Namensstreit in Stuttgart Dicke Luft bei den Weinbauern in Rotenberg

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Darf der Wengerter Thomas Diehl seine Veranstaltung genau so nennen wie die wegen Corona abgesagte Reihe des Collegiums Wirtemberg? Die Nachbarn jedenfalls sind verärgert.

Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten. In diesem Jahr hat das Collegium Wirtemberg das Sunset Wine Tasting abgesagt. Foto: Lg/Schmidt
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten. In diesem Jahr hat das Collegium Wirtemberg das Sunset Wine Tasting abgesagt. Foto: Lg/Schmidt

Stuttgart - Wein probieren bei Sonnenuntergang: Das klingt romantisch. Im Fall des „Sunset Wine Tastings“ im Stadtteil Rotenberg sind die Genossen vom Collegium und der Privatwinzer Thomas Diehl allerdings zurzeit alles andere als auf Schmusekurs.

Martin Kurrle ist sauer. „Man klaut sich gegenseitig keine Veranstaltung. Das macht man unter Kollegen nicht“, schimpft der Geschäftsführende Vorstand des Collegiums Wirtemberg. Sein Unmut gilt dem Kollegen Thomas Diehl, der quasi vis-à-vis der Genossenschaft seinen Weinbaubetrieb samt Besenwirtschaft hat.

Was ist passiert? Seit einigen Jahren organisiert das Collegium ein sommerliches Sunset Wine Tasting in den Weinbergen. Die beliebte Veranstaltungsreihe wurde dieses Jahr wegen Corona abgesagt. „Wenn die Leute ein Gläschen Wein getrunken haben, dann ist es vorbei mit dem Abstand“, sagt Kurrle. Nun hat aber vor wenigen Tagen vor seiner Haustür ein Sunset Wine Tasting stattgefunden, und zwar beim Weingut Diehl. Gleicher Name also, aber ein anderer Gastgeber.

Eine Wiederholung sei nicht angedacht, so der Winzer

Obwohl sich Kurrle bereits über die Ankündigung des Events ordentlich geärgert hat, ist er nicht eingeschritten. Vorab Krawall zu schlagen, das sei Aktionismus, meint er, der zu nichts führe. Da wolle er lieber souverän bleiben und demnächst das Gespräch mit Diehl suchen.

Dieser sagt, er habe bei der Namensgebung das Vorgänger-Format (Digital Wine Tasting) die Location (das Weingut) und die Uhrzeit (Sonnenuntergang) in Betracht gezogen. „Sunset“ sei ja begrifflich auch nicht geschützt. Freilich räumt Diehl ein, er habe nicht geprüft, dass die Veranstaltung des Collegiums abgesagt worden sei. „Sollte es durch die gleichartige Benennung zu Missverständnissen oder Verstimmung gekommen sein, tut mir das selbstverständlich leid.“ Eine Wiederholung sei ohnehin nicht angedacht, da nur zehn Teilnehmer gekommen seien.

Eigentlich sollten Veranstaltungen wie diese eine Alternative zum Gutsausschank sein. Der „Toskanabesen“ wird dieses Jahr geschlossen bleiben, weil eine Kontrolle der Abstandsregeln laut Diehl nicht möglich ist. Er ist überzeugt, die Angelegenheit in einem Gespräch mit dem Collegium klären zu können: „Meine Telefonnummer ist kein Geheimnis. Wenn die Corona-Pandemie uns allen eins gezeigt hat, dann, dass wir zusammen und nicht gegeneinander arbeiten müssen.“




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