In der TV-Sendung „Mario Barth deckt auf!“ wird massive Steuergeldverschwendung in Stuttgart angeprangert. Jetzt reagiert die Stadt auf die Vorwürfe.

Digital Unit: Jonas Schöll (jo)

Die Stadt Stuttgart hat sich gegen die in der RTL-Sendung „Mario Barth deckt auf!“ erhobenen Vorwürfe der Geldverschwendung gewehrt. „Alle drei Projekte, über die sich Mario Barth in seiner Sendung lustig macht, haben ihre Berechtigung“, sagte eine Sprecherin der Stadt am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. In der TV-Show vom Mittwochabend bekam die baden-württembergische Landeshauptstadt vor einem Millionenpublikum ihr Fett weg. Am Pranger in der Fernsehsendung stehen bunt bemalte Stäffele in der Stuttgarter City, eine geplante Freitreppe am Stadtpalais sowie eine Vogelschutzwand am Max-Eyth-See. Der Vorwurf: Sinnlose Verschwendung von Steuergeld.

So reagiert die Stadt Stuttgart auf die Vorwürfe

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Doch die Stadt Stuttgart hält dagegen – und rechtfertigt die in der Kritik stehenden Bauprojekte. So seien die angepinselten Treppen (Kosten: 75 000 Euro) sowie die geplante Freitreppe (Kosten: 1,9 Millionen Euro) vom Gemeinderat beschlossen. Die Vogelschutz-Vorrichtungen (Kosten: 85 000 Euro) seien sogar rechtlich verpflichtend. „Gerade die Stäffele sind ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in Stuttgart und werden durch die bunte Gestaltung noch einmal besonders hervorgehoben“, sagte die Stadtsprecherin. Mit den bunten Treppen will die Stadt eigenen Angaben zufolge Sportmuffel motivieren, künftig mehr Wege zu Fuß zu gehen. So schmückt die Hirschstaffel seit geraumer Zeit eine riesige Brezel im Mosaikstil. Noch farbenfroher ist die Treppe an der Schulstraße, die verschiedene Motive zeigt, etwa das Stuttgarter Wappentier, ein Smiley oder ein Herz. Und die Lorenzstaffel ist in Regenbogenfarben bemalt.

Doch die RTL-Komiker können nichts Positives darin sehen: „Die Bemalung der Treppen ist so überflüssig wie eine Faltencreme für Dieter Bohlen. Megateuer, aber bringt nichts“, nimmt Comedian Guido Cantz die selbst ernannten „urbanen Fitnessstudios“ im Auftrag von Mario Barth aufs Korn. „Hoffentlich kommen die nicht auf die blöde Idee, hier in Stuttgart die anderen 500 bis 600 Treppen auch noch voll zu pinseln, weil dann sind die wirklich pleite.“ Der Moderator lehnt sich mit einem Augenzwinkern weit aus dem Fenster: „Ich hätte es für 750 Euro mit Baumarktfarbe gemacht, aber mich hat keiner gefragt.“

Stadt rechtfertigt millionenteure Freitreppe an B14

Auch die geplante Freitreppe des Stuttgarter Wilhelmspalais an der stark befahrenen Bundesstraße erntet in der TV-Sendung Spott. „Wer kommt denn auf so eine blöde Idee, hier direkt an der B14 so eine verkackte Treppe für 1,9 Millionen Euro zu bauen – und diese dann auch noch als Begegnungsstätte zu verkaufen?“, witzelt Moderator Cantz. Der Plan für die Treppe ist mehrere Jahre alt und beruhte auf der Hoffnung, dass die Kulturmeile irgendwann von Lärm und Abgasen befreit wird. Die Sprecherin der Stadt verteidigt das millionenschwere Bauvorhaben: „Die Freitreppe nimmt den Gedanken auf, dass sich die Situation an der Bundesstraße in den nächsten Jahren verkehrlich deutlich bessern wird.“ Die Umgestaltung solle das Vorfeld und die Kulturmeile deutlich aufwerten.

Auch zu den im Fernsehbeitrag ins Lächerliche gezogenen Vorkehrungen zum Vogelschutz am Max-Eyth-See bezieht die Stadtsprecherin Stellung. Auf einer kleinen Insel sollen dort brütende Vögel ungestört bleiben. Zäune und Holzwände halten Besucher auf Distanz. Über deren Dimension ärgern sich viele Erholungssuchende. Die Ausweisung des Vogelschutzgebietes erfolge aufgrund des Brutvorkommens des stark gefährdeten Nachtreihers. Schutzmaßnahmen, wie etwa der Zaun, seien daher „dringend erforderlich“. Mario Barth versus Stuttgart – es dürfte nicht das letzte Kapitel gewesen sein. Denn am Ende des TV-Beitrags steht die Drohung von Cantz: „Wir waren nicht das letzte Mal in Stuttgart“.