Stellplätze an der Uni Hohenheim Neue Parkgebühren ab Herbst – 2021 problematisch für Anwohner

Von David Scheu 

Von Herbst an sollen rund 1400 Stellplätze am Campus in Stuttgart-Hohenheim kostenpflichtig werden. Erste Vorarbeiten haben jetzt begonnen, für die Uni gibt es aber noch offene Fragen. Das Jahr 2021 dürfte übrigens unangenehm werden für Anwohner.

An der Uni Hohenheim einen Parkplatz zu finden, ist nicht immer leicht. Ändert sich das bald? Foto: Lichtgut/Julian Rettig
An der Uni Hohenheim einen Parkplatz zu finden, ist nicht immer leicht. Ändert sich das bald? Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Plieningen - Seit Montag wird auf dem Campus der Universität Hohenheim gebaut: An mehreren Stellen hat die Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) mit den Arbeiten zur Parkraumbewirtschaftung begonnen, die die Landesregierung im März 2018 beschlossen hatte. Von Herbst an sind dann auf dem Gelände in Plieningen auf rund 1400 Stellplätzen Gebühren fällig. Die Vorbereitungen zur Errichtung entsprechender Parkschranken laufen derzeit unter anderem an der Filderhauptstraße bei der Einfahrt zur Versuchsstation und auf dem Parkplatz an der Otto-Sander-Straße, wo bereits Teile der Parkfläche abgesperrt sind.

Bei der Universität stößt das Vorgehen der PBW auf Unverständnis. „Der Informationsfluss ist verbesserungsfähig. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Florian Klebs, Pressesprecher der Hohenheimer Uni. Die Ankündigung des Baubeginns sei erst am 7. Juli per Mail erfolgt und damit viel zu kurzfristig und unabgestimmt. „Diese Vorwürfe weise ich entscheiden zurück“, sagt der PBW-Geschäftsführer, Gebhard Hruby. Es seien über die Jahre Tausende Emails geschrieben und die Termine stets kommuniziert worden. „Die Parkraumbewirtschaftung eines ganzen Areals wie jetzt hier in Hohenheim ist auch für uns ein Pilotprojekt, da sind einige Fragen einfach noch offen“, sagt Hruby, der die Kosten für die Baumaßnahmen auf etwas mehr als eine Million Euro schätzt.

Treffen am 4. August soll Klarheit bringen

Von Seiten der Universität geht man davon aus, dass im Zuge der Parkraum-Bewirtschaftung auch die Aufgaben der Reinigung und Verkehrssicherung an die PBW übergehen. „Um die anliegenden Grünflächen werden wir uns aber garantiert nicht kümmern“, sagt Hruby, „die gehören nicht zum Pachtumfang“. Für die Parkflächen selbst und die Zuwege sieht sich die PBW dagegen zuständig – wie auch für die Kontrollen und die Sanktionierung von Falschparkern, die ein externer Dienstleister durchführen soll.

All diese Fragen hätte die Universität gerne in einem schriftlichen Gesamtkonzept festgehalten. „Hier braucht es eine klare vertragliche Regelung der Zuständigkeiten“, sagt Klebs. Klarheit bringt womöglich der 4. August. Dann findet ein Treffen an der Uni Hohenheim statt, zu dem neben den PBW-Verantwortlichen auch Vertreter der zuständigen Ministerien eingeladen sind. „Umso mehr überrascht und irritiert es uns, dass mit den Arbeiten an den Schranken schon vor diesem Termin begonnen wurde“, sagt Florian Klebs.

Dabei ist die Universitätsleitung gar nicht gegen Parkgebühren an sich. Im Gegenteil: Sie seien Teil des Mobilitätskonzepts der Uni, das neben Gebühren auch die Förderung des Rad- und Fußverkehrs vorsieht – durch die Schaffung zusätzlicher Abstellplätze für Fahrräder. „Wir haben hier definitiv ein Parkraum-Problem“, sagt Klebs, „das wird in jeder Absolventen-Befragung als großer Mangel im Rückblick auf die Studienzeit genannt“. Vor allem während des Wintersemesters werden die Parkplätze schnell Mangelware, wenn die meisten neuen Studierenden anfangen und das Wetter nicht immer zum Radfahren einlädt. „Parkgebühren führen zu einer erhöhten Aufenthaltsqualität auf dem Campus“, sagt der Uni-Sprecher Klebs.

Parkraum in Wohngebieten wird wohl knapp

Problematisch dürfte indessen die Situation für Anwohner werden, wenn die Autofahrer die kostenpflichtigen Stellplätze meiden und dafür auf die anliegenden Wohngebiete ausweichen. „Diese Gebiete werden von Parkern geflutet werden, das ist leider unvermeidbar“, sagt Hruby. Als einzige Lösung hierfür sieht er die Einführung eines Anwohner-Parksystems: Dann darf nur noch derjenige an den Birkacher und Plieninger Straßen parken, der auch dort wohnt. „Die Verantwortlichen sind informiert, das wird wohl so kommen“, sagt Hruby, der mit rund einem Jahr organisatorischer Vorlaufzeit rechnet: „Das könnte dann ab 2022 eingeführt sein. 2021 wird für einige Anwohner wohl ein unbefriedigendes Übergangsjahr.“

Zeitplan und Gebühren

Derzeit führt die Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) die vorbereitenden Tiefbauarbeiten durch. Ab September soll dann die Elektrik installiert werden und schließlich der Anbau der Schranken erfolgen. Spätestens im Oktober zum Start in das Wintersemester dürften die Arbeiten abgeschlossen sein. Parkgebühren sind voraussichtlich ab dem 1. November fällig.

Studierende und Beschäftigte der Universität zahlen zwei Euro pro Tag. Für alle anderen betragen die Gebühren zwei Euro pro Stunde, jedoch höchstens sechs Euro am Tag. Für einen Verstoß sind 30 Euro fällig. Auf Wunsch der Universität wird es keine Dauerparkberechtigungen geben, sondern lediglich Tageskarten. Handwerker und Lieferdienste können gratis einfahren. „Die weisen sich auf dem Kamerabild in unserer Leitsprechstelle aus“, sagt PBW-Geschäftsführer Gebhard Hruby. Die Zahlweise ist noch offen. „Wenn es gut läuft, können wir für Universitätsmitglieder eine App anbieten, sodass der Gang zum Parkautomaten entbehrlich wird“, sagt Hruby.




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