Neue Bürgermeisterin in Walheim „An der Männerdominanz wird sich etwas ändern“

Von Susanne Mathes 

Die 35-jährige Bönnigheimerin legt im September als Bürgermeisterin von Walheim los. Ein Gespräch über Frauen in Führungspositionen, den Zauber von Walheim und die Vorzüge heimischer Reben.

  Foto: factum/Weise
  Foto: factum/Weise

Walheim - Walheim hat es Tatjana Scheerle (parteilos) angetan: Dort – und nur dort – wollte sie Bürgermeisterin werden. Das hat sie jetzt geschafft. Damit treibt sie die bisher maue Frauenquote unter den Bürgermeistern im Landkreis Ludwigsburg in die Höhe: Neben Oberbürgermeisterin Ursula Keck in Kornwestheim und den Bürgermeisterinnen Rebecca Schwaderer in Möglingen und Birgit Hannemann in Erdmannhausen ist Scheerle dann die Vierte im Bunde.

Frau Scheerle, Rathauschefinnen kann man im Landkreis an einer Hand abzählen. War Ihr Frau-Sein beim Wahlkampf ein Thema?
Wenn ich darauf angesprochen worden bin, war der Tenor immer: Es wird Zeit für eine Frau, die sieht manche Dinge unter einem anderen Blickwinkel. Ich denke, an der Männerdominanz unter den Bürgermeistern wird sich perspektivisch etwas ändern. Das sieht man auch, wenn man in die Hochschulen in die entsprechenden Studiengänge schaut. Die Zahl der Frauen wächst dort immer stärker.
Auch im Bewerberfeld in Walheim standen im ersten Wahlgang noch drei Frauen, insgesamt gab es sogar acht Kandidaten. Was hat Walheim, das andere Orte nicht haben?
Schon bei den früheren Bürgermeisterwahlen hat es dort ungewöhnlich viele Bewerber gegeben. Walheim hat eine gute Atmosphäre, die Walheimer sind unheimlich liebenswürdig. Ich habe früher als Verwaltungsfachangestellte dort gearbeitet und mich sehr wohl gefühlt. Während meines Public-Management-Studiums dachte ich mir immer wieder: Eine Führungsposition im öffentlichen Sektor kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, außer vielleicht in Walheim. In einer Stadt Bürgermeisterin zu sein, in der ich die Leute nicht kenne und in der ich nicht für die Einwohner ansprechbar bin, das wäre nichts für mich. Dass Albrecht Dautel vorzeitig gehen und sich für mich die Chance jetzt auftun würde, kam für mich dann aber überraschend. Ich musste den Wahlkampf ziemlich flott auf die Beine stellen.
Albrecht Dautel wird dafür jetzt Ihr Bürgermeister als Einwohnerin von Bönnigheim.
Reiner Zufall! Ich wohne allerdings auch noch gar nicht so lange in Bönnigheim, erst seit zwei Jahren.
Wie haben Sie die Mehrheit der Wähler überzeugt, dass Sie die Richtige sind?
Ich bin nahbar gewesen und habe intensiven Haustür-Wahlkampf betrieben. Und es war für mich ein tolles Erlebnis, wenn die Türen aufgingen und die Leute sich freuten, mich zu sehen. Ich habe auf diese Weise vieles von den Dingen erfahren, die die Walheimer beschäftigen. Es traut sich nicht jeder, bei offiziellen Wahlkampfveranstaltungen Fragen zu stellen. Beim Gespräch an der Haustür fällt das oft leichter. So richtig unzufrieden war übrigens niemand. Meist waren es kleinere Themen wie der Ärger darüber, dass die Hunde-Gassi-Strecke nicht mit den Hundetoiletten-Standorten übereinstimmt.
Was wollen Sie als Bürgermeisterin angehen?
Am wichtigsten ist, dass der Mangel an Kitaplätzen beseitigt wird. Außerdem möchte ich einen Einkaufsbus einführen, damit ältere Menschen, die noch eigenständig einkaufen gehen möchten, in Nachbarstädten die Gelegenheit dazu haben. Auf längere Sicht wäre mir die Ansiedlung von innovativem Gewerbe wichtig. Große Unternehmen werden wir nicht herbekommen, die passen auch nicht nach Walheim. Man könnte aber in leer stehenden Geschäften Innovationshäuser einrichten. Und ich möchte die Homepage der Gemeinde ein bisschen aufmöbeln und eventuell einen Facebook-Auftritt einrichten. Je stärker die Menschen über die aktuelle Entwicklungen informiert und auf dem Laufenden gehalten werden, desto weniger Ärger gibt es.
Als Bürgermeisterin inmitten eines Weinanbaugebietes: Schlotzen Sie auch gerne mal ein Viertele?
Ich bin in Brackenheim aufgewachsen, da ist es klar, dass ich nicht auf südfranzösische Weine stehe, sondern gerne mal einen Lemberger trinke. Und wenn ich mit einem Glas Sekt auf etwas anstoße, sollte der schon aus einer Kellerei vor Ort kommen.
Was werden Sie tun, um sich vom anstrengenden Schultes-Dasein zu entspannen?
Ich verbringe gerne Zeit mit Familie und Freunden und habe Freude am Reisen. Total gut runterkommen kann ich auch beim Kochen und Backen.



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