Naturschutz in Stuttgart-Sonnenberg Um den Bach vor Dreckwasser zu schützen

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Anwohner des Haldenwalds in Stuttgart-Sonnenberg müssen sich auf drei Jahre Baustelle einstellen – zum Wohle der Natur. Denn bisher gelangte zu viel verdrecktes Wasser in den Bach.

Der Haldenwald soll nur wenig von den Bauarbeiten beeinträchtigt werden. Foto: A. Kratz
Der Haldenwald soll nur wenig von den Bauarbeiten beeinträchtigt werden. Foto: A. Kratz

Sonnenberg - Die Menschen in Sonnenberg müssen sich auf eine große Baustelle einstellen. Denn im kommenden Jahr will das Tiefbauamt mit dem Bau eines neuen Regenüberlaufkanals an der Falkenstraße beginnen. Das ist notwendig, um dem Kohlbach zu schützen. Der Fluss durch Kaltental ist klein und darum ökologisch besonders sensibel. Bisher landet bei Regen zu viel Schmutz in dem Bach, weil eine Menge verdrecktes Oberflächenwasser von den Straßen oberhalb des Haldenwaldes und aus dem Gebiet Sonnenbühl ungereinigt hineinfließt. Künftig wird der erste Stoß an Oberflächenwasser in den im Bereich Falkenstraße neu zu bauenden Regenüberlaufkanal geleitet und gesammelt. Erst wenn dieser voll ist, fließt das nachfolgende Regenwasser über eine Überlaufschwelle in einen sogenannten Entlastungskanal. Dieses Wasser ist in der Regel sauber, darum wird es weiter zum Hochwasserrückhaltebecken im Haldenwald und dann sukzessive in den Kohlbach geleitet. Das im Regenüberlaufkanal aufgefangenen Schmutzwasser hingegen wird langsam und kontrolliert in das Regenüberlaufbecken an der Christian-Belser-Straße geleitet und von dort weiter zum Hauptklärwerk Mühlhausen.

Zum Abschluss wird die Falkenstraße komplett saniert

Um das saubere Wasser in den Kohlbach und das schmutzige Wasser in Richtung Klärwerk zu leiten, braucht es zwei Kanäle, die quer durch den Haldenwald verlaufen. Beide sind unterirdisch. Einen gibt es bereits, dieser muss aber saniert werden. Das soll im sogenannten Inliner-Verfahren geschehen. Das bedeutet, dass in das bestehende ein neues Rohr hineingeschoben wird. Der neu zu bauende Kanal wird mit hohem Druck durch die Erde gepresst. Auch bei diesem Verfahren sind kaum offene Baugruben notwendig. So sollen die Eingriffe ins Landschaftsschutzgebiet minimiert werden.

Im letzten Bauabschnitt, der für 2022 und 2023 geplant ist, lässt das Tiefbauamt den Zulaufkanal entlang der Lau- und Falkenstraße erneuern. Der alte Kanal an der Laustraße/Sonnenbühl wird stillgelegt. Für die geplagten Anwohner, die bis dahin viele Monate lang eine Baustelle vor der Tür hatten, gibt es eine gute Nachricht. Denn die Falkenstraße wird nach Abschluss des Projekts erneuert, die Holperpiste gehört dann der Vergangenheit an.

In dem Gebiet sind im Frühjahr Kröten unterwegs

„Wir wussten, dass diese Kanalbaumaßnahme auf uns zukommt. Darum haben wir in der Vergangenheit immer nur das Nötigste an der Straße gemacht“, erklärte Roland Kurz vom Tiefbauamt, als er das Vorhaben jüngst im Bezirksbeirat vorstellte. Er versprach: „Wir versuchen, die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“ Selbstverständlich seien alle Gebäude zu jeder Zeit erreichbar, die Zufahrt zu den Häusern werde aber zeitweise nur eingeschränkt möglich sein. „Wir bauen mit einer erfahrenen Firma und halten immer Kontakt zu den Anwohnern“, sagte Roland Kurz. Die Grünen im Bezirksbeirat sorgten sich nicht nur um die Menschen, sondern auch um die Tiere, ganz besonders um die Kröten, die im Frühjahr auf Wanderung gehen. Thomas Chakar vom Tiefbauamt sicherte zu, dass alle ökologischen Belange berücksichtigt werden.

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