Neuer Merkel-Zwischenfall Kanzlerin macht ihre Psyche fürs Zittern verantwortlich

Sorge um Bundeskanzlerin Angela Merkel: Innerhalb weniger Tage hat sie einen zweiten heftigen Zitteranfall bei einem öffentlichen Auftritt erlitten. Ärzte haben der Regierungschefin jetzt Erholung verordnet.

Kanzlerin Angela Merkel lehnt ein Glas Wasser nach ihrem Zitteranfall dankend ab. Foto: AFP
Kanzlerin Angela Merkel lehnt ein Glas Wasser nach ihrem Zitteranfall dankend ab. Foto: AFP

Berlin - Was ist los mit Angela Merkel? Diese Frage tauchte bereits vor zehn Tagen auf, als die Bundeskanzlerin beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski mit militärischen Ehren plötzlich unkontrolliert zu zittern begann. Wenig später auf der Pressekonferenz erklärte sie ihren Schwächeanfall mit einer Dehydrierung in der hochsommerlichen Hitze, die mit drei Gläsern Wasser rasch wieder überwunden gewesen sei. „Gut“ gehe es ihr, versicherte die CDU-Frau, die in knapp drei Wochen ihren 65. Geburtstag feiert. Nun aber ist es schon wieder passiert.

Im Schloss Bellevue stand am Donnerstagvormittag Hausherr Frank-Walter Steinmeier neben ihr, der als Bundespräsident Merkels neuer Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) die Ernennungsurkunde überreichte und zuvor einige Worte über Amtsvorgängerin Katarina Barley (SPD) sagte. Da fing die Kanzlerin erneut am ganzen Körper zu zittern an, legte etwa zwei Minuten lang immer wieder die Arme vor dem Körper übereinander – möglicherweise um das Schütteln zu kontrollieren.

Ihr Sprecher Steffen Seibert gab sofort Entwarnung

Ein Glas Wasser, das ihr daraufhin gereicht wurde, nahm sie nicht an – ein Fotograf, der in nächster Nähe stand, berichtete anschließend, es sei Merkel wieder besser gegangen, als sie sich wieder bewegt habe und nicht mehr andächtig im Stehen Steinmeier lauschen musste.

Ihr Sprecher Steffen Seibert gab sofort Entwarnung – auch im Hinblick auf den Abflug des Regierungsfliegers um 13 Uhr nach Japan, wo in Osaka an diesem Freitag und Samstag ein intensiver G20-Gipfel auf die Kanzlerin wartet, ehe am Sonntag in Brüssel ein EU-Sondergipfel zu Personalfragen ansteht. „Alles findet statt wie geplant. Der Bundeskanzlerin geht es gut.“

Die Zweifel daran sind nun gewachsen – was also ist wirklich los mit der Kanzlerin? Merkel hatte bereits 2017 bei einem Staatsbesuch in Mexiko einen solchen Anfall und nach dem Vorfall vor zehn Tagen hat sie sich gründlich medizinisch untersuchen lassen, wie es in Berlin heißt – so wie sie das schon seit langem regelmäßig tut. Die Ärzte fanden demnach nichts, auch keinen Hinweis auf Parkinson. Bei normalen Terminen im Inland wird die Regierungschefin nicht standardmäßig von einem Arzt begleitet, auf größeren Auslandsreisen schon.

„Erinnerung an den Vorfall in der letzten Woche führte zu der Situation heute“

Merkel selbst sieht das neue Zittern offenbar als Kopfsache: „Es gibt keinerlei Grund zur Sorge“, hieß es in Regierungskreisen gegenüber unserer Zeitung: „Die Erinnerung an den Vorfall in der letzten Woche führte zu der Situation heute, also ein psychologisch-verarbeitender Prozess.“ Der Dauerbelastung in einem der kräftezehrendsten Jobs der Welt Tribut zollen muss wohl auch die Frau, die sich einmal selbst „gewisse kamelartige Fähigkeiten“ der Schlafspeicherung attestiert hat. Die Kanzlerin sehnt ihren Urlaub im Juli herbei, weil politisch wieder eine Menge losgewesen ist – und auch nach dem Tod ihrer Mutter Herlind Kasner Anfang April noch keine Zeit war, einmal einen Gang herunter zu schalten. Die Ärzte haben ihr Erholung angeraten.