

Klar ist hingegen, dass die Niederländer das Handy diesmal selbst designen werden. Das erste Modell war noch von der Stange, aus dem Programm des chinesischen Fertigers Guohong mit dessen Chiplieferanten Mediatek. Der Chiphersteller gab jedoch die fürs Fairphone adaptierte Android-Programmierung nicht heraus, so dass das erste Modell auf die Android-Version 4.2 (Jelly Bean) angewiesen bleibt, die von Google nicht mehr betreut wird. Da schon Sicherheitslücken aufgetaucht sind, ist dem ersten Fairphone ein frühes Ende beschieden – konträr zur Vision eines langlebigen Geräts. Fairphone ist zu klein, um Druck auf die Hersteller auszuüben.

Das nächste Modell wird deshalb von einem anderen chinesischen Hersteller nach eigener Designvorlage produziert. Die Chipsätze liefert Qualcomm. Die Programmierung soll offengelegt werden, damit auch Dritte die Software weiterentwickeln können. Eine erste Bilanz fällt für Karsten Schischke vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin positiv aus. „Das Handy wird über den ganzen Lebenszyklus betrachtet“, sagt der Informatiker, der Fairphone bei der Ökobilanzierung unterstützt hat. Die Hersteller würden registrieren, was Fairphone mache, sagt Schischke. „60 000 Stück, das ist noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist aber viel erreicht, wenn das den Markt in die richtige Richtung bewegt.“

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