Motsi Mabuse unterrichtet in Stuttgart Warum Tanzen glücklich macht

Von Uwe Bogen 

RTL-Star Motsi Mabuse freut sich, dass Stuttgart vorneweg tanzt. Wir sprachen mit ihr über die erste Tanzmesse Deutschlands, das erste gleichgeschlechtliche Tanzpaar in „Let’s Dance“ und warum Bewegung zur Musik so wichtig ist.

Von ihr heißt es, sie habe Chili im Blut:  RTL-Star Motsi Mabuse kommt im April zur Tanzmesse nach Stuttgart  Foto: Alexander Heinrichs
Von ihr heißt es, sie habe Chili im Blut: RTL-Star Motsi Mabuse kommt im April zur Tanzmesse nach Stuttgart  Foto: Alexander Heinrichs

Stuttgart - Kleine Nachhilfe gefällig, verehrte Motsi Mabuse? Zur ersten Tanzmesse Deutschlands Ende April wird die Südafrikanerin als Samba-Referentin und Vortänzerin nach Stuttgart kommen, also mitten rein in schwäbische Sphären, in denen bereits die Sprache fetzt. Die Tanztrainerin, als Jury-Mitglied der RTL-Erfolgsshow „Let’s dance“ berühmt, ist bereit für den Mini-Mundart-Unterricht. Vom Stuttgarter Journalisten erfährt sie, dass der Schwabe folgenden Satz gern sagt: „Der tanzt wie dr Lump am Stecka.“ Ob die Besitzerin einer Eschborner Tanzschule das versteht?

Motsi Mabuse lacht. „Ich glaube, es bedeutet, dass man komisch tanzt“, antwortet sie und fragt: „Ist das richtig?

Die Messe Dance World findet vom 26. bis 28. April statt

Ob es bei den Schwaben mehr Lumpen oder mehr Stecken gibt, ob man hier komischer rumhüpft als im Rest des Landes, ist wissenschaftlich nicht erforscht. Beim Tanzen, das allerdings steht zweifelsfrei fest, ist Stuttgart führend. Das weltberühmte Ballett steht mit einer einzigartigen Tradition für Tanzkunst in der Champions League. Stets für neue Höhepunkte sorgen die Erben des 1973 verstorbenen Choreografen John Cranko. Aber auch beim modernen Tanz ist Stuttgart Spitze. Der gebürtige Kanadier Eric Gauthier, 42, einst selbst Solist im großen Ballett, hat 2007 eine eigene Compagnie im Theaterhaus auf dem Pragsattel gegründet. Der Tausendsassa der Stuttgarter Kulturszene versetzt darüber hinaus mit seinem Tanzfestival „Colours“ die halbe Stadt in Bewegung – und zählt nun auch noch zu den Gründern der Messe Dance World, die vom 26. bis 28. April erstmals unweit vom Flughafen mit vielen internationalen Tänzern stattfindet.

Als prominentes Gesicht hat Gauthier die Tanzkollegin Motsi Mabuse gewonnen, von der es heißt, sie habe Chili im Blut. Warum der Tanz wichtig für die Menschen ist, erklärt die 37-Jährige, seit vergangenem August Mutter einer Tochter, kurz und bündig: „Tanzen lenkt ab vom Alltag. Man konzentriert sich auf sich, die Musik und die Schritte. Tanzen stimuliert alle Sinne und bringt die Menschen zusammen.“

Stimmt die alte Regel „der Mann führt, die Frau folgt“ noch?

Wenn an diesem Freitag der Sender RTL eine neue Staffel seiner Erfolgsshow „Let’s Dance“ startet– wieder mit Motsi Mabuse am Jurytisch – wird, will man’s pathetisch ausdrücken, Fernsehgeschichte geschrieben. Erstmals tritt ein gleichgeschlechtliches Tanzpaar in dem Wettbewerb an. Die lesbische Schlagersängerin Kerstin Ott wird mit einer Frau tanzen. Früher lautete die Regel beim Tanzen „der Mann führt, die Frau folgt“. Was gilt heute? „Die Regelung, dass einer führt und einer folgt, gilt nach wie vor“, sagt die 37-Jährige, „wichtig ist nur, dass man sich vorher einigt, wer was macht. Sonst wird der beste Tanz ein Desaster.“

Diesmal ist ein Stuttgarter Comedian bei „Let’s dance“ dabei. Wie schätzt die Jurorin die Chancen des türkischen Schwaben Özcan Cosar ein? „Vorher kann man das nie genau sagen“, antwortet sie, „ich warte immer die erste Sendung ab und beobachte die Kandidaten ganz genau.“ Es habe schon viele Überraschungen gegeben.

Kann jeder tanzen? Für Motsi Mabuse ist dies keine Frage. „Aber klar“, entfährt es ihr. Es müsse aber nicht immer der Profitanz sein. Seine Partnerin oder sein Partner im Arm halten und zur Musik hin- und herwiegen, dies sei doch auch tanzen. Was sagt sie Frauen, die klagen, ihre Männer würden nicht tanzen? Ihre Antwort: „Ich sage ihnen, dass sie ihn nicht zwingen sollen. Das hat keinen Zweck. Aber sie dürfen ruhig ein bisschen drängeln. Das hilft oftmals, wie sich in unserer Tanzschule immer wieder zeigt. Und am Ende hat es den Männern sogar sehr viel Spaß gemacht.“ Wenn man den Männern erkläre, dass sie beim Tanzen das Sagen hätten, helfe dies oft. Andernfalls könnten Frauen Solotanzkurse besuchen.

Motsi Mabuse sagt über sich: „Ich bin eine strenge Lehrerin!“

Dass Stuttgart eine Tanzmesse auf die Beine stellt, begeistert Motsi Mabuse: „Das ist wichtig für die Zukunft des Tanzens. So kann der Tanz den Menschen noch näher gebracht werden.“ Das Motto ihrer Tanzschule laute „Augen zu und tanzen“. Jetzt ruft sie ein neues Motto aus: „Auf nach Stuttgart – lasst uns tanzen!“ Für ihren Samba-Workshop bei der Messe verspricht sie „Spaß, Schweiß und Muskelkater“. Samba sei anstrengend. „Alle Körperteile werden beansprucht – nicht nur die Füße“, betont sie. Deshalb gehöre Samba zu den schwierigsten Tänzen. Gleichzeitig warnt die 37-Jährige: „Ich bin eine strenge Lehrerin!“ Bei ihr helfe nur eines: „Üben, üben, üben!“ Ohne Rhythmus geht bei ihr nichts. „Zu Hause läuft bei uns den ganzen Tag Musik“, berichtet sie, „und ich tanze mit meiner Tochter im Arm.“ Bewegung zur Musik verleiht Kraft und Selbstbewusstsein. Tanzen macht locker. Und das Glück kommt dann von ganz allein.

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