Nachbarn Die schrecklich nettenMenschen von nebenan

Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Wer Pech hat, bekommt einen wie diesen. Foto: Adobe Stock/Rainer Fuhrmann
Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Wer Pech hat, bekommt einen wie diesen. Foto: Adobe Stock/Rainer Fuhrmann

An diesem Freitag ist Tag der Nachbarn. Gibt es Gründe, das zu feiern? Wir finden: ja. Und stellen gängige Typen vor.

Stuttgart - Nachbarn können einen in den Wahnsinn treiben, sie können aber auch Rettung in letzter Not sein. Wir stellen ihnen sechs Typen vor, die in fast jeder Nachbarschaft anzutreffen sind.

Der gute Geist

Er wohnt schräg gegenüber. Rentner, die Arbeitsjahre hinter sich, die besten noch vor sich. Von der Kaffeemaschine aus kann man ihn morgens sehen, weil er irgendwie immer gerade am Fenster steht und rüberschaut. Er winkt auch stets freundlich durchs geschlossene Fenster zurück. Später dann trifft man ihn vor dem Haus. Die erste halbe Stunde Parken ist kostenlos in der Straße, man muss nur einen Parkzettel am Automaten ziehen. Der Nachbar heftet Parkscheine an die Autos der Leute, die das nicht für nötig hielten. Man müsse der Stadt nicht unnötig Geld in den Rachen werfen, sagt er. Mit den Worten „Ah, hat er wieder verschlafen?“ entlässt er einen um kurz vor 10 Uhr in den Tag. (setz)

Die Pappkameraden

Einer veralteten Auffassung zufolge besteht die Welt aus Atomen. Richtig ist: Sie besteht aus Kartons. Was viele Nachbarn nicht wissen: Diese Kartons lassen sich zerkleinern – was sich sehr empfiehlt, bevor man sie in die Altpapiertonne wirft. Nicht gerade auf die Größe einzelner Atome, aber doch so, dass die Tonne nicht nach einem Tag schon nicht mehr zugeht. Leider lesen diese Nachbarn keine Zeitung, erhalten aber täglich etwa drei Pakete von Zalando und Co. in Handkoffer-Größe, die unzerkleinert in die Tonne wandern, nebst vier Schachteln vom Pizzaservice. Was sie auch nicht wissen: Eine nur zur Hälfte verspeiste Pizza zählt nicht als Pappe, egal wie pappig sie schmeckte. (pgt)

Der Blockwart

Er kümmert sich mit Hingabe um Belange, für die andere Hausbewohner keine Lebenszeit verschwenden. Dabei merkt er nicht, dass die Leute augenrollend an ihm vorbeihuschen, wenn er stundenlang im Hausflur herumlungert (er nennt das „nach dem Rechten sehen“) und jedem, der es nicht wissen will, erklärt, dass morgen „Gelber Sack“ ist. Verpackungen im Hausmüll? Prompt hängen die fünf goldenen Regeln für die Nutzung der Papiertonnen an der Haustür. Gewieft robbt er über den Dachboden auf der Suche nach illegal eingebauten Steckdosen, um vermeintliche Stromabzapfer zur Rede zu stellen: „Könnte ja sein, dass Sie hier oben am Computer arbeiten!“ (sdr)

Der stille Raucher

Gerade frisch eingezogen. Vom Hinterhofbalkon aus bietet sich ein super Blick auf die Balkons der anderen. Im obersten Stock eines Hauses aus den 60er Jahren steht, wann immer man hinschaut, ein Mann auf dem Balkon, rauchend, ansonsten regungslos. Aus der Ferne wirkt er ein bisschen wie der Schauspieler Billy Bob Thornton, also ziemlich cool. Ein einziges Mal ist er aus nächster Nähe zu sehen, auf der Straße. Ein kleiner, ungesund dünner Mensch. Doch jetzt steht er nicht mehr auf dem Balkon; zwei junge, redselige Frauen mit hörbar schlechtem Musikgeschmack haben die Wohnung bezogen. Schweigend rauchende Leute – Lieblingsnachbarn mit leider kurzem Leben. (golo)

Das Feierbiest

Keine Feier ohne – meine Nachbarin. Ob Straßenfest, Fasnet oder Hocketse, meine Nachbarin ist immer dabei. Wer keine Ausrede hat, muss mit! Ist der Veranstaltungskalender leer, findet die Party eben auf der eigenen Terrasse statt, die so üppig geraten ist, dass die komplette Nachbarschaft dort auch in Zeiten von Corona gefahrlos feiern könnte. Das geschieht gerne zu Ballermann-Klängen (oh nein!) oder süßlichen Schlagern (o. k., meinetwegen), meist bis tief in die Nacht, begleitet von Gesang. Beschwert haben wir uns über den Radau noch nie. Wie könnten wir auch? Schließlich stehen wir in elf von zehn Fällen mit auf der Terrasse. Karamba, Karacho, olé! (smr)

Die Neugierige

Man könnte sie für aufdringlich halten. Dabei ist ihr Distanz wichtig. Ihr täglicher Auftritt kündigt sich dadurch an, dass Vorhänge sanft auseinandergeschoben werden; von gelegentlicher Abwesenheit zeugt ein leeres Kissen vor dem Fenster. Die Frau ist einsam. Deshalb nimmt sie teil am Leben der anderen. Sie ist ein passives Mitglied der Familie gegenüber, kennt den ersten Freund der Pubertistin, bekommt mit, wie sich der Jüngste auf der Straße das Knie aufschlägt, registriert den Ehekrach ebenso wie die Partygäste. Ihre erste Tugend ist Zuverlässigkeit. Ihre zweite: Diskretion. Wenn man ihr zuwinkt, verschwindet sie rasch. Wäre sie nicht da, man würde sie vermissen. (ben)




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