Neuer Mietspiegel in Bietigheim-Bissingen Keine Entspannung bei den Mietkosten

Von Susanne Mathes 

Die Mieten in Bietigheim-Bissingen sind um durchschnittlich 5,5 Prozent teurer geworden. Das relativiert die kürzlich von der Firma F+B Forschung veröffentlichten Zahlen etwas. Die Mietkosten sind hoch – aber immer noch etwas günstiger als in Ludwigsburg.

Bietigheim-Bissingen ist eine attraktive Stadt. Das schlägt sich auch in den Preisen fürs Wohnen nieder. Foto: factum/Andreas Weise
Bietigheim-Bissingen ist eine attraktive Stadt. Das schlägt sich auch in den Preisen fürs Wohnen nieder. Foto: factum/Andreas Weise

Bietigheim-Bissingen - Die Irritation über die Zahlen der Hamburger Firma F+B Forschung hält an in der Doppelstadt an Metter und Enz. Das Unternehmen hatte Bietigheim-Bissingen unter den Städten mit den teuersten Neuvermietungspreisen einen Spitzenplatz attestiert – es errechnete mit seiner Bewertung nach dem so genannten hedonischen Verfahren eine Steigerung der Mietpreise von 13,6 Prozent für das Jahr 2019.

Der jetzt im Gemeinderat verabschiedete Mietspiegel für Bietigheim-Bissingen, der auf Mietvertrags-Daten aus den Jahren 2013 bis 2019 basiert, spricht eine etwas andere Sprache. Zwar sind die Mieten im Durchschnitt teurer geworden, allerdings nicht pauschal in dem eklatanten Ausmaß, wie es die Veröffentlichung von F+B Forschung nahe legte. „Wir sind froh, dass der neue Mietspiegel die kursierenden Kampfzahlen bereinigt“, kommentierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Georg Mehrle in der Gemeinderatssitzung.

Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen

Im Vergleich zum Vorgänger-Mietspiegel 2018 sind die Basismieten in Bietigheim-Bissingen durchschnittlich um 5,5 Prozent gestiegen. Den Basismieten liegen aber nur die Faktoren Alter und Größe der Wohnung zugrunde, während für den endgültigen Mietpreis weitere Parameter wie Ausstattung, Modernisierungen oder Wohnlage ausschlaggebend sind. „Deshalb sind die 5,5 Prozent auch mit Vorsicht zu genießen. Es gibt eine erhebliche Schwankungsbreite“, differenziert Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt.

Die höchsten Preissteigerungen bei den Basismieten gibt es demnach bei Altbauwohnungen aus den Jahren vor 1919. Bei 90- bis 120-Quadratmeter-Wohnungen aus diesem Zeitraum liegt die Mietpreissteigerung bei 13 Prozent. Mietpreissteigerungen gab es auch bei den neuesten Wohnungen, die ab 2016 auf dem Markt sind. „Bei den Wohnungen aus den Baujahren nach der Jahrtausendwende sind es dafür geringe Preissteigerungen von null bis drei Prozent“, so Hochmuth.

Kessing: „Es ist kein Mieterhöhungsspiegel“

Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung Baujahr 1990 in der Kernstadt zahlt man durchschnittlich 8,80 Euro pro Quadratmeter, vor zwei Jahren waren es 8,58 Euro gewesen (Teuerung: 2,56 Prozent). Eine Neubauwohnung in gleicher Größe und Lage kostet hingegen 11,33 statt wie vor zwei Jahren 10,38 Euro (Teuerung: 9,15 Prozent). „Es ist aber kein Mieterhöhungsspiegel“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der Gemeinderatssitzung. „Er kann in manchen Fällen auch zur Mietdämpfung beitragen. Und er spiegelt eben wider, was sich in den vergangenen beiden Jahren entwickelt hat.“

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Der SPD-Stadtrat Günter Krähling kommentierte, man könne der Wohnungsknappheit nur mit „bauen, bauen, bauen“ begegnen, „man darf dabei aber die soziale Komponente nicht vergessen“. Dafür sei, so Jürgen Kessing, durch die Regelung gesorgt, dass bei Neubauten 20 Prozent der Fläche vergünstigt vermietet werden müsse. In Bietigheim-Bissingen gilt außerdem die Mietpreisbremse: Bei einem neuen Mietvertrag darf die örtliche Vergleichsmiete höchstens um zehn Prozent überschritten werden. Für Neubauten und für Wohnungen, die vor der Vermietung umfassend modernisiert wurden, gilt das allerdings nicht.

Der Bietigheimer Mietspiegel orientiert sich am Ludwigsburger Mietspiegel – in früheren Jahren war es derjenige von Stuttgart gewesen. Sowohl der örtliche Haus- und Grund-Eigentümerverein als auch der Mieterbund für Stadt und Kreis Ludwigsburg fanden aber, die Anlehnung an Ludwigsburg bilde das Mietniveau in Bietigheim-Bissingen besser ab.

Eigentum ist horrend teuer

Eine Erkenntnis aus dem aktuellen Mietspiegel ist auch: Mieter in der Doppelstadt am Viadukt wohnen durchschnittlich um fünf Prozent günstiger als in Ludwigsburg – wobei „günstig“ sehr relativ ist. In Ludwigsburg war im vergangenen Sommer der Mietspiegel 2019 vorgestellt worden – und hatte ergeben, dass ein Mieter in Ludwigsburg durchschnittlich 9,13 Euro pro Quadratmeter berappen muss, wenn er denn überhaupt eine Wohnung ergattert. „Inzwischen gehen bei vielen Leuten 40 bis 50 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete drauf“, hatte Eckart Bohn vom Mieterbund damals warnt. Als Richtwert gälten 30 Prozent. „Viele“, so Bohn damals, „können sich das einfach nicht mehr leisten.“

Wer kann, zieht da lieber in die eigenen vier Wände. In Bietigheim-Bissingen liegt die Eigentumsquote beim Wohnen sogar etwas über dem Landesdurchschnitt von rund 56 Prozent. Allerdings sind auch Immobilien horrend teuer: Laut dem aktuellen Immobilienspiegel der Kreissparkasse kosten Eigentumswohnungen in Bietigheim-Bissingen 4500 bis 6500 Euro pro Quadratmeter (gebraucht: 1500 bis 4500), ein Reihenhaus 500 000 bis 650 000 Euro (gebraucht: 300 000 bis 590 000), eine Doppelhaushälfte 550 000 bis 750 000 Euro (gebraucht: 350 000 bis 650 000 Euro) und ein frei stehendes Einfamilienhaus 700 000 bis 1,3 Millionen Euro (gebraucht: 400 000 bis 1,1 Millionen Euro). Für ein Grundstück muss man 400 bis 1300 Euro pro Quadratmeter hinblättern.