Nach Deckensanierung Im Stiftsbad kann jetzt wieder gebadet werden

Von Luitgard Schaber 

Die Schäden an der Decke des Hallenbades sind gesichert. Wie lange das Bad allerdings weiter betrieben werden kann, steht noch nicht fest.

In Beutelsbach kann man wieder im hallenbad schwimmen. Foto: Pascal Thiel
In Beutelsbach kann man wieder im hallenbad schwimmen. Foto: Pascal Thiel

Weinstadt - Weinstadt kann aufatmen. Die schlimmsten Befürchtungen bezüglich des Stiftsbads in Beutelsbach haben sich nicht bestätigt. „Die Schäden an der Stiftsbad-Decke sind doch nicht so gravierend wie zunächst befürchtet“, teilt Jochen Beglau, der Leiter des Amts für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Stadtmarketing, auf Anfrage mit. An diesem Mittwoch könne das Hallenbad daher wieder geöffnet werden.

Anfang November vergangenen Jahres musste das Bad unerwartet kurzfristig geschlossen werden (wir berichteten). Bei einer Routineuntersuchung kamen an der Deckenkonstruktion Schäden zu Tage, deretwegen die Stadtverwaltung um die Stand- und Verkehrssicherheit der Einrichtung fürchtete. Aufhängungen der Deckenbekleidung über dem Becken des Stiftsbades hatten durch Korrosion erheblich Schaden genommen, wie sich an einer zur Prüfung geöffneten Stelle zeigte.

Das Schreckgespenst Cabriobad ging um

Um den Zustand des Bades umfangreich begutachten zu lassen, habe man einen Baustatiker, einen Bauphysiker, einen Heizungsbauer und einen auf Bäder spezialisierten Planer hinzugezogen, berichtet Beglau. Dafür habe man das Wasser abgelassen und ein Vollflächengerüst eingezogen, um alle Bereiche der Decke in Augenschein nehmen zu können. „Wir gingen vom Worst Case aus, nämlich dass die Decke komplett saniert werden muss. Dafür hat der Gemeinderat dann kurzfristig eine gedeckelte Summe von 150 000 Euro bereitgestellt.“

Der Gemeinderat sorgte sich indes nicht nur allein wegen des Stiftsbads. Im Gremium ging noch ein ganz anderes Schreckgespenst um: das Cabrio-Bad. Im Jahr 2009 musste das Endersbacher Mineral-Hallenbad wegen eines völlig maroden Daches geschlossen werden. Seitdem wünscht man sich in Weinstadt einen Ersatz. Zumal wohl bekannt ist, dass auch das Stiftsbad immer mehr in die Jahre kommt und nicht mehr lange durchhalten wird. Weinstadt braucht aber auf jeden Fall für den Schwimmunterricht seiner Schulen ein Angebot. Bereits jetzt besteht beim Sportunterricht eine Unterversorgung. Der damalige Beschluss für einen Badneubau wurde allerdings im Jahr darauf bereits durch einen Bürgerentscheid wieder gekippt. In den folgenden Jahren verhinderten eine Lösung der Bäder-Problematik indes nicht nur Animositäten zwischen den Weinstädter Teilorten, sondern auch die angespannte Finanzlage der Stadt. So schwebt diese seither wie ein Damoklesschwert über Gemeinderat und Verwaltung – vor allem weil sie emotionsbeladen wie kein anderes Thema in Weinstadt ist. Es ist ein schweres Erbe, das Michael Scharmanns Amtsvorgänger, Jürgen Oswald, dem neuen Oberbürgermeister da hinterlassen hat.

Aufgrund dieser Vorgeschichte fürchtete man, dass das Stiftsbad ebenfalls mit einer Sanierung nicht mehr zu retten ist und für immer seine Pforten schließen muss und die Stadt damit ihr zweites und letztes Hallenbad verliert. Doch bei der Überprüfung weiterer Deckenflächen sei herausgekommen, dass zufällig bei der Routinekontrolle das schlechteste Deckenfach geöffnet worden war, gibt Beglau Entwarnung. „Zwar ist Rost auch an anderen Stellen der Deckenaufhängung zu finden, aber nicht derart, dass eine Durchrostung unmittelbar zu befürchten ist.“ Die schadhaften Stellen seien inzwischen gesichert worden. Zusätzlich habe man, „um ganz auf Nummer sicher zu gehen“ in Absprache mit einem Baustatiker ein Fangnetz unter der Decke eingezogen. Zudem solle die nächste Routineuntersuchung statt in fünf bereits in zwei Jahren stattfinden.

Die Haustechnik ist in einem „abgängigen Zustand“

Somit dürfte die Decke laut Gutachter noch mindestens drei bis fünf Jahre halten, teilt Beglau mit, und das Stiftsbad könne noch ein paar weitere Jahre genutzt werden – falls keine weiteren Schäden auftreten. Doch solche sind absehbar. Denn: „Da die Technik - Heizung, Lüftung, Sanitär – in einem abgängigen Zustand ist, drohen weitere kurzfristige Schließungen.“ Wartung und Erhaltung kosten jährlich 20 000 bis 30 000 Euro, wie die Stadt im November bekannt gab. So hat etwa die Lüftung ihre technische Lebensdauer längst überschritten. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann das Stiftsbad endgültig schließen muss.

Bislang indes läuft die Technik noch. Für die Wiedereröffnung habe man sie schon in Gang gebracht, um das Wasser aufzuheizen, berichtet Beglau. Das Stiftsbad hat von diesem Mittwoch an wieder geöffnet.




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