Motocross Die Parallelwelt hat sich etabliert

Supercross – das jährliche Spektakel in der Schleyerhalle. Foto: Baumann
Supercross – das jährliche Spektakel in der Schleyerhalle. Foto: Baumann

Motocross in der Schleyerhalle ist im Suttgarter Sportkalender eine feste Größe – am Wochenende hat die 34. Veranstaltung stattgefunden. Auch die Zukunft scheint gesichert.

Sport: Dominik Ignée (doi)
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Stuttgart - Der Motocross-Fahrer Dominque Thury bleibt vor seiner KTM stehen und streichelt sie. Er hat soeben das erste Rennen am Freitag in der Schleyerhalle gewonnen, im Finale wird er später Dritter – ein gutes Ergebnis. Danach setzt er sich auf einen Hocker. Motocross in der Halle ist sein Leben. „Es ist mir wichtiger als die Outdoor-Saison und macht viel mehr Spaß“, sagt Thury. Auch deshalb: Wenn ihm 7000 Zuschauer zujubeln, dann ist das einer dieser unglaublichen Momente. „Das pusht enorm und motiviert.“

Wenn draußen auf offenem Feld gefahren wird, verliert sich der Jubel. Das vom ADAC veranstaltete Supercross in der Halle und die herkömmlichen Rennen unter freiem Himmel sind völlig unterschiedliche Kategorien. Die meisten deutschen Fahrer schwören auf die Outdoor-Saison. „Wer von ihnen draußen gut ist, geht nicht in die Halle. Bei mir ist das anders – ich bin damit aufgewachsen“, sagt Thury. Weil sie nicht sehr beliebt bei den Deutschen ist (sie haben auch zu wenig Trainingsmöglichkeiten), ist die Parallelwelt Hallencross gut gefüllt mit Stars aus den USA und Frankreich. Am Freitag sind fünf Amerikaner und drei Franzosen im Finale gestanden – bei nur zwölf Startern. In den USA ist das Motocross eine Show, die gigantische Hallen und Stadien füllt. In Deutschland wird der Sport im Gelände ausgeübt – in der Nähe von Ortschaften wie Holzgerlingen, Gaildorf und Aichwald.

Spektakel nach amerikanischem Vorbild

Zusätzlich findet in der Schleyerhalle aber das große Spektakel nach amerikanischen Vorbild statt. Seit strammen 34 Jahren ist das so. Keine Sportveranstaltung war häufiger zu Gast in der Halle am Neckarpark. Außer in Stuttgart gibt es noch Termine in Dortmund, München und Chemnitz – eine bewährte Geschichte ist das. Die Amerikaner kommen über den großen Teich, zeigen, was sie können, und sie verdienen sich ein paar Dollar dazu. Ohne sie gäbe es das Supercross in der Schleyerhalle vermutlich nicht – zumindest nicht auf diesem hohen Niveau.

Der ADAC wundert sich selbst darüber, wie lange sich die Veranstaltung in Stuttgart bereits hält. Es gab vor einigen Jahren mal Probleme, die Halle so zu füllen, dass die Angelegenheit nicht in die roten Zahlen rutscht. „Heute können wir guten Gewissens sagen, dass sich die Veranstaltung finanziert“, sagt Reimund Elbe vom ADAC. Die Maxime des Unternehmens mit den gelben Engeln lautet: Supercross muss kostendeckend sein. Würde man in Verlustzone rutschen, wäre es vorbei. Dem ist nicht so.

Das Publikum ist treu und kommt überwiegend aus dem Umland

Das liegt an der gewachsenen Struktur im Ländle. Aus Motocross-Hochburgen wie Reutlingen, Holzgerlingen, Gaildorf oder Aichwald rekrutiert sich ein Großteil des Publikums – aber vor allem auch zahlreiche der 150 ehrenamtlichen Helfer kommen aus den Clubs von Lande. „Für sie ist die Outdoor-Saison gerade vorbei, da haben Zeit und Lust, sich bei uns zu engagieren“, sagt Reimund Elbe. Baden-Württemberg ist Motocross-Land, auch in Sachsen ist das so. Das sichert der Hallensause in Stuttgart bei einem geschätzten Gesamt-Etat mehr als 200 000 Euro das Überleben. Nur so funktioniert das System.

Das überwiegend vom Land stammende Publikum ist da – also hält der ADAC am Supercross fest. 7000 Zuschauer waren am Freitag in der Halle, mit 7900 am Samstag war das Haus voll. 14 900 Zuschauer – das ist die Marke, die erreicht werden muss, auch die Zuschauer-Einnahmen am Freitag etwas rückläufig sind. Der ausverkaufte Samstag garantiert die Existenz.

Dei Veranstalter suchen permanent nach Verbesserungsmöglichkeiten

Der Zuspruch liegt daran, dass sich die Organisatoren nicht ausruhen. Am Programm wird ständig gefeilt. Neue Nachwuchsklassen werden vorgestellt und bekommen ihre Chance, das kommt beim Zuschauer an. Außerdem werden Topleute als Freestyler engagiert – das sind die furchtlosen Brüder, die über eine Rampe fahren und dann in zwölf Metern Höhe den Salto-Rückwärts zeigen. Da müsse man schon gute Leute präsentieren. „Es bringt nichts, wenn da einer in der Luft nur ein bisschen mit dem Lenker wackelt“, sagt Elbe.

Im Jahr 2017 findet das Supercross-Spektakel in der Schleyerhalle zum 35. Mal statt – so viel steht fest. Auch Dominique Thury, der am Samstag vom Motorrad abgestiegen war und nicht ins Finale kam, ist wieder dabei. Er will als Deutscher etwa dem Amerikaner Nicolas Schmidt, der an diesem Wochenende zweimal siegte, eine lange Nase drehen. Einer muss es ja tun.

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