Musikvideos beim Festival Filmwinter Ehrung für die Stuttgarter Band Rocket Freudental

Erste Preisträger des neuen Landesmusikvideopreises: Rocket Freudental Foto: Manufaktur
Erste Preisträger des neuen Landesmusikvideopreises: Rocket Freudental Foto: Manufaktur

Dick und Doof wackeln mit dem Hintern, eine Landschaft verändert sich, und Musik spielt dazu: Die neuen Videopreise Buggles Award wollen Kreative fördern und vernetzen.

Kultur: Susanne Benda (ben)

Stuttgart - Das Video heißt „Der Stuhlkreis“, und zu sehen ist eigentlich nicht viel. Eine schlichte Animation zeigt einen großen, langen Mann mit E-Gitarre und einen kleinen, dicken Mann mit Drum und Keyboard. Zu hören ist der gleichnamige neue Song der 1999 in Stuttgart gegründeten Alternative-Band Rocket Freudental, bestehend aus André Möhl und Robert Steng, in dem es um das Absurdistan von Kommunikationstraditionen vor allem im Team geht. „Ich hab gehört, was du gesagt hast, ich verstehe deine Sicht. Dafür hab ich kein Verständnis, nee, da mach ich sofort dicht“ heißt es im Text, den der Sänger wütend, pointiert und mit viel Nachdruck deklamiert. Der Zeichner Ged Haney füllt die Figuren im Film mit herrlicher Selbstironie, lässt den Dicken und den Doofen synchron zum verkündeten Aufstand gegen Gruppenzwang und Manierendiktat subversiv hüpfen, musizieren, singen und mit den Hintern wackeln.

Das bleibt im Auge und im Ohr – und weil das so ist, wurde „Der Stuhlkreis“ am Wochenende mit dem neuen Preis Buggles Award ausgezeichnet, den das Stuttgarter Festival Filmwinter gemeinsam mit dem Pop-Büro der Region Stuttgart ausgelobt hatte. Das Video, so die Begründung der Jury, zeige, „was ein gutes Musikvideo ausmacht: eine Idee, simpel genug, um sich augenblicklich/auf einen Blick zu erschließen, die dann so gut ausgeführt wird, dass sich jeder Funken Persönlichkeit, Humor und Ausstrahlung des Songs sofort darin wiederfinden“. Die Animation fange nicht nur perfekt das Groteske des Songtextes ein, sondern illustriere obendrein die Stimmfarbe des Sängers, die Bewegung des Rhythmus und „die zunehmende psychedelische Verworrenheit des Songs an sich“.

Der neue Landesmusikvideopreis Buggles Award trägt seinen Namen mit Recht: Er verweist auf den Hit „Video killed the Radio Star“ des von 1979 bis 1981 aktiven britischen Popduos (The) Buggles. Der Clip zu dem Lied, bei dem Russell Mulcahy Regie führte, war am 1. August 1981 das erste Musikvideo, das der US-amerikanische Fernsehsender MTV ausstrahlte. Der Buggles Award ist mit 1000 Euro dotiert und soll nicht nur einen Anreiz für die Produktion neuer anspruchsvoller Musikvideos bieten, sondern auch Filme aus dem Internet als Kunstwerke einem Live-Publikum auf einer realen Leinwand zugänglich machen. Außerdem soll die vielfältige Musiklandschaft des Landes die Möglichkeit bekommen, sich zu vernetzen.

Weitere Preise, sogenannte Lobende Erwähnungen (dotiert mit je 300 Euro), gingen an „Laharland“ von Katharina Wibmer (Video/Animation) und dem Stuttgarter Trio Portosol (Ausschnitte aus dem Stück „Phlégo“), ein animiertes Video über den Zauber von Vergänglichkeit und Veränderung, sowie an „Hinter unbewohnten Häusern“ von Duc-Thi Bui zu Musik des Post-Punk-Trios Kaufmann Frust aus Stuttgart, München und Berlin. Den Publikumspreis in Höhe von 500 Euro erhielt der mit (Teilen von) Schaufensterpuppen bebilderte Song „Aufeinanderliegen“ von Tiemo Hauer.

www.filmwinter.de




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