Die Corona-Fallzahlen steigen und steigen – Omikron hat das Land fest im Griff. Eine veränderte Teststrategie soll Entlastung für die Labore bringen. Wer künftig noch einen PCR-Test erhält und was für die anderen gilt.

Berlin - Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich in Deutschland rasant aus. Bund und Länder planen daher eine Veränderung der Teststrategie. Das geht aus der Beschlussvorschlag für eine Videoschaltkonferenz der Regierungschefs am Montag (14 Uhr) hervor.

Darin wird auf Neuinfektionen von inzwischen täglich über 100.000 Fällen und die jüngste Einschätzung des Expertenrats der Bundesregierung verwiesen. Demnach könnten bei der Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner regional bald Werte „von mehreren tausend erreicht werden“. Bundesweit lag der Wert am Sonntag bei 806,8.

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PCR-Tests sollen deshalb fortan für bestimmte Gruppen priorisiert werden. „Die derzeit hohe und voraussichtlich weiter steigende Zahl der Neuinfektionen führt zu Engpässen bei den verfügbaren PCR-Tests“, heißt es in dem Beschlussvorschlag dazu. „Die Labore sind bereits in Teilen überlastet. Bei auftretenden Engpässen ist es daher unabdingbar, Priorisierungen vorzunehmen.“

Wer soll weiterhin einen PCR-Test bekommen?

Weiter zur Verfügung stehen sollen PCR-Tests für das Personal „insbesondere in Krankenhäusern, in Praxen, in der Pflege, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und für Personen mit dem Risiko schwerer Krankheitsverläufe“, heißt es in der Beschlussvorlage. Zudem sollen PCR-Tests weiter für Hochrisikopatienten genutzt werden.

Wie wird eine Infektion bei anderen Bevölkerungsgruppen bestätigt?

Für den Großteil der Bevölkerung soll auf eine Bestätigung einer durch einen Schnelltest angezeigte Infektion durch einen PCR-Test verzichtet werden. „Die notwendige Nachtestung soll im Falle eines Engpasses an PCR-Testkapazitäten stattdessen mit einem zweiten überwachten qualitativ hochwertigen Antigentest erfolgen“, heißt es. 

Wie ist es künftig, wenn ich eine rote Meldung in der Corona-Warn-App habe?

Genauso wird künftig verfahren, wenn die Corona-Warn-App eine rote Meldung anzeigt. Bisher gab es dann einen kostenlosen PCR-Test. Jetzt soll ein „überwachter qualitativ hochwertigen Antigentest“ diesen ersetzen.

Wie wird man sich künftig aus der Quarantäne freitesten?

Beim Freitesten aus Isolation und Quarantäne nach sieben Tagen wird nun ebenfalls auf Antigen-Schnelltests statt auf PCR-Tests gesetzt. 

Was ist mit Kita-Kindern und Schülern?

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) fordert, dass auch Kindergärten und Schulen bei der neuen Teststrategie bevorzugt behandelt werden. Im RBB-Inforadio sagte sie am Montag, sie halte es für richtig, bei knappen Verfügbarkeiten zu priorisieren: „Zur kritischen Infrastruktur gehören die Krankenhäuser, aber eben in einem nächsten Schritt auch Kitas und Schulen“. Diese seien Teil eines wichtigen Systems, „das jetzt nicht in die Knie gehen darf“.

Wie begründen die Verantwortlichen die neue Teststrategie?

Der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, verteidigte am Montagmorgen die geplante Priorisierung von PCR-Tests: Bei den derzeitigen hohen Fallzahlen müsse man „mit den Kapazitäten ein Stück haushalten“, sagte er dem ZDF-“Morgenmagazin“. Es sei eine „kluge Priorisierung für das Personal im Gesundheitswesen und für besonders anfällige Menschen vorgesehen“.

Ein Versagen bei der Bereitstellung der Testkapazitäten sieht Wüst nicht. Diese seien zuletzt ausgeweitet worden. Deutschland hat „sehr stark auf flächendeckende Schnelltests gesetzt“, und diese hätten bei infektiösen Menschen auch teilweise eine Sensitivität bis zu hundert Prozent, sagte Wüst.

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