Nachruf auf Stuttgarter Fraktionschef Zeeb Freie Wähler trauern um ihren Vordenker

Noch im Juli 2020 hat Kultusministerin Susanne Eisenmann die Staufermedaille an Jürgen Zeeb übergeben – jetzt ist er ganz überraschend gestorben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Noch im Juli 2020 hat Kultusministerin Susanne Eisenmann die Staufermedaille an Jürgen Zeeb übergeben – jetzt ist er ganz überraschend gestorben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der überraschende Tod von Jürgen Zeeb hat Fassungslosigkeit ausgelöst. Stuttgart verliere mit dem Fraktionschef einen der erfahrensten politischen Köpfe, meint auch der OB Fritz Kuhn.

Stuttgart - Die Betroffenheit ist groß, auch bei Fritz Kuhn (Grüne). Der OB hat am Montag nach dem überraschenden Tod des langjährigen Kommunalpolitikers Jürgen Zeeb dessen Verdienste gewürdigt. Zeeb war am Samstag mit 70 Jahren gestorben. Stuttgart verliere einen der erfahrensten politischen Köpfe, sagte Kuhn. Zeeb sei kommunalpolitisch ausgesprochen versiert gewesen, „immer aufgeschlossen, freundlich, verbindlich – und stets das Beste für das Gemeinwesen suchend“. Er sei immer vorbereitet und strikt sachlich gewesen. Kuhn: „In Erinnerung bleiben werden sein verbindlicher und zackiger Politikstil, seine Geradlinigkeit und Verlässlichkeit.“

Die Grünen-Fraktion im Rathaus erklärte ebenfalls, die Stadt verliere einen engagierten Kommunalpolitiker. Die Fraktionsvorsitzenden Gabriele Nuber-Schöllhammer und Andreas Winter hoben hervor: „Wir haben uns mit Jürgen Zeeb mitunter in der Sache hart auseinandergesetzt, haben ihn aber dabei immer als umgänglichen, konsensorientierten Kollegen kennengelernt. Seine Fachkompetenz als Architekt wurde im Rat geschätzt, ebenso sein Interesse an pragmatischen Lösungen und schnellen Entscheidungen.“

Erst im Juli war Zeeb die Staufermedaille überreicht worden, die der Ministerpräsident für besondere Verdienste um das Land vergibt. „Andere Fraktionsvorsitzende wechselten, Jürgen Zeeb blieb“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann damals. Das verwies darauf, dass Zeeb das wichtigste Gesicht der Freien Wähler in Stuttgart war, seit 1994 im Gemeinderat. Daneben spielte er eine große Rolle im Vereinsleben. Der Architekt mit Büro in Weilimdorf und zehn Mitarbeitern war verheiratet und kinderlos. 2016 hatte er einen Teil seines privaten Immobilienvermögens der Stadt geschenkt. Daraus entstand die Jürgen-Zeeb-Stiftung der Stadt. Sie fördert das öffentliche Gesundheitswesen, das Rettungswesen, die Jugendhilfe, das Wohlfahrtswesen, den Sport und religiöse Zwecke, besonders in Weilimdorf und Feuerbach.

Erst ein Schlaganfall, dann das Coronavirus

Einen ersten Warnschuss durch Krankheit hatte Zeeb etwa vor Jahresfrist erhalten. Damals erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich jedoch recht gut erholte. Nach dieser unerwarteten Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit versuchte er noch etwas gesundheitsbewusster und mit weniger Stress zu leben. Ende September 2020 dann infizierte er sich, wahrscheinlich in einem Fraktionsgespräch mit einem Bauinvestor, mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Auch das schien bald gut ausgestanden zu sein. Ob es an Spätfolgen davon liegen könnte, dass er am Samstag nach einem entspannten Spaziergang daheim zusammenbrach und sein Leben auch in einer Klinik nicht mehr gerettet werden konnte, dürfte letztlich ungeklärt bleiben. Wie auch die Frage, wie sich die Freien Wähler von dem Verlust ihres großen Stimmensammlers bei Wahlen erholen können. „Sein plötzlicher Tod trifft die Fraktion unvorbereitet und hart“, sagte Fraktionsvize Konrad Zaiß. „Er hinterlässt im Rathaus eine große Lücke“, sagte Rose von Stein, ebenfalls Vize. Man habe einen Vordenker verloren, sagte der Kreisvorsitzende Peter Aichinger. Wer an die Spitze der vierköpfigen Fraktion rückt, wird durch interne Wahl geklärt. Als Nachrücker in die Fraktion kommt Jörg Sailer aus Münster infrage, im Fall seiner Verhinderung Ex-Stadträtin Ilse Bodenhöfer-Frey.

Zeebs Bruder Rolf war übrigens auch lange Zeit Mitglied des Gemeinderats gewesen, allerdings für die FDP. Rolf Zeeb starb Anfang 2014 im Alter von 75 Jahren.




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