Neuer Expressbus Deshalb wächst die Flotte an Schnellbussen

Der X7 verkehrt seit einem Jahr auf den Fildern. Eine tragfähige Statistik gibt es noch nicht – wegen Corona. Foto: Archiv Tilman Baur
Der X7 verkehrt seit einem Jahr auf den Fildern. Eine tragfähige Statistik gibt es noch nicht – wegen Corona. Foto: Archiv Tilman Baur

Über die Filderebene pendelt ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember neben dem X7 ein weiterer Expressbus. Die Neuerung ist Teil einer Strategie zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Eine Bilanz und ein Blick in die Zukunft.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Filder - Von Dezember an betreibt die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) insgesamt vier Expressbuslinien – zwei davon auf der Filderebene. Der X4 soll zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember den X7 ergänzen. Seit es Expressbusse gibt, gibt es auch Diskussionen über sie. Lohnen sie sich? Sind sie wirklich so schnell, wie sie versprechen? Roland Krause, Leiter des Stabsbereichs Planung bei der SSB, gibt ein Einblick in eine Strategie, mit der mehr Menschen fürs Busfahren begeistert werden sollen.

Welche Expressbusse gibt es schon?

Der X1 ist seit Herbst 2018 im Fünf-Minuten-Takt zwischen Bad Cannstatt und der Stuttgarter Innenstadt unterwegs; der X2 verkehrt seit zwei Jahren zwischen Stuttgart und Leonberg; den X7 zwischen Degerloch und Filderstadt gibt es seit einem Jahr. Nun folgt der X4, der vom 13. Dezember an von Degerloch über Filderstadt nach Nürtingen fahren soll.

Wie fällt die Bilanz für den X7 aus?

Eine tragfähige Statistik hat die SSB zum noch recht neuen Filder-Schnellbus X7 nicht. Kann sie auch gar nicht, denn der Bus war gerade einmal zwei Monate auf der Straße, dann kam Corona. Die ersten Wochen seien aber positiv gewesen. „Ein neues Angebot braucht grundsätzlich Zeit“, sagt Krause. Das habe man beim X2 nach Leonberg beobachten können, hier wurden Fahrgastzuwächse erst im Verlauf der ersten beiden Jahre verzeichnet. Deshalb sei der Betrieb des X2 auch verlängert worden. Zunächst sind die Expressbusse nämlich auf zwei Jahre angelegt. Sie werden vom Land gefördert.

Wie können X7 und X4 schnell sein, wenn auf der B 27 Stau ist?

Von Staus seien Busse genauso betroffen wie Autos, räumt Krause ein. Das sei der unschlagbare Vorteil von Stadtbahnen. Der dichtere Verkehr rund ums Echterdinger Ei sei im Fahrplan berücksichtigt, hier hätten die Expressbusse einen Puffer von zwei Minuten. Die Verspätungen des X7 halten sich aber offenbar in Grenzen. Laut SSB-Statistik seien 86 Prozent der Busse im Februar pünktlich gewesen.

Überlegungen, dass Expressbusse auf einem eigenen Fahrstreifen am Stau vorbeiziehen könnten, werden immer wieder diskutiert. So kam zum Beispiel in Filderstadt die Idee auf, den geplanten Ausbau der B 27 dafür zu nutzen, den Bussen eine eigene Spur zuzuschanzen. Auch von der freien Fahrt auf dem Standstreifen ist hin und wieder die Rede. Das alles sei aber kompliziert, sagt SSB-Planer Krause. „Es ist nicht einfach, das umzusetzen.“ Es gebe politische Widerstände. „Wir lassen bei diesem Thema aber nicht locker.“

Sind Expressbusse eine Konkurrenz zu bestehenden Linien?

Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) hatte 2019 gegenüber unserer Zeitung durchscheinen lassen, dass es teils Zweifel an der Sinnhaftigkeit mancher in Erwägung gezogener X-Busse gebe. Weil sie Fahrgäste von bestehenden Linien abziehen könnten. Das gilt zum Beispiel für die Verbindung zwischen dem Neckartal und dem Flughafen. Hier ist eine Linie X5 von Untertürkheim auf die Filder im Gespräch. Allerdings ist vor einem Jahr die Buslinie 65 von Plieningen zum Flughafen verlängert worden, sie ist nun eine umsteigefreie Verbindung zwischen Neckartal und Flughafen. Wäre auf derselben Strecke ein X-Bus unterwegs, sei eine „Kannibalisierung“ zu befürchten, hieß es. Der X5 ist laut SSB zunächst zurückgestellt worden, weil eine zusätzliche Linie zum Flughafen erst nach Inbetriebnahme des Flughafenbahnhofs sinnvoll sei.

Aus SSB-Sicht seien die X-Busse keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu bestehenden Buslinien. Man habe nicht die Erkenntnis gewonnen, dass normalen Linien Fahrgäste wegbrechen, wenn zudem ein Schnellbus unterwegs ist. Letztlich seien es wohl unterschiedliche Zielgruppen. In den Expressbus setzt sich demnach der Filderstädter, der beispielsweise bei der EnBW auf dem Fasanenhof oder in Möhringen bei Daimler arbeitet, mit dem 77er-Bus seien die unterwegs, die an einer Haltestelle aus- oder zusteigen wollen, an der der Expressbus vorbeidüst.

Sind weitere Expressbusse geplant?

Insgesamt 25 Verbindungen sind nach einer Untersuchung des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart denkbar. Die SSB habe sich in ihrer Roadmap vorgenommen, eine Expressbuslinie pro Jahr einzuführen. Es handele sich dabei um eine Landesinitiative, Ballungsräume besser ans Umland anzubinden, erklärt Krause. Dabei spielen Expressbusse eine wichtige Rolle, „die schnellere Reisezeit ist das maßgebliche Kriterium“. Es könne zudem sein, das einzelne Landkreise eigene, weitere Expressbuslinien einführen.




Unsere Empfehlung für Sie