2-G-Optionsmodell Stuttgarter Gastronomen fordern klare Einlassregeln

Nur im High Fidelity und im Ochs’n Willi gilt die 2-G-Regel. Foto: imago/Bihlmayerfotografie
Nur im High Fidelity und im Ochs’n Willi gilt die 2-G-Regel. Foto: imago/Bihlmayerfotografie

Ab Freitag gilt das 2-G-Optionsmodell. Gastronomen oder Veranstalter können nur noch Geimpfte und Genesene einlassen oder bei 3 G bleiben. Wir haben Stuttgarter Wirte, Kino- und Theaterbetreiber gefragt, wie sie zu der Neuerung stehen.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Stuttgart - Für den Restaurantbesuch wird die neue Coronaverordnung vorerst keine großen Folgen haben: Die meisten Gastronomen bleiben bei der 3-G-Regel. „Wir sind Gastgeber, wir wollen die Leute nicht sortieren, wir wollen alle bedienen“, sagt Bekim Pajazitaj, der Inhaber der Restaurants Nesenbach und Kursaal Bad Cannstatt. Für Kino- und Theaterbetreiber könnte das Wegfallen der Maskenpflicht ein Argument sein, Ungeimpfte nicht mehr einzulassen. Aber seit die Bürgertests kostenpflichtig geworden sind, kommen sowieso viel weniger Gäste und Besucher mit diesen Nachweisen.

Auf die Frage, ob er nun die 2-G-Regel umsetzen wird, antwortet Carlo Spanu, Betreiber des Lokals Netzer, ohne nachzudenken: „Nein, ich kann nicht auf 20 Prozent des Umsatzes verzichten.“ Den Ausfall hat er anhand der Impfquote berechnet. Er finde die 3-G-Regel – Einlass für Geimpfte, Genesene und Getestete – ausreichend, zumal die Infektionszahlen nicht mehr in die Höhe gegangen seien.

Keine Diskussionen mehr bei 3-G-Regel

Dennis Schuler, der Betriebsleiter von „Rothaus im Gerber“ plädiert dafür, die Maßnahmen zu lockern. Seiner Meinung nach ist die Impfquote dafür hoch genug. „Lasst uns bitte wieder normal arbeiten“, sagt er. Im Rothaus-Brauhaus fehlen vor allem die jüngeren Gäste, die seit Mai nicht mehr in der früheren Zahl kommen, vermutlich weil sie eher spontan unterwegs seien und der Aufwand mit den Tests zu hoch sei. Ansonsten sieht Dennis Schuler in der 3-G-Regel „das bessere Übel“. Dazu gebe es auch mit den Gästen keine Diskussionen mehr.

Regeln ständig zu ändern führe nur zu Verunsicherung, kritisiert Christine Pfitzer von der Mozzarella-Bar. Unter ihren Gästen seien etwa 60 Prozent geimpft, schätzt sie. Über die Einführung der 2-G-Regel hat sie für ihr kleines Lokal nachgedacht, „aber ich schließe auch keine kleinen, großen, dicken oder dünnen Leute aus“. Sie sei Gastronomin und nicht beim Gesundheitsamt angestellt. Dass die Politik diese Aufgabe auf sie abwälzt, findet Christine Pfitzer ein Unding.

Nur wenige Gäste mit Tests

Bekim Pajazitaj teilt die Ansicht seiner Kollegin. Wenn er ungeimpfte Gäste abweisen würde, würden sie mit Unverständnis und Enttäuschung reagieren. „Wenn die Vorschrift von der Politik kommt, ist es einfacher, dann sind so die Spielregeln“, erklärt er. In seinen Betrieben zieht das Geschäft wieder an. Nachfragen nach Weihnachtsfeiern gibt es. Zwar kämen wenige Gäste mit Tests – aber es seien eben immer ein paar darunter.

Auch Sebastian Werning möchte seine ungeimpften Gäste eigentlich nicht vor den Kopf stoßen. Er wird am 10. November seine Boteca di Vino wieder öffnen – und seine Hausärztin riet ihm zur 2-G-Regel. In seinem Restaurant geht es sehr eng zu, viele Gäste hätten deshalb die Erwartung, dass nur noch Geimpfte und Genesene bei ihm essen und trinken dürfen. Hanebüchen findet er außerdem, dass 2 G nicht gleich für alle gilt – seine Mitarbeiter eingeschlossen. Eigentlich darf er sie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nach der Impfung fragen, aber ungeimpfte Servicekräfte müssen sich nun zweimal die Woche testen lassen. „Ich wünsche mir klarere Aussagen vom Staat“, sagt er.

2-G-Regel, wenn Maskenpflicht im Kinosaal fällt

Für seine Kinos Delphi und Atelier am Bollwerk würde Peter Erasmus gerne von nächster Woche an die 2-G-Regel einführen – am besten gemeinsam mit allen Innenstadtkinos und unter der Voraussetzung, dass die Maskenpflicht im Kinosaal dann fällt. Er findet die „unerquicklichen Diskussionen“ über Testzertifikate sehr belastend, auch wenn es zuletzt nur fünf Prozent der Besucher waren und seit Montag gar keine mehr kamen.

Im Theaterhaus liegt die Quote der ungeimpften Zuschauer bei rund zehn Prozent. Der bisherige Kartenvorverkauf lief unter der 3-G-Prämisse. „Von heute auf morgen umstellen, geht also gar nicht“, sagt Bastian Ungemach. Es wäre entspannter, wenn alle Zuschauer ohne Maske in der Vorstellung sitzen könnten. Aber er hofft, dass in nicht all zu weiter Ferne „der Tag X kommen wird, an dem alle Regeln aufgehoben werden“.




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