Nächster VfB-Gegner Werder Bremen Trainer Kohfeldt, der Rehhagel-Erbe

Von Frank Hellmann 

Unter dem Trainer Florian Kohfeldt holt der nächste VfB-Gegner Werder Bremen 32 Punkte – der Klassenverbleib ist damit fast perfekt. In Stuttgart will Kohlfeldt „die letzten Fragezeichen unbedingt wegwischen“.

Trainer Florian Kohfeldt (re.) hat Bremen auf Platz zwölf geführt – und ist bei den Fans beliebt. Foto: Getty
Trainer Florian Kohfeldt (re.) hat Bremen auf Platz zwölf geführt – und ist bei den Fans beliebt. Foto: Getty

Bremen - Florian Kohfeldt, Frank Baumann und Theodor Gebre Selassie saßen am Donnerstag zur Mittagszeit zusammen auf dem Podium im Ostkurvensaal des Weserstadions. Trainer, Geschäftsführer und Verteidiger hatten gute Laune mit zu der obligatorischen Pressekonferenz gebracht, was allerdings Kohfeldt zunächst mit einem fußballfremden Einfluss erklärte: „Ich habe eine Currywurst gerochen und richtig Appetit bekommen.“ Überhaupt grinste der Chefcoach auffällig oft, was nach seinem Bekunden auch mit dem Wetter zu tun hatte. „Wir verbringen halt viel Zeit im Freien.“ Wenn dann die Sonne scheint, macht es eben mehr Spaß.

Die Stimmung ist also gut bei den Grün-Weißen vor der Dienstreise nach Stuttgart, „wo wir unbedingt die letzten Fragezeichen wegwischen wollen“, wie Kohfeldt bereits nach einem 1:1 gegen RB Leipzig gefordert hatte. Mit einem Sieg wäre der Ligaverbleib in trockenen Tüchern, aber daran zweifelt der Coach ohnehin nicht mehr. „Im November vergangenen Jahres wäre jeder über die Situation sehr froh gewesen. Aber auch da war ich fest überzeugt: Am Ende wird definitiv der Klassenerhalt stehen.“

Gleichwohl sprach der 35-Jährige voller Hochachtung über den VfB. „Ein beeindruckender Weg“, nannte der Werder-Trainer die Stuttgarter Entwicklung unter dem Kollegen Tayfun Korkut, „sie sind für mich in der Ordnung die disziplinierteste Mannschaft der Liga.“ Zwischen den Zeilen klang jedoch auch deutlich heraus, dass da einer keinen Augenschmaus erwartet. Auf eine Umschalttaktik könne er – ohne den gesperrten Thomas Delaney – nicht setzen, „wir müssen den Gegner bespielen“. Deshalb werde es auch ganz anders als zuletzt gegen Leipzig. Unbequemer, vielleicht auch unansehnlicher.

Das Bremer Publikum besitzt ein feines Gespür

Vergangenen Sonntag fielen die Ovationen im Weserstadion nach Schlusspfiff so anhaltend aus, als hätte Werder ein wichtiges Europapokalspiel gewonnen. Das Bremer Publikum besitzt eben ein feines Gespür für das Machbare und steht anders als etwa die Hamburger Besucherschaft nicht im Verdacht, aus der Geltung der Stadt oder der Historie des Vereins eine überbordende Erwartungshaltung abzuleiten.

Die Sympathiebekundungen gingen auf die Spielweise zurück, ist in der Werder-Raute doch der nicht verhandelbare Anspruch eingepflegt, sich offensiv zu orientieren. Ein Rauf-und-Runter lief in Dauerschleife am Osterdeich, als an der Seitenlinie noch Thomas Schaaf oder Otto Rehhagel antrieben. Viele sehen in Kohfeldt – der mit zehn ungeschlagenen Heimspielen den Startrekord von „König Otto“ eroberte – nun einen legitimen Erben.

Nur: heutzutage wirken anderthalb Jahrzehnte auf der Bremer Trainerbank ungefähr so wahrscheinlich wie eine tragfähige Eisfläche im Winter auf der Weser. Und doch belegt die kürzlich erfolgte Vertragsverlängerung mit Kohfeldts Trainerteam bis 2021 zweierlei: dass es sich definitiv um einen Kandidaten für eine Langzeitlösung handelt. Und dass mindestens ein Spitzenverein schon auf dessen Fährte war.

Es braucht ja nur die Tabellenbilder vom zehnten und 30. Spieltag, um die Entwicklung unter dem von der U 23 beförderten Coach zu beschreiben. Werder war unter Vorgänger Alexander Nouri siegloser Vorletzter. Mit mickrigen fünf Punkten. Unter Kohfeldt hat die Mannschaft 32 Zähler verbucht. In dieser Zeitspanne waren nur der FC Bayern, Schalke 04 und Bayer Leverkusen besser. Doch klopft sich der bodenständige Bessermacher nicht auf die Schulter: „Die Kohfeldt-Tabelle ist nicht die wahre Tabelle. Ich orientiere mich an der Realität – und da sind wir Zwölfter.“

Taktische Fortschritte sind zu erkennen

Gleichwohl: die spielerischen und taktischen Fortschritte – etwa mit dem zwischen Mittelfeld und Abwehr pendelnden Philipp Bargfrede – sind unverkennbar. Sichtbar im Positionsspiel, messbar in den Ballbesitzphasen. Wenn einmal die Balance nicht passt, reagiert der Fußballlehrer – vielleicht nicht zufällig der Jahrgangsbeste 2015 – unmittelbar. Und doch sei seine Mannschaft von einem echten Spitzenteam noch „weit, weit entfernt“, beteuert er. Denn: „Eine Entwicklung dauert Monate und Jahre. Aber unsere Grundrichtung stimmt.“ Es fehlen nur noch die letzten Nachweise in dieser Spielzeit. Vielleicht erfolgt der wichtigste ja schon am Samstagnachmittag in Stuttgart.