Mobilität in Böblingen Der mühsame Weg zur Klimaneutralität

Katja testet in Böblingen einen flotten Flitzer.  Mit diesem Lastenrad soll es komfortabel durch den Stadtverkehr gehen Foto: Stefanie Schlecht
Katja testet in Böblingen einen flotten Flitzer. Mit diesem Lastenrad soll es komfortabel durch den Stadtverkehr gehen Foto: Stefanie Schlecht

Wie gelingt es, im Stadtverkehr mehr Kohlendioxid einzusparen? Wie verringert man seinen ökologischen Fußabdruck? Wie funktioniert das Wasserstoffauto des OB? Beim Mobilitätswochenende auf dem neuen Böblinger Elbenplatz zeigen Stadt und Unternehmen, wohin die Reise führt.

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Böblingen - Allein der Böblinger Individualverkehr weist momentan 70 000 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr auf. Um klimafreundlich zu werden, muss sich die Stadt 50 000 Tonnen als Limit setzen, gleichzeitig soll aber die Mobilität der Menschen nicht eingeschränkt werden. „Damit dieser Wandel gelingt, sind wir alle gefragt“, sagte der Oberbürgermeister Stefan Belz. Deshalb hat die Stadt Böblingen am Wochenende zum dritten Mal ein Mobilitäts-Aktionswochenende organisiert, bei dem sich Menschen Anregungen und Impulse für die eigene Mobilität holen konnten. „Dieses Aktionswochenende soll zeigen, wie vielfältig und alltagstauglich klimafreundliche Mobilität in Böblingen ist“, betonte Stefan Belz.

Tipp: Öl nur auf der Innenseite der Fahrradkette

Fahrradcheck

Wer regelmäßig Fahrrad fährt, möchte sicher unterwegs sein. Deshalb bot die Großweiler Radchecker UG eine kostenlose Rad-Untersuchung an und prüfte unter anderem Bremsanlagen, Lichter, Reflektionen, Reifen und den Motor von E-Bikes. „Wir empfehlen, den Antrieb immer sauber zu halten“, erklärte der Radchecker-Inhaber Michael Hofmann dem Nufringer Manfred Belz, der sein Rad zur Prüfung mitgebracht hatte. „Öl sollte man zum Beispiel nur auf der Innenseite der Kette anbringen.“ Ein Tipp, den sich Manfred Belz zu Herzen nimmt. Der begeisterte Radler bringt sein Fahrrad jedes Jahr zum Radcheck der Mobilitäts-Aktionswoche: „Ich nutze die Gelegenheit immer gern und freue mich über die neuen Sachen, die man hier jedes Jahr sieht.“

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Der Zweitwagen der Zukunft

Dass Benzinautos nicht gerade umweltfreundlich sind, ist kein Geheimnis mehr. Deshalb wurden bei der Aktionswoche an verschiedenen Ständen Alternativen vorgestellt. Die Besucher konnten E-Lasträder, Pedelecs, E-Roller, aber auch E-Autos Probe fahren und sich Informationen rund um die Fahrzeuge holen. So stellte zum Beispiel die Holzgerlinger KWB Auto-E GmbH das Elektro-Fahrzeug Zhidou-D2S vor, einen chinesischen Zweisitzer mit E-Antrieb. „Es ist ähnlich wie ein Smart, aber deutlich günstiger“, erklärte Verkäufer Tajjer Memet. Gerade in Ballungsgebieten und dicht gebauten Städten wie Böblingen oder Stuttgart sei so ein Auto der ideale (Zweit-)Wagen.

Keine Angst vor Wasserstoff

Wasserstoffantrieb

Als Alternative zum Benzinmotor wird an erster Stelle meist das E-Auto genannt. Doch auch der Wasserstoffantrieb ist längst nicht aus der Welt, wie Stefan Belz unter Beweis stellte. Der OB ließ die Besucher einen Blick unter die Motorhaube seines Wasserstoff-Dienstwagens werfen. „Wasserstoff ist kein natürlicher Stoff und muss erstmal künstlich hergestellt werden“, erklärte Stefan Belz auf die Frage, warum nicht mehr Autos mit diesem Antrieb produziert werden. Zudem sei Wasserstoff im kollektiven Gedächtnis der Menschen nach der Zeppelinkatastrophe als gefährlich eingestuft. „Allerdings war damals nicht der Wasserstoff schuld, sondern ein technischer Fehler, durch den sich die Hülle des Zeppelins entzündet hat“, so Stefan Belz. In einem Wasserstoffauto zu fahren, sei im Grunde nicht gefährlicher als in einem normalen Wagen.

Der Weg zum Mobilitätsland

Kaum zu übersehen war ein Container der Baden-Württemberg-Stiftung, in dem die Besucher den Weg zum Mobilitätsland ablaufen konnten. Videos, Schaubilder und interaktive Infotafeln zeigten hier, wie eine ökonomische, ökologische und sozial nachhaltige Mobilität in Zukunft aussehen könnte. „Die Stiftung hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der es um neue Mobilität und Entwicklung geht“, beschrieb Daniela Klimpel, die den Container betreute. Aus der Studie seien drei Szenarien hervorgegangen, die der Container als eine Art Erlebnisraum darstellte.

Für durstige Fußgänger immer was zu trinken – kostenlos

Elbenplatz und Trinkbrunnen

Pünktlich zum Mobilitäts-Aktionswochenende war auch der Elbenplatz nach einem Jahr Baustellenzeit fertiggestellt und von Stefan Belz wiedereröffnet worden. Der Elbenplatz zeigt nun nicht nur durch veränderte Rad-, Fußgänger- und Autoführungen ein neues Gesicht, sondern auch durch automatisch bewässerte Baumreihen, die ein Schritt in Richtung Klimaanpassung sein sollen. Gleichzeitig eröffnete Belz auch den Trinkbrunnen am Seebuckel. „Hier können sich die Leute nun kostenfrei an Trinkwasser bedienen“, so der Rathauschef. Der Trinkbrunnen sei eine Initiative des Jugendgemeinderats und Seniorenrats – und ein Versuch. „Bei guten Erfahrungen werden wir mehr Trinkbrunnen in Böblingen errichten.“




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