Mobilität in Stuttgart OB Nopper und die Tücken des Radverkehrs

Links oder rechts vorbei? Verkehrsminister Winfried Hermann (li.) und OB Frank Nopper (re.) tüfteln sich auf der Radroute 1 zum Marienplatz vor. Foto: Lichtgut// Piechowski 3 Bilder
Links oder rechts vorbei? Verkehrsminister Winfried Hermann (li.) und OB Frank Nopper (re.) tüfteln sich auf der Radroute 1 zum Marienplatz vor. Foto: Lichtgut// Piechowski

Wie Mobilität auf zwei Rädern geht, hat der eher auto-affine Stuttgarter OB am Dienstag ausprobiert. Auf der Radroute 1 von Vaihingen bis zum Schlossgarten hat er, begleitet von Verkehrsminister Winfried Hermann, viele neuralgische Punkte entdeckt.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Das Thema Radfahren stand für den eher autoaffinen Stuttgarter OB Frank Nopper (CDU) bisher nicht gerade im Mittelpunkt. „Fahren Sie Fahrrad, nutzen Sie dafür die Nebenstraßen, und bleiben Sie sportlich und gesund“, heißt es in seiner Agenda unter Punkt fünf „Moderne Mobilität für alle!“. Das war’s auch schon. Auf Facebook postete er seinen Wunsch nach „Mobilitätsfrieden“ und einer „Versöhnung zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern“. Am Dienstag stellte sich der Schwarze der Stuttgarter Mobilitätsrealität – per Rad, gemeinsam mit dem Grünen vom Verkehrsministerium: Winfried Hermann.

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„Frank Nopper hat spontan zugesagt“, berichtet Minister Hermann. Allerdings kenne man sich seit gut 40 Jahren. „Er war mein Sportlehrer in der Abitursklasse in Degerloch“, sagt Nopper. „Wenn er beim Fußballspielen zu schnell war, hab ich ihn hart ausgebremst“, schiebt der OB nach. Man trifft sich droben in Vaihingen, wo Baden-Württembergs erster und bisher einziger Schnellradweg aus Böblingen aufhört.

Für den OB ist der Tallängsweg eine Jungfernfahrt

„Wir brauchen einen sicheren Anschluss“, sagt Hermann. Doch er weiß auch, dass ein Radschnellweg in Ballungsräumen schwer zu realisieren ist. Für Nopper ist der Tallängsweg ohnehin eine Jungfernfahrt, wie er einräumt: „Ich bin eher Fußgänger.“ Ausgebremst werden die beiden und ihre Entourage schon in der Waldburgstraße, wo eine Baustelle die Radler zur Geduld – oder zur Umfahrung auf den Gehweg zwingt. Auch an der Robert-Koch-Straße ist der Radstreifen durch Baufahrzeuge versperrt, also geht’s auf die Straße.

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Auf der Kaltentaler Abfahrt haben die Radler auf ihrem abgetrennten Radstreifen zwar freie Bahn und könnten es laufen lassen, aber hier bremst Nopper. Als ungeübter Radler will er nichts riskieren. Dabei wird es erst in Kaltental eng, wo sich Autos und Radler die schmale Fahrbahn teilen. Gefährlich ist die Einmündung der Christian-Belser-Straße von Sonnenberg, wo Autos oft schnelle Radler übersehen. Nopper steigt ab, schaut sich das Warnzeichen an und findet, das sei leicht zu übersehen. Ob man nicht was Auffälligeres anbringen könne? Zudem ist die rote Markierung des Radstreifens verblasst. „Die Markierung muss man mal nachbessern, Frau Fahrradbeauftragte“, ruft er in deren Richtung. „Sagen Sie es dem Tiefbauamt.“

Am Marienplatz drohen Kollisionen mit Fußgängern

Als gefahrenträchtiger Bremsklotz erweist sich auch die enge Durchfahrt zum Marienplatz, wo Kollisionen mit Fußgängern vom Rewe drohen. Doch dies sei bald Geschichte, kündigt die Fahrradbeauftragte Eva Adam an. Bis 2023 soll die Fahrradstraße vom Marienplatz bis zur Seilbahn am Südheimer Platz weitergeführt werden. Bedeutet Vorrang für Radler.

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In der Tübinger und Eber­hardstraße, um den Breuninger herum und im Schlossgarten müssen Nopper und die Radler höllisch aufpassen: Fußgänger, Holperpflaster, Gegenverkehr, Kampfradler. Der OB hält sich wacker. Sein Fazit: „In weiten Teilen ist es eine Lust, auf der Hauptradroute Fahrrad zu fahren.“ Aber er sieht auch Verbesserungsbedarf: „Manche Abschnitte sind zu schmal.“ Hermann schlägt für neuralgische Stellen einen Radweg auf Stelzen vor wie in Basel: „Ein Kilometer kostet zwei Millionen Euro.“ Unten sei es oft teurer. Nopper staunt – und radelt mit völlig neuen Erfahrungen ins Rathaus zurück.




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