Neubau in Böblingen Mitten in der Stadt Platz für ein Hospiz

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Schneller als gedacht kommt der Hospizverein ans Ziel – mit der Böblinger Baugesellschaft als Investor. In einem Neubau beim Bahnhof werden künftig sterbenskranke Menschen bis zu ihrem Tod gepflegt.

Der Parkplatz wird verschwinden: An dieser Stelle gegenüber dem Böblinger Bahnhof entsteht ein Hospiz. Foto: factum/Simon Granville
Der Parkplatz wird verschwinden: An dieser Stelle gegenüber dem Böblinger Bahnhof entsteht ein Hospiz. Foto: factum/Simon Granville

Böblingen - Für Florian Wahl ist es „ein ganz großes Glück“: Nur zwei Jahre nach seiner Gründung kann der Hospizverein Böblingen-Sindelfingen schon Vollzug melden: In Böblingen wird ein Neubau erstellt, in dem sterbenskranke Menschen ihre letzten Tage und Wochen verbringen können. Der SPD-Stadtrat hatte die Initiative dafür gestartet. Die Böblinger Baugesellschaft (BBG) bringt das Projekt als Investor voran. Der Baubeginn soll im Jahr 2022 sein, in weniger als vier Jahren könnte das Hospiz den Betrieb aufnehmen. „So schnell sind wenige“, freute sich die Vereinsvorsitzende Maria Dries-Koblowsky bei der Vorstellung der Pläne am Mittwoch. Für die Umsetzung solcher Pläne seien zehn Jahre die Regel.

Das Grundstück ist gesichert

Das Grundstück für den Neubau hat die BBG jetzt kaufen können. Auf dem Parkplatz an der Ecke zwischen Talstraße und Karlstraße soll das Hospiz entstehen. Ein drei- bis vierstöckiger, rund 1800 Quadratmeter großer Bau ist geplant, in dem auch noch Wohnungen oder beispielsweise die Postfiliale untergebracht werden könnten. Das Hospiz selbst soll über acht Betten verfügen und benötigt dafür etwa die Hälfte der Fläche des Neubaus. Auf diese Weise würde sich die Investition wirtschaftlich tragen, erklärte der BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske: Das kommunale Bauunternehmen gibt rund zehn Millionen Euro dafür aus und vermietet als Eigentümer die Räume an den Betreiber der Einrichtung. Es soll ein L-förmiges Gebäude werden, das entlang der Straßen platziert wird, so dass ein nach Süden ausgerichteter, ruhiger Innenhof entsteht.

„Leben und sterben gehört zusammen“, sagte Rainer Ganske zur Standortwahl, die Lage mitten in der Stadt und damit „mitten im Leben“ hält er für richtig. „Wir wollen das Hospiz in der Mitte der Gesellschaft“, so Maria Dries-Koblowsky. Viele der Patienten seien auch nicht bettlägerig: Sie berichtete von einer Patientin des Leonberger Hospizes, mit der sie am Tag vor ihrem Tod noch Kaffeetrinken war in der Stadt. „Sie war glücklich über das Erlebnis“, sagte sie. Auch für die Mitarbeiter, Angehörigen und Ärzte sei eine gute Erreichbarkeit wichtig.

Betreiber ist schon ausgewählt

Einen Betreiber für das Hospiz haben die BBG und der Verein ebenfalls schon ausgewählt. Doch bevor Verträge unterschrieben werden können, muss erst die Finanzierung stehen. Die Krankenkassen übernehmen 95 Prozent der Kosten, die restlichen fünf Prozent – rund 150 000 Euro im Jahr – müssen durch Spenden gedeckt sein. Für den Betrag wird außerdem eine Bürgschaft von Kommunen oder Konzernen benötigt, finanziell einzuspringen, falls einmal nicht genug Geld eingesammelt werden könnte. Für den Hospizverein Region Böblingen-Sindelfingen war es bislang allerdings nicht schwer, Spenden zu bekommen: Auf seinem Konto befinden sich 165 000 Euro.

Überhaupt herrscht eine breite Zustimmung zu dem Projekt. Zur ersten Informationsveranstaltung kamen gleich 60 Interessierte, der im Januar 2018 gegründete Verein hat mittlerweile 289 Mitglieder. Bei einer Versammlung fiel die Entscheidung einstimmig für die Pläne und die Zusammenarbeit mit der BBG aus. Der Bedarf für ein Hospiz im Raum Böblingen und Sindelfingen sei vorhanden, erklärte Maria Dries-Koblowsky. Eine Freundin von ihr habe vier Wochen auf einen Hospizplatz gewartet, erzählte sie – und erst für die letzten sieben Tage eine Zusage erhalten. In Krankenhäusern können Patienten, für die es keine Behandlungsmöglichkeiten oder Diagnosen mehr gibt, nicht bleiben. Für die Hospize in der Umgebung, darunter Leonberg, Nagold im Kreis Calw und Stuttgart, gebe es jedoch Wartelisten. Die Ärzte müssten die Betroffenen deshalb teilweise an weiter entfernte Einrichtungen in Karlsruhe oder Pforzheim überweisen. Mit einer Größe von acht Betten orientiert sich Böblingen an den anderen Hospizen in der Umgebung, Stuttgart verfügt mit zwölf Betten über eine etwas größere Kapazität. Die Zahl sei gut zu stemmen, erklärte Maria Dries-Koblowsky. Im Schnitt haben die Patienten, die im Hospiz Gäste genannt werden, eine Verweildauer von 21 bis 28 Tagen.

Schnell bereit, einzusteigen

Vor einem Jahr ist der Hospizverein auf die Böblinger Baugesellschaft zugekommen. „Wir waren schnell bereit, als Partner einzusteigen“, sagte Rainer Ganske. Damals habe noch das passende Grundstück gefehlt. Die BBG komme mit verschiedenen Projekten ihrer sozialen Aufgabe nach, betonte der Geschäftsführer. „So bekommt unsere Vision vom stationären Hospiz eine große Dynamik, und die Fertigstellung rückt in greifbare Nähe“, lobte Maria Dries-Koblowsky das Engagement des kommunalen Bauträgers.




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