Neu im Kino: „Mein Liebhaber, der Esel und ich“ Was für ein Esel!

Von Kathrin Horster 

Ein Seitensprung kann unglücklich machen. Die Französin Caroline Vignal gewinnt dem heiklen Abenteuer in ihrem Kinofilm aber lustige Szenen ab. Hauptprotagonist: Ein Esel.

Antoinette (Laure Calamy) hat so ihre Schwierigkeiten mit dem Esel Patrick. Foto: Verleih 14 Bilder
Antoinette (Laure Calamy) hat so ihre Schwierigkeiten mit dem Esel Patrick. Foto: Verleih

Stuttgart - Es ist kein Spaß, die Geliebte eines verheirateten Mannes zu sein. Bei vielen Geschlechtsgenossinnen ist man unten durch und beim Angebeteten stets bloß Nummer zwei. Aus dieser deprimierenden Perspektive eine leichte Komödie zu entwickeln ist eine Herausforderung. Antoinette, die Protagonistin in Caroline Vignals Komödie „Mein Liebhaber, der Esel und ich“, ist zugunsten der Prämisse dann auch ein eher rührend tapsiges Geschöpf und nicht die gewissenlose Femme fatale, die sich gehörnte Gattinnen als Konkurrentin ausmalen.

Peinliche Gesangseinlage

Antoinette (Laure Calamy) arbeitet als Lehrerin und schreckt trotz ihrer Vorbildfunktion nicht vor einer peinlichen Gesangseinlage beim Klassenspiel vor den Ferien zurück. Sie will damit den Vater einer Schülerin, ihren heimlichen Freund Vladimir (Benjamin Lavernhe), beeindrucken. Vladimir findet Antoinettes Nonkonformismus zwar charmant, den Sommer verbringt er aber lieber mit seiner Frau Éleonore (Olivia Côte) und der Tochter bei einer Wanderung durch die Cevennen. Traurig und gedemütigt bucht Antoinette last minute dieselbe Tour – mit einem Esel, wie einst der unglücklich verliebte Dichter Robert Louis Stevenson.

Wer befürchtet, Vignal könnte ihre Antiheldin auf einen zur beschämten Selbsterkenntnis führenden Jakobsweg schicken, kann aufatmen. Zwar verschweigt sie nicht die Verletzungen, die Antoinette durch ihr Verhalten Vladimirs Frau zugefügt hat, sie versteht Antoinette aber als Teil einer größeren Problemlage und als Opfer ihrer eigenen Naivität.

Menschliche Makel, die jeder kennt

Vladimir und auch Éleonore kommen nicht besser weg mit ihrem Hang zur Realitätsverleugnung. Die wichtigsten Lektionen liefert jedoch Esel Patrick. Caroline Vignal beweist Gespür für Situationskomik und Figurenpsychologie, indem sie Antoinette mithilfe des Tiers in die Bredouille bringt. Anders als in einigen aktuellen Komödien aus Frankreich mit ihrem bewusst politisch inkorrekten Humor wird hier keine Figur hämischer Lächerlichkeit preisgegeben. Weil die im Film beschriebenen menschlichen Makel wirklich jeder kennt, kann man auch über eigene Dummheiten schmunzeln.




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