Nach Anschlag auf Nachtclub Polizei sucht weiter nach dem Attentäter von Istanbul

Von red/AP 

Istanbul steht noch immer unter Schock. Nach dem Attentat auf einen Nachtclub ist der Täter weiterhin auf der Flucht. Währenddessen steigt die Zahl der ausländischen Toten.

Die Polizei sucht weiterhin nach dem mutmaßlichen Attentäter. Foto: AP 17 Bilder
Die Polizei sucht weiterhin nach dem mutmaßlichen Attentäter. Foto: AP

Istanbul - Nach dem Terroranschlag auf die beliebte Disco „Reina“ in Istanbul sollen die ausländischen Toten am heutigen Montag an ihre Angehörigen übergeben werden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Fast ein Drittel aller 39 Opfer waren Ausländer, vor allem aus dem Mittleren Osten. Die Polizei suchte unterdessen weiterhin nach dem mutmaßlichen Attentäter des Blutbades.

„Unsere Sicherheitskräfte haben alle notwendigen Ermittlungen eingeleitet. So Gott will finden wir ihn in kurzer Zeit“, sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu mit Hinblick auf den Unbekannten.

Ermittler untersuchten am Sonntag das Chaos in dem Club, unter anderem waren Stühle und Tische zerborsten. Überprüft wurden auch Kleidungsstücke, die die Partygäste in Panik zurückgelassen hatten. Vor einer Leichenhalle kam es zu emotionalen Szenen: Einige Angehörige schrien auf und fielen auf den Boden, nachdem sie vom Tod ihrer Verwandten und Freunde erfahren hatten.

Zur Tatzeit waren etwa 600 Menschen in der Disco

Der Angreifer hatte am Sonntagmorgen insgesamt 39 Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt. Rund 75 Minuten nach Anbruch des neuen Jahres erschoss er vor der Disco einen 22 Jahre alten Polizisten und einen 47-jährigen Reiseverkehrskaufmann – danach stürmte er in den Nachtclub. Außenkameras zeigten einen in schwarz gekleideten Mann, während die Aufnahmen aus dem Inneren einen Täter zeigten, der offenbar so etwas wie eine Weihnachtsmannmütze trug.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim berichtete, der Täter habe eine Waffe in dem Club zurückgelassen und das entstandene Chaos nach dem Anschlag genutzt, um zu flüchten. Bisher hat sich noch niemand zu der Terrorattacke bekannt. Ob es Hintermänner gab, ist ebenfalls unklar.

Unter den Toten waren unter anderem drei Inder, drei Libanesen, drei Jordanier, ein Belgier und ein Kanadier. Verletzt worden sind nach türkischen Behördenangaben zudem Bürger aus Saudi-Arabien, Marokko und Libyen. Zur Tatzeit waren Schätzungen zufolge etwa 600 Menschen in der Disco, die häufig von berühmten Sängern, Sportlern und Schauspielern besucht wird.

Unterdessen wiesen die Vereinigten Staaten türkische Medienberichte und Angaben in Sozialen Netzwerken zurück, nach denen die Geheimdienste des Landes von der Gefahr eines Anschlags in dem Club gewusst hätten. Die Regierung habe von keinen konkreten Bedrohungen gewusst, teilte die US-Botschaft in Ankara mit. Die USA verurteilten die Attacke, ebenso Russland und der UN-Sicherheitsrat.

Im vergangenen Jahr wurde die Türkei insgesamt von mehr als 30 gewalttätigen Angriffen erschüttert, darunter auch mehrfach Bombenanschläge.