Neue Aufgaben in Corona-Zeiten Wenn Studenten zu Corona-Helfern werden

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Helden des Alltags sind jetzt vor allem diejenigen, die in der Krise mitanpacken und anderen helfen. So zum Beispiel zwei Studenten aus Baden-Württemberg.

Jonas Knickenberg hilft ehrenamtlich auf der Quarantänestation mit. Foto: privat
Jonas Knickenberg hilft ehrenamtlich auf der Quarantänestation mit. Foto: privat

Stuttgart - Mehr denn je kommt es darauf an, dass wir alle miteinander anpacken, helfen und Verantwortung übernehmen. In Zeiten der Corona-Krise gehen viele Menschen weit über ihre eigenen Grenzen und Kapazitäten hinaus und zeigen, dass man als Held keine übernatürlichen Kräfte braucht. Die Stipendienplattform myStipendium fördert diese Menschen mit einem Alltagshelden-Stipendium. Mit 6000 Euro werden engagierte Studierende, die mit ihrem enormen Einsatz in der Corona-Krise ihren Mitmenschen helfen, unterstützt.

Zu den 600 Bewerbern auf das Stipendium gehören unter anderem Jonas Knickenberg und Valerio van Waasen. Knickenberg studiert im vierten Semester Luft- und Raumfahrttechnik. Aktuell hilft er regelmäßig auf den zwei Quarantänestationen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Stuttgart aus. Dort werden Menschen in Quarantäne gestellt, die sich aufgrund ihrer Wohnsituation nicht isolieren können aber Corona-positiv oder Verdachtsfälle sind. Das sind meist Geflüchtete und Obdachlose. „Zuerst war ich beim Umbau der leer stehenden Hotels zu Aufnahmestationen und bei der Einrichtung der Zimmer beteiligt. Zudem übernahm ich Schichten bei der Essensverteilung“, sagt der 19-Jährige. „Aktuell muss ich auf eine Uni-Prüfung lernen. Daher arbeite ich nur einmal wöchentlich als Helfer. Nach der Prüfung habe ich aber vor, wieder mindestens zweimal die Woche zu arbeiten.“ Auf der Quarantänestation unterstützt der Gerlinger die Mitarbeitenden des DRKs dabei, die positiv auf Corona getesteten Bewohner zu betreuen. Dabei arbeitete er nur außerhalb des sogenannten schwarzen Bereichs, welcher durch eine Schleuse vom Rest des Gebäudes getrennt ist. „Ich reiche Dinge durch die Schleuse, tätige Einkäufe, sortiere Mahlzeiten und führe Reinigungsarbeiten durch. Dabei unterstütze ich immer da, wo gerade Hilfe gebraucht wird.“ Zwischen den Mahlzeiten gibt es häufig nicht viel zu tun, sodass der Student diese Zeit nutzen kann, um Onlinevorlesungen anzuschauen. „Ich engagiere mich gerne, da ich so das Gefühl habe, Menschen helfen zu können. Auch in Zukunft möchte ich weitere Schichten übernehmen, bis die Krise überwunden ist.“

Freie Zeit sinnvoll nutzen

Valerio van Waasen ist ebenfalls Student. Er studiert Biologie und Sport auf Gymnasiallehramt an der Universität Freiburg. Von Ende März bis Mitte Mai hat er sechs Wochen in Vollzeit im hauswirtschaftlichen Betrieb der Uniklinik Freiburg gearbeitet. Hauptsächlich bereitete der 25-Jährige Zimmer, Bäder und Betten für neue Patienten vor. „Ich arbeitete mit anderen Studentinnen und Studenten, aber auch vielen Stammkräften zusammen. Die Schicht begann um 6 Uhr und endete um 14.30 Uhr, dazwischen gab es eine 30-minütige Pause“, erzählt der Freiburger. „Während der Tätigkeit ist mein Respekt für Menschen, die dauerhaft in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen arbeiten extrem gewachsen. Es ist ein körperlich hartes Berufsfeld, in dem man unabhängig von Corona definitiv zu wenig Respekt, Anerkennung und Lohn erhält.“ Aktuell legt Valerio van Waasen eine Pause in der Klinik ein, da die Universität wieder begonnen hat und er sich auf eine wichtige Präsentation vorbereiten muss. Spätestens Ende Mai wird er allerdings wieder im Krankenhaus anfangen. „Ich habe im Laufe meines Studiums viele verschiedene Jobs gemacht, der Einblick in eine Klinik war aber neu. Es war sehr interessant und lehrreich. Mir ist klar geworden, wie wichtig die Leistungen des Krankenhauspersonals sind. Meiner Meinung nach ist eine Anpassung der Gehälter von Pflege- und Reinigungspersonal längst überfällig. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft weiterhin zusammenhält und solidarisch für die Schwächsten einsteht.“

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