Moderne Bezüge in „Asterix im Land der Götter“ Cäsars perfider Plan

Von Kathrin Horster 

Asterix und Obelix waren noch nie von Vorgestern. Im Comic „Die Trabantenstadt“ bekamen sie es 1974 mit modernen Großstadtproblemen zu tun. Der Animationsfilm bringt nun zwar zusätzliche aktuelle Bezüge, bräuchte aber dringend Zaubertrank.

Die beiden altvertrauen Helden Asterix und Obelix werden als computeranimierte Männchen nicht jedem Fan der Comics gefallen. Foto: M6 STUDIO/BELVISION
Die beiden altvertrauen Helden Asterix und Obelix werden als computeranimierte Männchen nicht jedem Fan der Comics gefallen. Foto: M6 STUDIO/BELVISION

Stuttgart - Fortschritt ist eine feine Sache. Zumindest in den Augen des großen Cäsars, des Herrschers über das Römische Reich im Jahr 50 v. Chr. Seine Untertanen genießen bereits die Vorzüge der Zivilisation. Cäsar selbst wäre auch ganz zufrieden, würde nicht ein Haufen widerspenstiger Gallier im unberührten Wald von Aremorica seinem Expansionswahn trotzen. Der ein oder andere Zeitgenosse dürfte davon aus bunt bebilderten gallischen Heftchen bereits erfahren haben.

Um seine Erzfeinde zu besiegen, tüftelt Cäsar an einem perfiden Plan. Eine luxuriöse Wohnanlage vor den Toren des Dorfes soll den Hinterwäldlern die Segnungen des römischen Way of Life vor Augen führen. Einmal auf den Geschmack gebracht, so glaubt Cäsar, könnten sie gar nicht anders, als ihr freies, aber völlig unbequemes Leben aufzugeben.

Das computeranimierte 3-D-Abenteuer „Asterix im Land der Götter“ basiert auf dem Asterix-Comicband „Die Trabantenstadt“ von René Goscinny und Albert Uderzo, der schon 1974 auf Deutsch erschien. Die Geschichte ist aber aktueller denn je, schließlich geht es darin um die Zerstörung der Umwelt zu Gunsten einer luxuriösen Infrastruktur, oder – nach heutiger Lesart – um die Gentrifizierung gewachsener Lebensräume.

Gallier mit Gummihaut

Der Regisseur Alexandre Astier setzt deutliche Akzente im Sinne dieser modernen Interpretation des alten Comics und gibt so dem erwachsenen Publikum die Chance, neue Blicke auf die Geschichte aus Kindertagen zu werfen. Junge Zuschauer können hingegen auch ohne Vorkenntnisse problemlos der Handlung folgen. Dass sich Astier und sein Co-Regisseur Louis Clichy in einigen Details von der Vorlage lösen, ist nicht weiter schlimm. Leider wirkt ihre Version aber blutarm, was vor allem an der sterilen Ästhetik liegt.

Die Figuren wirken wie von einer Gummihaut überzogen und büßen viel von der Charakteristik ein, die der Strich von Uderzo ihnen einst verliehen hat. Auch der halbherzige Einsatz der 3-D-Technik lässt Asterix’ Welt nicht plastischer erscheinen. Was Asterix seinen Freunden erst klarmachen muss, ist für uns in diesem Fall offensichtlich: Nicht alles, was neu und modern ist, muss un­bedingt besser sein.

Asterix im Land der Götter. Animationsfilm. Frankreich, Belgien 2014. Regie: Alexandre Astier, Louis Clichy. 86 Minuten. Ohne Alters­beschränkung.