Nach EM-Finale Italien gegen England Prinz William “krank“ vor Wut wegen rassistischer Hetze

Prinz William verurteilt rassistische Beleidigungen nach dem verlorenen EM-Finale Englands gegen Italien. Foto: dpa/Mike Egerton 12 Bilder
Prinz William verurteilt rassistische Beleidigungen nach dem verlorenen EM-Finale Englands gegen Italien. Foto: dpa/Mike Egerton

Mit dem Kniefall war England Vorreiter im Kampf gegen Rassismus bei dieser EM. Dennoch wurden die Elfmeter-Fehlschützen Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka nach dem Finale rassistisch beleidigt. 

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London - Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka weinten bitterliche Tränen in den Armen ihrer Mannschaftskollegen. Englands tragische Helden waren nach ihren Fehlschüssen vom Elfmeterpunkt im EM-Endspiel gegen Italien untröstlich, selbst die aufmunternden Worte von Teammanager Gareth Southgate halfen im schwersten Moment ihrer Karriere nicht. 

Ein Blick in die sozialen Netzwerke dürfte sie auch nicht gerade aufgebaut haben, denn dort wurde das Trio zur Zielscheibe sinnlosen Hasses einer Minderheit kleingeistiger Fußballfans. Unter den letzten Instagramposts von Sancho, Rashford und Saka fanden sich schon Minuten nach dem bitteren 2:3 im Elfmeterschießen Dutzende Kommentare mit übelsten rassistischen Beleidigungen und Verwünschungen. 

Doch Unterstützung erhielten sie nach der dramatischen Finalniederlage gegen Italien aus höchsten Kreisen. „Ich bin angewidert von den rassistischen Beschimpfungen, die nach dem Spiel gegen die englischen Spieler gerichtet wurden“, twitterte Prinz William. Das Verhalten einiger Fans, schrieb der 39-Jährige weiter, sei „völlig inakzeptabel“ und müsse „jetzt aufhören“. 

Boris Johnson springt Pechvögeln zur Seite

Auch Premierminister Boris Johnson sprang den Pechvögeln zur Seite. „Diese englische Mannschaft verdient es, als Helden gewürdigt und nicht, in den sozialen Medien rassistisch beleidigt zu werden“, twitterte der 57-Jährige: „Diejenigen, die für diese entsetzlichen Beleidigungen verantwortlich sind, sollten sich schämen.“ Die UEFA forderte ebenso wie der englische Verband FA die „schärfsten möglichen Strafen“.

Der Zwischenfall zeigt einmal mehr gnadenlos auf, dass der Kampf gegen Rassismus im Fußball noch lange nicht gewonnen ist - und speziell das Fußball-Mutterland große Probleme in dieser Hinsicht hat. 

Die Engländer selbst taten sich bei dieser EM wieder als Vorkämpfer hervor, vor jeder Partie setzten sie mit dem „Kniefall“ ein Zeichen gegen Diskriminierung sowie Rassismus und für mehr Toleranz. Dabei gab es gerade zu Turnierbeginn vereinzelte Buh-Rufe, erst im späteren Verlauf erhielten sie dafür donnernden Applaus.

Als dann drei junge Spieler im wohl schwersten Moment Verantwortung übernahmen, traten aber eben doch wieder einige Unverbesserliche in den sozialen Medien hervor.

„Dass einige von ihnen beschimpft wurden, ist unverzeihlich. Einiges davon ist aus dem Ausland gekommen, das hat man uns gesagt, aber einiges ist aus diesem Land gekommen“, monierte Southgate. Auch der Coach selbst musste teils herbe Kritik für seine Auswahl der Elfmeterschützen einstecken.

Polizei ermittelt wegen rassistischen Beleidigungen

Die extra für den Showdown eingewechselten Sancho und Rashford, der schon nach dem Europa-League-Finale im Mai rassistisch beleidigt wurde, vergaben. Statt den erfahrenen Raheem Sterling oder Jack Grealish trat der 19-jährige Saka zum entscheidenden fünften Versuch an und scheiterte. „Saka ist ein Teenager, der noch nie einen Elfmeter geschossen hatte - warum also wurde er jetzt dazu aufgefordert?“, kritisierte der Telegraph.

Die Metropolitan Police nahm wegen der rassistischen Beleidigungen bereits Ermittlungen auf, bereits Anfang Mai hatte die Premier League wegen derartiger Vorfälle einen viertägigen Social-Media-Boykott initiiert.

„Social-Media-Unternehmen müssen aufstehen und Verantwortung übernehmen und Maßnahmen ergreifen“, forderte die FA nun: „Wir könnten nicht deutlicher sein, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, in der Anhängerschaft der Mannschaft nicht willkommen ist.“




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