Neustart bei der Göppinger Kulturinitiative Odeon Zeitgemäß – mit Blick auf die Tradition

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Die Göppinger Kulturinitiative Odeon geht mit einem neuen Team und frischen Ideen ans Werk. Dabei behält sie zwar die bewährten Inhalte wie Kabarett und Jazz bei, es gibt aber auch viele Ergänzungen und Änderungen – etwa ein neues Ticketsystem.

Ulrike Albrecht und Robert Scheurer stellen das Odeon-Programm zwar nicht auf den Kopf, wollen aber  einige neue Formate ausprobieren. Foto: Ines Rudel, Veranstalter
Ulrike Albrecht und Robert Scheurer stellen das Odeon-Programm zwar nicht auf den Kopf, wollen aber einige neue Formate ausprobieren. Foto: Ines Rudel, Veranstalter

Göppingen - Außenstehende hatten die ersten Strophen des Abgesangs auf die Göppinger Kulturinitiative Odeon bereits zum Besten gegeben. Nach 33 Jahren, so war zu hören und zu lesen, stehe der Verein auf der Kippe, weil das bisherige Vorstandsteam nicht weitermachen wolle. Obwohl das mit dem Nicht-Weitermachen-Wollen stimmt und den versammelten Mitgliedern auch bereits im Mai des vergangenen Jahres so mitgeteilt wurde, macht Odeon weiter: Mit einem neuen Team und mit frischen Ideen geht es in die nächste Spielzeit.

Dass es nicht so ganz einfach war, einen Übergang zu finden, machen der frühere Vorsitzende Klaus Ege und sein Nachfolger Robert Scheurer unisono deutlich: „Es hat natürlich Diskussionen gegeben, weil es nicht einfacher geworden ist, sich gegenüber anderen Anbietern zu behaupten, die es früher einfach noch nicht gab“, sagt Scheurer. Allerdings hätten die Mitglieder in einer sehr emotionalen Aussprache den Wunsch geäußert, das Problem konstruktiv zu lösen, ergänzt er.

Klaus Ege: 33 Jahre Odeon waren wunderschön. Aber du wirst etwas müde.

Ege bestätigt dies, räumt aber unumwunden ein, dass er und sein Team diese Aufgabe nicht mehr angepackt hätten. „33 Jahre Odeon waren für mich wunderschön, aber wenn du 73 bist und insgesamt mehr als 40 Jahre lang ehrenamtliche Kulturarbeit gemacht hast, wirst du etwas müde.“ Die Veränderungen in der Szene, dass auch etliche namhafte Kabarettisten „in Rente“ gingen, dass deren jüngere Kollegen kleinere Hallen eher nicht mehr bespielten und die Stammbesucher eben auch älter würden und weniger ausgingen, hätten ohnehin einen Neustart erforderlich gemacht, fügt Ege hinzu.

Wie dieser Neustart aussieht, schildern Robert Scheurer und seine Stellvertreterin Ulrike Albrecht, die zusammen mit der ebenfalls neuen Kassiererin Bianca Wolf-Hofmann künftig den Odeon-Vorstand bilden: „Uns war klar, dass, wenn wir es anpacken, wir vieles anpacken müssen“, betont Scheurer, der wie er sagt, als pensionierter Kripo-Beamter die Zeit dafür aufwenden könne. Ulrike Albrecht wiederum, die freiberuflich unter anderem als Eventmanagerin tätig ist, kann ihre geschäftlichen Verbindungen nun auch im Ehrenamt nutzen.

Kultur und Kontakt: Odeon-Slam und Odeon-Singen

Was das Programm angeht, wird zwar an vielen bewährten Inhalten wie Kabarett, Jazz und Kindertheater festgehalten. „Wir probieren aber auch einige neue Formate aus“, verspricht Ulrike Albrecht. In der Tat gibt es bis zum kommenden Mai je zweimal einen Odeon-Slam mit Poetinnen und Poeten im Wettstreit und ein Odeon-Singen, das unter dem Titel „Aus voller Kehle für die Seele“ steht. „Unser Verein trägt die Worte ,Kultur’ und ,Kontakt’ in seinem Namen. Und wir wollen den ,Kontakt’ in Zukunft noch mehr betonen. Dazu gehen wir ein paar weitere Kooperationen ein, beispielsweise mit dem Kino Open End oder dem Club Bambule“, ergänzt Robert Scheurer.

Das soll sich auch bei einem vorweihnachtlichen Abend am 21. Dezember mit den Brosewskeys unter dem Motto „Driving home for Christmas“ zeigen. „Das wird kein gewöhnliches Konzert, sondern bietet die Möglichkeit, alte Bekannte wieder zu treffen, neue Leute kennenzulernen, sich einfach zu begegnen“, stellt Ulrike Albrecht die Intention dar. Gelingen werde das allerdings nur, wenn das Publikum mitziehe, fährt sie fort. Ausprobieren wolle man es jedenfalls und sei sehr gespannt auf die Resonanz.

Neues Programmheft, neue Homepage, neues Ticketing

Umgebaut hat das neue Team auch die nicht mehr ganz zeitgemäßen Organisationsstrukturen, was, wie Scheuer sagt, „ein Riesenaufwand war“. Neben einem Jahresprogramm-Büchlein werden für die Spielzeit-Quartale zusätzliche Hefte erscheinen. Die Homepage ist ebenso auf den aktuellen Stand gebracht worden wie der Kartenvorverkauf, der jetzt auch online erfolgt. „Das ist bequemer, vor allem für unsere Gäste von außerhalb des Landkreises“, sagt Robert Scheurer. Aber das müsse halt alles bewerkstelligt werden: quasi nebenher und von Freiwilligen, auf die Odeon zum Glück bauen könne.

Zwei Dutzend Leute gehören dem Helferstamm an. Eine Zahl, auf die Klaus Ege bei rund 1800 Veranstaltungen mit mehr als 240 000 Besuchern ebenfalls zählen konnte. Einige „alte Hasen“ sind an Bord geblieben, etliche neue Gesichter hinzugekommen. Ege selbst zählt nicht mehr dazu. „Ich stehe, wenn man mich fragt, mit Rat zur Seite, mische mich aber nicht ein“, versichert er. Dem E-Werk wird Ege dennoch nicht verloren gehen: „Als Besucher komme ich gerne, bleibe dann aber nicht mehr da, um die Stühle aufzuräumen.“

Quer durch (fast) alle Genres

Am Samstag, 21. September, startet die Göppinger Kulturinitiative Odeon mit der Jazzrausch Bigband aus München in ihre neue Spielzeit. Auf der Bühne des Alten E-Werks dürfte es dabei recht kuschelig werden. Immerhin 16 Musikerinnen und Musiker bilden das Kollektiv, das von 20 Uhr an sein Programm „Dancing Wittgenstein“ präsentiert. Am Sonntag um 16 Uhr folgt ein cineastisches Duett, bei dem Odeon mit dem Kommunalen Kino Open End kooperiert. Gezeigt wird der Film „Einer flog über das Kuckucksnest“. Für das verbale Duett sorgen der Christophsbad-Chefarzt Markus Löbe und der Psychologische Psychotherapeut Niklas Gebele aus Karlsruhe, die über den Filmklassiker und ihre Arbeit sprechen.

Einmal mehr sind große Namen und etliche neue Gesichter der Kabarett- und Comedyszene im E-Werk zu Gast. Los geht’s am 11. Oktober mit „Integration à la Ikea“ und dem Cartoon-Kabarettisten Muhsin Omurca. Es folgen Thomas Schreckenberger (18. Oktober), Andreas Rebers (9. November) sowie zehn weitere Kolleginnen und Kollegen. Mit Afro-Soul aus dem Kongo geht das Musikprogramm bei Odeon weiter. Die Sängerin Gasandji gastiert am 12. Oktober mit ihrer Band in Göppingen. Mehr als ein Dutzend Konzerte aus den unterschiedlichsten Genres werden bis Mai nächsten Jahres folgen. Wie gewohnt gibt es im E-Werk auch wieder einige Literatur- und Kindertheaterveranstaltungen. Erstmals bittet Odeon aber auch zu zwei Poetry-Slams und zu zwei Odeon-Singen für alle.