Nach der TV-Show Traum vom Schnullerspender ist noch nicht ausgeträumt

Von Caroline Holowiecki 

Der 42-jährige Erfinder Sebastian Stahl aus Leinfelden-Echterdingen ist in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ mit seinem Schnullerspender für Kleinkinder gescheitert. Dabei hatte er alles auf eine Karte gesetzt. Was ist sein Plan B?

Sebastian Stahl mit drei von ihm entwickelten  Binkybox-Modellen Foto: Caroline Holowiecki
Sebastian Stahl mit drei von ihm entwickelten Binkybox-Modellen Foto: Caroline Holowiecki

Echterdingen - Eine Abfuhr vor einem Millionenpublikum! Anfang November stellte der Echterdinger Erfinder Sebastian Stahl in der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ seinen Schnullerspender Binkybox vor, doch keiner der Investoren konnte sich dafür erwärmen. „Natürlich war ich enttäuscht, das hat man gesehen“, sagt er im Nachgang. Bereits im Mai war die Aufzeichnung gewesen. Was Sebastian Stahl gedacht hat, als er die Niederlage Monate später nochmals am Bildschirm anschauen musste? Er überlegt kurz. „Da fällt mir auf, dass ich es noch gar nicht gesehen habe“, sagt er. Denn während die Show gelaufen sei, habe er am Telefon gehangen und parallel unzählige Facebook- und Instagram-Nachrichten beantwortet. Von begeisterten Eltern.

Seit 2013 an Innovation getüftelt

Seit 2013 tüftelt Sebastian Stahl an seiner Innovation. Aus der eigenen Not heraus. An die Zeit, als seine heute siebenjährige Tochter nachts weinte, weil sie ihren Nucki verloren hatte, erinnert er sich noch bestens. „Sie hat bis zu zehnmal pro Nacht geschrien, da hat man keine Stunde am Stück Schlaf“, sagt er und schaut gequält. Geboren war die Idee der Binkybox, aus der sich Kleinkinder selbst einen Schnuller ziehen können.

Für die Erfindung hat Sebastian Stahl alles auf eine Karte gesetzt. Seinen Job im Bereich Eventmanagement hat der gelernte Schreiner und Betriebswirt gekündigt. 250 000 Euro hat die Familie in die Entwicklung, die Anmeldung zum Patent und die Zertifizierung der Box investiert – halb privat, halb von der Bank. Während Mama weiter bei einem Softwareunternehmen arbeitet, ist Papa daheim bei den zwei Kindern, schmeißt den Haushalt und kümmert sich um den Aufbau seines Geschäfts. „Ich bin überall der einzige Vater“, sagt er und lächelt dabei.

Ein Kinderspiel ist das alles nicht. Zwar hat der Verkauf der Binkybox seit der TV-Ausstrahlung angezogen – 200 Stück habe er seit Anfang November verkauft –, dennoch ist Sebastian Stahl noch längst nicht da, wo er hin will: in die Regale der großen Geschäfte. „Wenn man keine Gewinnerzielung hat, ist es irgendwann vorbei“, stellt er klar. Er glaubt weiter an seinen „Problemlöser“ und sucht nach wie vor einen Investor, der nicht nur mit Geld, sondern auch mit Know-how aushilft.

Hersteller zeigt Interesse – doch Deal gibt es keinen

Ein großer Schnuller-Hersteller habe zunächst Interesse bekundet, geworden sei daraus nichts. Weitere Gespräche würden geführt, parallel soll demnächst der US-Markt durchleuchtet werden. Auch Händler im deutschsprachigen Raum hätten angeklopft. Sebastian Stahl ist ehrlich. „Zwar nicht so viele, aber das Interesse ist da.“ Bis dahin konzentriert sich der Firmenchef auf die Online-Vermarktung. Hergestellt werden die Kistchen fürs Gitterbettchen bei Künzelsau, „im Ländle, das war mir wichtig“. Das Organisatorische erledigt der 42-Jährige von der Wohnung am südlichen Echterdinger Ortsrand aus. Sein „Büro“ befindet sich in einem großen Schrank im Flur. Sebastian Stahl schaut zu seinem Laptop. „Die Leute landen alle bei mir.“

Viel Zuspruch von den Zuschauern erhalten

Dass die TV-Investoren keinen Markt gesehen hatten, kann der Familienvater bis heute nicht nachvollziehen. Immerhin würden bundesweit pro Jahr 780 000 Kinder geboren, „und 78 Prozent in Europa und Amerika benutzen einen Schnuller“. Von den Zuschauern habe er „sehr viel Zuspruch“ erhalten. Dennoch bekennt Sebastian Stahl, dass er auch mit dem Gedanken gespielt habe, alles hinzuschmeißen. „Das habe ich öfter gedacht.“ Schlaflose Nächte habe er viele hinter sich. Allein schon Patentanmeldung und Produktion hätten dem Quereinsteiger viel abverlangt. „Die Aufkleber ohne Weichmacher haben mich anderthalb Jahre gekostet“, sagt er. Halt gebe an dunklen Tagen die Familie. „Meine Frau sagt dann immer: Schau, was du schon erreicht hast.“