Motorsport-Talente Zwei Teenager lassen die Rennfahrerelite staunen

Beeindruckender erster  Auftritt in der für ihn neuen Rennserie: der Steinenbronner Finn Gehrsitz. Foto: privat/z
Beeindruckender erster Auftritt in der für ihn neuen Rennserie: der Steinenbronner Finn Gehrsitz. Foto: privat/z

Für den Steinenbronner Finn Gehrsitz und den Möhringer Donar Munding bedeutet die diesjährige Teilnahme am Michelin Le Mans Cup den nächsten Karriereschritt. Nun sitzen beide auf mehr als 400 PS und haben einen klaren Plan.

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Steinenbronn/Möhringen - Unter Automobil-Rennsportlern haben sie einen Ruf wie Donnerhall: Die „24 Stunden von Le Mans“ sind für Langstreckenpiloten so etwas wie Wimbledon für Tennisspieler oder das Masters in Augusta für Golfer. Ein Start bei dem seit 1923 jährlich ausgetragenen Rennen im Nordwesten Frankreichs ist für die meisten Fahrer ähnlich erstrebenswert wie ein Platz in einem Formel-1-Cockpit. In der Siegerliste stehen ruhmreiche Namen wie Jacky Ickx, Graham Hill, Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig und Hans Herrmann, die mittlerweile 93-jährige schwäbische Motorsport-Legende.

Auch bei zwei Teenagern der Region lebt der Traum von Le Mans. Die Rede ist von dem 16-jährigen Steinenbronner Finn Gehrsitz und dem zwei Jahre älteren Möhringer Donar Munding, die beide den Sprung vom erfolgreichen Kartfahrer in Langstrecken-Rennautos geschafft haben – und die in diesem Jahr nun beide im sogenannten Michelin Le Mans Cup aufs Gaspedal drücken. Letzterer ist eine aus sechs Rennen bestehende internationale Serie, die als Sprungbrett eben für die mythenumrankten „24 Stunden“ gilt. Beteiligt sind 31 Teams mit jeweils zwei Fahrern. Gefahren wird bis Ende Oktober in Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und Portugal. Und, das Wichtigste: der Sieger der Gesamtwertung erhält für 2022 einen Startplatz in Le Mans.

Jüngster Fahrer der Wettbewerbsgeschichte

Vom Gewinn dieses Tickets sind Gehrsitz und Munding als Neueinsteiger natürlich noch einiges entfernt. Aber: beim Auftakt in Barcelona haben die zwei Nachwuchspiloten durchaus gleich einmal gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt. Gehrsitz belegte als jüngster Fahrer in der Geschichte der Le-Mans-Cup-Serie zusammen mit seinem Kölner Partner Hamza Owega den achten Platz. Und Munding kam im Gespann mit Maik Rosenberg (Attendorn) auf Rang 17. Beide überzeugten mit einem couragierten Auftritt.

„Es gab mehrere neutralisierte Rennphasen mit dem Sicherheitsfahrzeug, die unseren herausgefahrenen Vorsprung haben schmelzen lassen. Das ist leider der Rennsport. Insgesamt bin ich aber mit meinem Ergebnis im ersten Rennen sehr zufrieden“, sagt Gehrsitz. Der Elftklässler des Leinfeldener Immanuel-Kant-Gymnasiums, der im vergangenen halben Jahr seine ersten drei Autorennen allesamt gewonnen hatte, stand nach dem Training sogar auf Startplatz zwei. Und er hatte im Rennen dann auch an zweiter Stelle liegend an seinen Teamkollegen übergeben. Allerdings fiel jener anschließend zurück. Von vornherein weiter hinten, nämlich auf Rang 18 nach der Qualifikation, musste sich Munding einordnen. Doch auch er ließ aufhorchen: In seinem 455 PS starken Ligier startete der 18-Jährige eine furiose Aufholjagd bis auf die dritte Position – welche sein Mitstreiter, in diesem Fall der Sauerländer Routinier Rosenberg, ebenfalls nicht halten konnte.

Das Ziel: erst Abi, dann Profifahrer

Mundings Referenz: er ist amtierender deutsche Vizemeister im Porsche Super Sports Cup. Aktuell macht er an der Stuttgarter Cotta-Schule sein Abitur – und will danach wie Gehrsitz ganz auf eine Karriere im Langstrecken-Automobilrennsport setzen. „Mein Ziel ist es, mich nächste Saison als Vollprofi komplett auf den Rennsport fokussieren zu können“, sagt Munding, dessen ebenso mit Benzin im Blut aufgewachsener älterer Bruder Wodan zurzeit eine Karrierepause einlegt.

Donar, der Youngster der Familie, der als Kartpilot sogar schon an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat, will beim nächsten Rennen im französischen Le Castellet (4./5. Juni) mit seinem Kollegen weiter vorne angreifen. „Der Auftakt war ein bisschen holprig, weil das Fahrzeug für mich neu war und ich kaum Gelegenheit zum Testen hatte. Das wird nächstes Mal schon deutlich besser aussehen“, sagt er. Echte Le-Mans-Luft werden sowohl er als auch Gehrsitz dann beim vierten Saisonrennen am 21. Mai schnuppern können. Das findet nämlich, mit zwei kurzen Abschnitten von jeweils 55 Minuten, im Rahmenprogramm des diesjährigen 24-Stunden-Rennens statt. Die großen Vorbilder werden den beiden schwäbischen Talenten bei dieser Gelegenheit näher denn je sein.

„Wenn ich meine Form aus Spanien halten kann, dann ist dort sogar ein Spitzenplatz für uns drin. Mein erster Start bei den 24 Stunden von Le Mans ist für 2023 oder 2024 geplant“, sagt Finn Gehrsitz selbstbewusst. Es wäre der nächste große Schritt auf dem erhofften Weg in den Rennfahrer-Olymp.

Hintergrund: Michelin Le Mans Cup

Der Michelin Le Mans Cup ist eine internationale Sportwagen-Rennserie über Langstrecken, die 2016 ins Leben gerufen wurde und durch die „24 Stunden von Le Mans“ inspiriert ist. Beteiligt sind in diesem Jahr 31 Teams mit jeweils zwei Fahrern, von denen in jedem Rennen beide einen jeweils zweistündigen Teilabschnitt bewältigen müssen. Die Ausnahme ist die Veranstaltung „Road to Le Mans“, bei der auf der Originalstrecke jeder Fahrer 55 Minuten im Einsatz ist. Insgesamt sind von April bis Ende Oktober sechs Rennen in fünf europäischen Ländern vorgesehen. Der Auftakt war in Barcelona. Das Gesamt-Siegerteam erhält für 2022 einen Startplatz beim Klassiker „24 Stunden von Le Mans“. Gefahren werden zwei verschiedene Sportwagenklassen (Gran Turismo und Le-Mans-Prototyp-3), die aber einheitlich gewertet werden.




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