Neues Trainingscamp im Rems-Murr-Kreis Waiblingen als ein Mekka des E-Sports?

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Eine Gruppe junger Leute will im Herbst ein Leistungszentrum für E-Sports eröffnen. Sie versprechen unter anderem leistungsfähige Rechner und schnelles Internet. Wie das 1337-Camp funktionieren soll und wer dort zocken darf:

Computerspielen als Beruf – im Jahr 2020 ist auch das möglich. Foto: dpa/Marius Becker
Computerspielen als Beruf – im Jahr 2020 ist auch das möglich. Foto: dpa/Marius Becker

Waiblingen - „Fang’ doch was vernünftiges mit deiner Zeit an“ – wie viele Jugendliche haben diesen Satz schon gehört, wenn sie gerade vor dem Rechner Pixelmonster jagen, eigene virtuelle Imperien aufbauen oder jene ihrer Gegenspieler in Schutt und Asche legen. Zeitvergeudung, zumindest in den Augen vieler Eltern.

Doch im Jahr 2020 ist es zumindest nicht mehr ganz unmöglich, mit dem Computerspielen Geld zu verdienen. E-Sports lautet das Zauberwort, das Zockerherzen höher schlagen lässt. Obwohl laut einer aktuellen Umfrage noch gut zwei Drittel der Deutschen das Zocken auf professionellem Niveau nicht für echten Sport halten, wächst der Marktanteil von E-Sports. Vor allem mit Sponsorengeld, aber auch mit Übertragungsrechten und Werbung wird jährlich jede Menge Geld verdient. Fast 960 Millionen US-Dollar sollen es im vergangenen Jahr weltweit gewesen sein, Tendenz steigend.

Im 1337-Camp in Waiblingen sollen Spieler aus aller Welt trainieren

Ein aus fünf jungen Männern bestehendes Unternehmen hat nun angekündigt, in Waiblingen ein dauerhaftes Trainingslager für E-Sports aufzubauen. Ein Gebäude in der Maybachstraße ist bereits gefunden, das derzeit umgebaut wird. Das 1337-Bootcamp, so versprechen die Macher, werde professionellen Zockern und jenen, die es werden wollten, auf 2000 Quadratmetern bestmögliche Trainingsmöglichkeiten bieten. Beim elektronischen Sport bedeutet das neben den üblichen Kontrollgeräten ergonomisch geformte Sitzmöbel, große Monitore und vor allem moderne Rechner, deren Prozessoren und Grafikkarten auch neue, hardwarehungrige Games ruckelfrei bewältigen.

Sowie – auch das ist in Deutschland noch nicht überall eine Selbstverständlichkeit – schnelles Internet. Der Name des Zentrums leitet sich aus dem Spielerjargon ab: Das Kürzel 1337 steht für Leet, der Kurzform von „Elite“. Im Oktober soll das Bootcamp öffnen. Neben Räumen für bis zu 50 Spieler, Trainer und Manager sollen in dem Zentrum sogar Schlafplätze bereitstehen.

Der VfB Stuttgart hat sich von E-Sports verabschiedet

Das Camp, sollte es Realität werden, wäre nicht das erste seiner Art: „Wir betreiben seit drei Jahren schon eines in Straubenhardt im Enzkreis. Jetzt wollen wir expandieren“, erklärt Patrick Caddell, der Sprecher des Bootcamps. Die Zielgruppe seien wettkampforientierte Teams, sowohl Amateure als auch Profis. Zum Kundenstamm des bestehenden Zentrums gehörten Mannschaften aus Übersee: „Ein Team aus Brasilien hat sich zum Beispiel zwei Monate lang eingemietet, um sich auf ein Turnier vorzubereiten.“

Eine sichere Goldgrube ist der E-Sport nicht. So hat der VfB Stuttgart Mitte Juli bekannt gegeben, sein E-Sports-Team nach nur drei Jahren Engagement aufzulösen. Und das, obwohl die Mannschaft im vergangenen Jahr die Deutsche Vize-Meisterschaft in der Virtuellen Bundesliga feiern konnte.

Ursprünglich hatte der VfB geplant, über den E-Sport mit vor allem jungen Fans in Kontakt zu kommen. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie“ hätten die Auflösung nötig gemacht, ließ der Verein in einer Mitteilung wissen. Caddell ist dennoch überzeugt, dass der E-Sport sei auf dem aufsteigenden Ast ist: „Die Preisgelder und die Zahl der Spieler steigen jedes Jahr.“

So soll der Jugendschutz im Zocker-Bootcamp gewährleistet sein:

Um offizielle Anerkennung kämpfen E-Sportler schon lange. Auch weil damit zum Beispiel Steuervergünstigungen und andere Vorteile einhergingen. Viele althergebrachte Sportvereine und -verbände argumentieren aber, das Gewinnstreben der Spielehersteller passe nicht zum Sport. Viele stoßen sich auch an dem virtuellen Töten, dem Spielzweck vieler Titel.

Caddell sieht das 1337-Camp dagegen eher als „Trainingseinrichtung“ – „wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu den Sportvereinen“. Was den Jugendschutz angehe, sei die Nutzung ab 16 Jahren in Begleitung beziehungsweise ab 18 Jahren erlaubt. Zu welchen Spielen der Nutzer Zugang erhalte, lasse sich vom Personal des Bootcamps steuern.




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