Neujahrs-Anschlag im Istanbuler Szene-Club Was bisher über Täter und Opfer bekannt ist

Von red/AFP 

Auf den Istanbuler Szene-Club „Reina“ ist früh am Neujahrstag ein Anschlag verübt worden. Obwohl 17.000 Polizisten mobilisiert waren, um die Silvesterfeiern in der Millionenmetropole zu schützen, konnte das Massaker nicht verhindert werden.

Schon wieder ist Istanbul Ziel eines Anschlags geworden. Angehörige legen Blumen am Tatort nieder. Foto: AP 17 Bilder
Schon wieder ist Istanbul Ziel eines Anschlags geworden. Angehörige legen Blumen am Tatort nieder. Foto: AP

Istanbul - Auf den Istanbuler Szene-Club „Reina“ ist früh am Neujahrstag ein Anschlag verübt worden. Obwohl 17.000 Polizisten mobilisiert waren, um die Silvesterfeiern in der Millionenmetropole zu schützen, konnte das Massaker nicht verhindert werden.

Art des Anschlags

Der Attentäter erschoss nach offiziellen Angaben um 01.15 Uhr einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang zu dem Club. Dann schoss er im Club wahllos um sich. In dem auf der europäischen Seite von Istanbul gelegenen Club mit mehreren Restaurants und Tanzflächen befanden sich zur Silvesterfeier bis zu 800 Menschen.

Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, der Attentäter sei als Weihnachtsmann verkleidet in den Club eingedrungen. Dem widersprach Regierungschef Binali Yildirim. Innenminister Süleyman Soylu sagte, der Angreifer habe seine Waffe unter einem Mantel verborgen - und habe den Club in anderer Kleidung verlassen. Laut türkischen Fernsehberichten verwendet die türkische Polizei ihrerseits Weihnachtsmann-Gewänder für manche Polizisten als Tarnkleidung.

Kurdische Gruppen weisen die Verantwortung für den Anschlag von sich.

Ort des Anschlags

Der angesagte Club „Reina“ liegt im Stadtteil Ortaköy unterhalb einer großen Bosporus-Brücke im europäischen Teil Istanbuls. Dieser Club ist bekannt für seine exklusiven Ansprüche und wird üblicherweise von Türstehern abgeschirmt, die nur ausgesprochen gut gekleidete Gäste einlassen. Nach dem Anschlag waren zutiefst schockierte Partygänger zu sehen, die den Ort des Massakers verließen. Die Männer trugen Anzüge, die Frauen Cocktail-Kleider.

Da der Club direkt am Bosporus liegt, ergriffen etliche Partygäste die Flucht, indem sie unmittelbar ins kalte Wasser sprangen. Club-Besitzer Mehmet Kocarslan zeigte sich erschüttert, dass trotz der verschärften Sicherheitsmaßnahmen der Polizei wegen der Angst vor Anschlägen in dem Bezirk das Attentat nicht verhindert werden konnte: „Unser Herz blutet“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Die Opfer

Innenminister Soylu sprach von 39 Toten und 65 Verletzten, die im Krankenhaus behandelt wurden. Vier Verletzte schwebten in Lebensgefahr. Von den 20 zuerst identifizierten Toten waren 15 Ausländer und fünf Türken. Drei Jordanier waren nach Informationen der jordanischen Nachrichtenagentur Petra unter den Toten, vier Jordanier unter den Verletzten. Nach Angaben aus Paris starben auch eine Franko-Tunesierin und ihr tunesischer Mann. Israel sprach von einer getöteten israelischen Frau und einem verletzten Israeli. Paris zählte drei Verletzte aus Frankreich, Belgien einen Toten mit doppelter belgischer und türkischer Staatsangehörigkeit. Auch Staatsbürger von Saudi-Arabien, Marokko, Libanon und Libyen waren unter den Toten.

Der Kontext

Die Türkei wurde 2016 von einer dichten Folge von Anschlägen erschüttert, bei denen vor allem in Istanbul und der Hauptstadt Ankara weit mehr als 200 Menschen getötet wurden. Dazu zählten Anschläge auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen, auf einen Militärkonvoi in Ankara und auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep im Südosten des Landes.

Verantwortlich für die Attentate waren meist die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder die radikale Kurdengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Für den Anschlag auf den „Club“ Reina gab es zunächst keine Bekennernachrichten. Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, bei der Eröffnung einer Kunstausstellung in Ankara erschossen. Der Täter war ein junger Polizist, der laut türkischer Regierung mit der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen in Verbindung stand. Ankara macht den im US-Exil lebenden Gülen auch für den gescheiterten Militärputsch vom Juli verantwortlich.




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