Naturparkführerin aus dem Weissacher Tal Mit Baumyoga wieder am Start

Von  

Naturparkführer sind jetzt, in Coronazeiten, mehr denn je gefragt – auch, weil immer mehr Menschen die Natur für sich neu entdecken. Manche benötigen dafür eine Anleitung.

Gabriele Hirsch-Smolarczyk leitet zum Energietanken unter Bäumen an. Foto: Gottfried Stoppel 3 Bilder
Gabriele Hirsch-Smolarczyk leitet zum Energietanken unter Bäumen an. Foto: Gottfried Stoppel

Kaisersbach/Weissach im Tal - Die Eiche ist kraftvoll, männlich, ausdauernd, verträglich und standhaft, sie wurzelt sehr tief“, erklärt Michaela. „Sie ist sehr präsent, steht für Willens- und Lebenskraft“, fügt Gabriele Hirsch-Smolarczyk hinzu, um dann 15 Frauen unter einem stattlichen Baum im Wald beim Ebnisee dazu anzuleiten, ihren Ballast loszulassen. Die Yogalehrerin aus Althütte ist eine von vielen Kooperationspartnern, welche die Naturparkführerin Michaela Genthner immer wieder in ihr eigenes, vielfältiges Programm einbaut – in diesem Fall mit Baumyoga-Übungen.

Im Schwarzwald „automatisch waldgeprägt“

Die heute 51-Jährige Genth­ner ist im Schwarzwald geboren, ist daher, wie sie sagt, „automatisch waldgeprägt“. Ihre Liebe zur holzreichen Natur hat sie mit ins Weissacher Tal genommen, wo sie einst wegen einer anderen Liebe hingezogen ist und vor der Haustüre, im Schwäbisch-Fränkischen Wald, ähnlich schöne Bedingungen vorfindet. Eigentlich ist die vierfache Mutter aus Erzieherin und Grafikerin, aber mit der Möglichkeit der Qualifikation zum Naturparkführer hat sie sich eine Art Kindheitstraum erfüllt: nämlich ihre Begeisterung für den Wald auch beruflich umzusetzen.

Zusammen mit der Garten- und Landschaftsarchitektin Petra Klinger bietet Michaela Genthner Erlebnisse, Seminare, Coachings, Vorträge und Aktionen an, stets unter dem selbst so formulierten Motto „Mit der Natur“. Unter den Aktivitäten ist auch das Projekt „Baum 2020“, in dessen Rahmen unter anderem der Yogakurs im Wald am Ebnisee angeboten wird. Mit verschiedensten Veranstaltungen und Pflanzaktionen will man „ein Zeichen setzen, eine neue Beziehung zum Baum schaffen, woraus eine dauerhafte Freundschaft oder sogar Liebe werden kann“. So beschreiben es die Initiatorinnen.

Das Projekt sei mit der Auftaktveranstaltung schon im vergangenen Herbst gut angelaufen, auch die erste große Pflanzaktion am internationalen Tag des Waldes am 21. März konnte noch durchgeführt werden, doch dann kam auch für die Naturparkführerinnen der Lockdown. Selbst unter freiem Himmel, weit abseits der dicht bevölkerten Städte, waren plötzlich keine Zusammenkünfte mehr erlaubt. Von „Qigong im Park“ über „Räubertage im Wald“, „Frühlingsfit mit Kräutern“ bis „Waldbaden unter Mammutbäumen“ – alles musste wegen Corona abgesagt werden. Dabei war das ganze Jahr so gut durchgeplant gewesen.

Botschafter der Natur

Die beiden Yogakurse an diesem Wochenende sind nun die ersten Versuche, die Menschen wieder in die Natur zu begleiten. Denn dass das wichtig sei, meint Michaela Genth­ner, das habe Corona gezeigt: „Die Natur war auf einmal voll mit Menschen, die ihren Bezug, ihre Achtsamkeit gegenüber Flora und Fauna verloren haben.“ Dem entgegenzuwirken, auf die Vielfalt und Schönheit der Natur, aber auch deren Bedürfnisse aufmerksam zu machen, sei eine wesentliche Aufgabe der Naturparkführer. Als Botschafter sind diese deshalb auch regelmäßig in Kindergärten und Schulen unterwegs.

Das allerdings sei leider zurzeit noch nicht möglich. Auch größere Veranstaltungen wie „Ebnisee für alle“, selbst das Abschlussfest für das Baumjahr bleiben auf der Streichliste. Die Naturparkführer müssen sich kleinere Formate suchen. Oder den Weg der Digitalisierung mitgehen? Michaela Genthner ist da hin- und hergerissen. Umsetzungstechnisch hat sie als Grafikerin kein Problem damit, und mit so mancher Besonderheit könne man die Menschen auch gut via Internet erreichen. Aber andererseits sei das direkte Erleben, das Ansprechen aller Sinne entscheidend.

Die Nachfrage danach sei größer denn je: Die beiden Yogakurse am Wochenende waren in kürzester Zeit ausgebucht – mehr als 15 Teilnehmer dürfen in Corona-Zeiten allerdings nicht aufgenommen werden. Die sind unterdessen ungeachtet eines heftigen Regenschauers mit geschlossenen Augen hoch konzentriert dabei, an ihrer Standfestigkeit zu arbeiten und ihre innere Mitte zu finden. Mit sanft kreisenden Schultren lassen sie Energie durch den ganzen Körper fließen – um am Ende an dieser Station im Wald ein wenig mehr „geeicht“ zu sein.

Informationen zu den Naturparkführerinnen findet man hier.




Unsere Empfehlung für Sie