Museum Frieder Burda Banksy ist eine Attraktion

Von Hans-Dieter Fronz 

Das ist fast wie bei „Mona Lisa“: Vor dem Schredder-Bild des Street-Art-Künstlers Banksy im Museum Frieder Burda in Baden-Baden bilden sich schon am ersten Tag Menschentrauben. Mehr als das Werk selbst interessiert die Besucher aber ein Video von der Schredder-Aktion.

Besucher lichten das geschredderte Werk „Love is in the Bin“ in Baden-Baden mit ihren Smartphones ab. Foto: AFP 11 Bilder
Besucher lichten das geschredderte Werk „Love is in the Bin“ in Baden-Baden mit ihren Smartphones ab. Foto: AFP

Baden-Baden - „Banksy“ ist in schwarzen Versalien auf dem Hinweisschild beim Aufgang zu den oberen Stockwerken des Museums Frieder Burda in Baden-Baden zu lesen; darunter eine kleine Abbildung des geschredderten Sprühbilds „Girl with Balloon“, das zurzeit in aller Munde oder besser: medial vor aller Augen ist. Oben, im zweiten Stockwerk des Ausstellungshauses, wurde das offene Kabinett rechter Hand durch eine eingezogene Mauer nahezu ganz geschlossen. Nur rechts ließ man einen Eingang frei – und auf der anderen Seite der Mauer einen Ausgang: Die Ein- und Austretenden sollen sich vermutlich nicht in die Quere kommt, offenbar rechnet das Museum mit regelrechten Menschenströmen.

Und es liegt damit nicht ganz falsch, denn: Beim Eintreten erblickt man auf einer Seite des Raums eine respektable Menschentraube – „Mona Lisa“ en miniature, sozusagen. Jeder der dort Stehenden blickt zur Wand, viele mit gezücktem Smartphone. Doch hängt in Blickrichtung gerade nicht das Bild, das alle und nicht zuletzt die Medien umtreibt. Geboten wird vielmehr eine Videoprojektion mit der Kurz- und der Langfassung des Videos, in dem der Street-Artist das öffentliche Schreddern seines Bildes bei der Auktion von Sotheby’s am 5. Oktober des vergangenen Jahres dokumentiert und gleichzeitig zeigt, wie er den Bilderrahmen für das Zerstörungswerk präparierte. Das zu zwei Dritteln geschredderte Bild selbst hängt an der Wand gegenüber.

Das Motiv stammt von einer Blur-Plattenhülle

Davor stehen deutlich weniger Menschen. Einer von ihnen ist Ulrich Blanché – der Banksy-Spezialist, der in einem Vorbericht in der ARD-Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente“ am vergangenen Sonntag Kommentare zu dem Bild und der Schredderaktion lieferte. In gehobenem Flüsterton gibt er einer Dame Erläuterungen und weist etwa auf Details hin wie den Umstand, dass der herzförmige Ballon in der geschredderten Version – anders als in dem Street-Art-Bild – eine dreidimensionale Anmutung hat und die Ränder gerüscht erscheinen. In einer Vitrine ist auch die Vinyl-Single von Blur aus dem Jahre 2003 samt Plattenhülle mit einem Prototypen des Mädchen-mit-Ballon-Sujets ausgestellt – gleichsam die Geburtsstätte des Motivs.

Das Publikum: gemischt, nur die Jungen und die ganz Kleinen fehlen – der typische Querschnitt von Museumsbesuchern also. Durch Abwesenheit glänzen die Medien: keine aufgebauten Kameras, kein Reporter mit Mikrofon in der Hand. Alle scheinen schon am Vortag da gewesen zu sein; eine ganze Reihe von Zeitungen berichtete bereits von der Hängung des Werks. Bei einem global wahrgenommenen Thema wie diesem heißt es, brandaktuell zu sein. Am liebsten wäre man vermutlich schon beim Schredder-Coup dabei gewesen.

Das Museum Frieder Burda zeigt das Banksy-Bild bis 3. März, der Zugang ist kostenfrei. Danach geht es von Baden-Baden als Dauerleihgabe in die Staatsgalerie Stuttgart.




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