Neues Wohnheim in Plochingen Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit

Edith Kamp und Albrecht Schumacher zeigen die Pläne für das neue Wohnheim in Plochingen. Foto: /Ulrike Rapp-Hirrlinger
Edith Kamp und Albrecht Schumacher zeigen die Pläne für das neue Wohnheim in Plochingen. Foto: /Ulrike Rapp-Hirrlinger

Der Denkendorfer Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis Esslingen baut in Plochingen ein Wohnheim für psychisch Kranke mit Suchtproblematik. Nächstes Jahr sollen die Bewohner einziehen.

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Denkendorf/Plochingen - Wo einst die evangelisch-methodistische Kirche in Plochingen stand, baut der Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis Esslingen, der seinen Sitz in Denkendorf hat, eine stationäre Wohneinrichtung mit 20 Plätzen für psychisch kranke Menschen mit zusätzlicher Suchterkrankung. Die Pläne sehen ein dreigeteiltes, zwei- beziehungsweise dreigeschossiges, barrierefreies Gebäude mit einem L-förmigen Grundriss vor. Neben Gemeinschaftsräumen sollen auf knapp 1100 Quadratmetern Nutzfläche vier Wohngruppen für je vier Personen und zusätzlich vier Einzelappartements entstehen. Das Flachdach soll begrünt werden.

Aus ökologischen Gründen habe man sich für Holzbauweise entschieden, erklärt Reha-Geschäftsführer Albrecht Schumacher. In einem Holzhaus sei nicht nur die CO2-Bilanz, sondern auch das Wohnklima besser. Der Neubau soll die „Krone“ in Wernau ersetzen, ein Wohnheim mit 14 Plätzen, das der Reha-Verein 2017 von der sozialtherapeutischen Einrichtung Arbeg übernommen hat. Die Räume in Wernau seien nicht mehr zeitgemäß und eher ungeeignet, sagt Schumacher.

Sprung in die Selbstständigkeit

Voraussetzung für den Einzug in Plochingen sei die Abstinenz, erklärt Edith Kamp, die therapeutische Leiterin der Reha-Einrichtung Denkendorf. Während dort überwiegend jüngere Menschen zwischen 20 und 30 Jahren oft ohne Schulabschluss oder Ausbildung betreut werden, sind die Bewohner in Wernau im Durchschnitt etwa 40 Jahre alt und haben meist berufliche Erfahrungen. Ziel sei, dass sie neue Perspektiven für ihr Leben – sei es im Bereich Arbeit, Freizeit oder von Beziehungen – entwickelten und Lösungsstrategien für ihre Probleme fänden, erläutert Schumacher. In Gruppen- und Einzelgesprächen soll etwa geklärt werden, wie ein Leben ohne Alkohol aussehen kann. Außerdem verfolgt die Therapie einen inklusiven Ansatz. Die Betroffenen sollen animiert werde, sich wieder am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Hilfestellung gibt es etwa durch Begleitung in Vereine oder zu anderen Freizeitaktivitäten. Für all dies stehe ein breites Spektrum pädagogisch-therapeutischer Angebote zur Verfügung. Wie in Denkendorf werde sich auch in Plochingen ein multiprofessionelles Team aus Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Arbeitserziehern, Heilerziehungspflegern und Kunsttherapeuten um die Bewohner kümmern.

Am Ende der Rehabilitation soll ein möglichst selbstständiges Leben stehen. Dafür bietet der Reha-Verein die Möglichkeit, sich schrittweise abzunabeln – vom engmaschig betreuten stationären Bereich mit seinen 16 Plätzen über ambulant betreutes Wohnen in einem der vier Einzelappartements bis hin zur eigenen Wohnung. Etwa ein Drittel der Klienten schafft laut Kamp den Sprung in die Selbstständigkeit, ein weiteres Drittel werde längerfristig ambulant betreut, und ein Drittel brauche dauerhafte intensive Betreuung und wechsele dann oft in eine stationäre Einrichtung der Psychiatrie, so die Erfahrungen aus Denkendorf. Auch in Plochingen sollen die psychisch Erkrankten nicht dauerhaft wohnen bleiben.

4,2 Millionen Euro Baukosten

Etwa die Hälfte der Bewohner in Wernau arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM). Bei den anderen gehe es vor allem auch darum, tagesstrukturierende Angebote zu machen, so Schumacher. Neben dem gemeinsamen Kochen ist dazu die kleine ergotherapeutische Werkstatt gedacht, in der überwiegend kreative Gegenstände hergestellt oder auch kleine Montageaufträge erledigt werden.

Der Reha-Verein rechnet für das neue Haus mit Baukosten von 4,2 Millionen Euro, die zu einem großen Teil über Darlehen finanziert werden müssen. Umso dankbarer sei man für Spenden, betont Schumacher. Die Baugenehmigung liegt vor, in einem Jahr, so hofft er, werden die ersten Bewohner einziehen können. Die Küche und der angegliederte Gruppenraum können zudem für Veranstaltungen angemietet werden.




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