Neues jüdisches Leben in Berlin „Wer Schlösser baut, soll auch Synagogen bauen“

Raed Saleh, SPD-Fraktionschef in Berlin, setzt sich für die Rekonstruktion einer Synagoge ein. Foto: dpa
Raed Saleh, SPD-Fraktionschef in Berlin, setzt sich für die Rekonstruktion einer Synagoge ein. Foto: dpa

In Berlin wird mitten im Multikulti-Stadtteil Kreuzkölln über die historische Rekonstruktion einer Synagogen diskutiert.

Korrespondenten: Katja Bauer (tja)
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Berlin - Es war mitten im Ersten Weltkrieg, als die Kreuzberger Synagoge eröffnet wurde – die stattliche dreischiffige Basilika mit Platz für 2000 Menschen strahlte vor mehr als hundert Jahren echten Berliner Bürgerstolz aus. Davon blieb nach der Pogromnacht vom 9. November nur eine Ruine, 1942 wurde das Haus zum Zentrallager der Gestapo für einst jüdisches Eigentum. Der Architekt des Baus, Alexander Beer, wurde im KZ Theresienstadt ermordet.

Wer heute die jüdische Gemeinde am Fraenkelufer besucht, der sieht Familien und junge Leute aus allen möglichen Ländern, die sich hier zum Beten und Feiern treffen. An hohen jüdischen Festtagen muss man sich wegen des Andrangs Platzkarten in dem Gotteshaus sichern. Übrig geblieben ist nach dem Abriss der Ruine nur ein Seitenflügel.

Das könnte sich ändern – wenn eine am Donnerstag vom Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh vorgestellte Initiative genügend Unterstützer findet. Zum ersten Mal in Deutschland soll eine zerstörte Synagoge in ihrer ursprünglichen historischen Form wieder aufgebaut werden. „Wer Schlösser aufbaut, soll auch Synagogen aufbauen“, argumentiert Saleh mit Blick auf ein Land, das sich in seiner Hauptstadt ein Hohenzollernschloss errichtet oder die Dresdner Frauenkirche rekonstruiert.

„Ein starkes Zeichen“

Ein Wiederaufbau einer von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge in ihrer ursprünglichen Form sei ein starkes Zeichen. Auch mit Blick auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse ist das Viertel ein interessanter Ort für das Projekt: Die Gegend, in der seit Jahrzehnten viele muslimische Familien leben, hat sich jüngst zum Hipsterbezirk mit internationalem Publikum gewandelt. Immer wieder kommt es zu antiisraelischen Ressentiments.

Saleh glaubt, hier sei der richtige Platz für den interreligiösen Dialog. Die jüdische Gemeinde ist begeistert von der Initiative – auch wenn Vertreter einräumen, dass es weniger an Synagogen fehlt als an Kindertagesstätten oder Gemeinderäumen. Wie es mit anderen Unterstützern oder der Finanzierung aussieht, ist unklar: Obwohl das Grundstück Berlin gehört und brachliegt, hat der Initiator es bisher vermieden, zum Beispiel seinen Parteifreund, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, in das Projekt einzubinden.




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