Naturphänomen Nebel Ein Hauch von Mystik

Die Burg Hohenzollern bei Hechingen (Baden-Württemberg) inmitten einer Inversionswetterlage im dichten Wolkenmeer. Foto: dpa 11 Bilder
Die Burg Hohenzollern bei Hechingen (Baden-Württemberg) inmitten einer Inversionswetterlage im dichten Wolkenmeer. Foto: dpa

Nebelmeere hüllen Gebirgsketten wie in Zuckerwatte ein. Oft dringt kein Sonnenlicht durch den Dunst, der Autofahrten zum gefährlichen Risiko werden lassen kann. Nebel gehört zu den beeindruckendsten Naturschauspielen und ist weit mehr als eine Wolke in Bodennähe.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - Seltsam befremdlich ist es, im Nebel zu wandern, verschwommene Konturen von Dingen wahrzunehmen und den Blick aufs Ganze zu verlieren. Die Suche nach einem Weg daraus wird zum sprichwörtlichen Stochern im Nebel. Hermann Hesse beschreibt diese Natursymbolik und die Einsamkeit menschlicher Existenz exemplarisch in seiner Gedicht „Im Nebel“, entstanden zwischen 1904 und 1910: „Seltsam im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den anderen, Jeder ist allein.“

Auch in der Malerei umgibt Nebel ein Hauch des Mystischen – so in Caspar David Friedrichs Gemälde „Nebel“ von 1807. Der Blick auf ein von Nebelschwaden eingehülltes Küstenboot eröffnet dem Betrachter ein mystisch-religiöses Naturerlebnis. Vor Claude Monets „Die Kathedrale von Rouen im lichten Nebel“ (1892/1893) wartet man hingegen gespannt darauf, dass sich die Schleier lüften und die Sonne hervorbricht.

Faszinierende Formenvielfalt

Dichter und Philosophen, Filmemacher und Maler haben die Nebelsymbolik immer wieder aufgegriffen. Nebel ist eine Metapher für Unsicherheit, Vergänglichkeit und Orientierungslosigkeit. Besonders häufig legt sich der grau-weiße Schleier im November und Dezember über Felder, Wege und Wiesen. Oft so undurchdringlich, dass die Sicht kaum mehr als ein paar Meter beträgt.

Die Entstehung von Nebel ist so faszinierend wie seine Formenvielfalt. Nebel bildet sich, wenn Luft abkühlt, warme und kalte Luft sich mischen oder Wassermengen in Gewässernähe verdunsten und als Verdunstungsnebel niedergehen. Neben Boden-, Hoch- und Seenebel gibt es Strahlungs-, Berührungs- und Bergnebel, Eis-, Turbulenz- und Frühnebel.

Je nach Entfernung spricht man von leichtem (500 bis 1000 Meter), mäßigem oder starkem Nebel (unter 200 Meter). Wobei die Schwaden mitunter so dicht sind, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Da das kondensierte Nass Feuchtigkeit, Schad- und Nährstoffe bindet, kann es zu Smog und zur sprichwörtlichen dicken Suppe kommen.

Fantasie und Traumdeutung

Nebelwasser ist weit höher mit Ammonium, Nitrat oder Sulfat gesättigt als normales Regenwasser. Als Teil der Ökologie und Ökosystemforschung untersucht die Nebelforschung den Dunst auf schädliche Inhaltsstoffe, die für das Waldsterben mitverantwortlich sein sollen.

Seit jeher beflügelt Nebel die Fantasie der Menschen. Im Volksglauben und in Mythen wurden die Nebelwände, die sich auf Dörfer und Städte zubewegen, als Einwirken oder Erscheinung höherer Mächte gedeutet.

In der tiefenpsychologischen Traumdeutung ist Nebel ein Symbol für Unsicherheit und Ungewissheit, Zweifel und Verwirrung. Der Mensch kann sich im Traum ebenso wenig wie in der realen Welt orientieren und sucht nach Halt. Zugleich können die Nebelschleier auch ein Übergangsstadium symbolisieren, einen Wechsel von einem Bewusstseinszustand in einen anderen.




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