Mönsheim Reiter und Gaukler im Rausch des Mittelalters

Die „Reiter des Kalifen“ sind unterwegs. Foto: Meuer
Die „Reiter des Kalifen“ sind unterwegs. Foto: Meuer

Zum neunten Mal hat die Reitschule Popp am Wochenende ihre mittelalterlichen Ritterspiele samt Markttreiben organisiert. Tausende Besucher kamen wieder und ließen sich von Ritterkämpfen und wilden Reitshows verzaubern.

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Mönsheim - Schwerter klirren, Pferde wiehern, der Duft von Gebratenem zieht durch das Lager – Mönsheim ist im Mittelalterrausch. Mehrere tausend Besucher, das „Volk“, wie es an diesem Wochenende oft heißt, strömten auf das Gelände der Reitschule Popp. Sie pilgerten zu den großen Ritterspielen samt historischem Markt. Das Wetter ist dabei so launisch wie manches Pferd und mancher Vogel. Gaukler
Am Sonntagmittag heizen die beiden „Gaukler der Königs“ , Fagus und Fraxinus, den noch trägen Schaulustigen ein – mit Feuer, Jonglage und frechen Sprüchen. Die beiden Schelme prahlen, Frauen landauf und landab zu kennen. Nicht nur Bäuerinnen, sondern auch „Amazonen und Hellseherinnen“. Eine solche Dame mit übersinnlicher Wahrnehmung glauben sie auch im Publikum zu entdecken. Die Augen von Besucherin Monika werden kurzerhand verbunden. Sie muss erraten, welche Gegenstände Fagus vor ihr herum schwenkt. Dass das gelingt, hängt wohl auch an Fraxinus’ versteckten Tipps: „Denk mal Schaaaaf nach“, sagt er beispielsweise über ein Stück Fell. Falkner
Mit ihren Raubvögeln ist Tatjana Schmücker zu Gast. Bussard Nuriell macht sich aber zwischenzeitlich selbstständig und kommt auch auf mehrfaches Zurufen der Falknerin nicht zurück. Stattdessen macht er es sich auf dem Dach der Reitschule Popp gemütlich und beobachtet das Treiben – wortwörtlich wie sprichwörtlich – aus der Vogelperspektive. „Er hat es gerade nicht so mit dem Fliegen“, erklärt Tatjana Schmücker und erläutert: „Raubvögeln ist es angeboren, Energie zu sparen.“ Vereine
Natürlich sind auch die Mittelaltervereine aus der Region zu Gast, vor allem, um das Ritterlager mit Leben zu füllen. Die blau-gelben Banner der Freyen Rittersleut aus Renningen sind weithin sichtbar. Besonderes Publikumsmagnet: der zwei Jahre alte Mischling aus Harzer Fuchs und Schäferhund – er hat sogar ein eigenes Zelt. „Das haben wir in der Wintersaison genäht“, berichtet der Vereinschef Andreas Reisser. Im Hintergrund spielen unterdessen Jan (14) und Fabian (12) das mittelalterliche Spiel Königszabel. „Der Markt ist schön, es gibt für viele gute Programmpunkte“, lobt Jan. Die Schlegler aus Heimsheim sind ebenfalls vor Ort, wie die Freyen Rittersleut mit fast 30 Recken und, nun ja, Reckinnen. Sie nutzen die Mönsheimer Ritterspiele auch, um neue, alte Gerichte zu testen. „Bei uns gibt es Hasenbraten“, sagt der Vorsitzende Manfred Walter, während es im Hintergrund schon duftet. „Wir führen auch Tanz und Schwertkampf vor“, ergänzt der Schleglerchef.

Banditen?
Ein kleines Lager abseits des Marktes gibt es im Wald. Hausen dort etwa Banditen? Nein, ein paar Kinder haben sich nur aus Ästen und Blättern ihre eigene Burg gebaut. Sie wachen unweit des Parkplatzes über die anfahrenden Autos. Bilanz
Auf dem Programm steht natürlich noch viel mehr: das große Ritterturnier „Das Amulett der Schatten“, das Ringstechen, die Quadrille „Reiter des Kalifen“ und weitere Reitshows sind ein wichtiger Bestandteil der Spiele. „Die Darsteller sind alle von unserer Reitschule“, sagt die Chefin Monika Popp nicht ohne Stolz. Trotz eines Platzregens am Sonntagnachmittag ist sie zufrieden mit dem Verlauf der Ritterspiele. „Als wir vor knapp zehn Jahren anfingen, hätte ich nie gedacht, dass sich das alles hier so entwickelt“, resümiert sie.




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