Soeben haben die Messemacher das Signal bekommen: Bei einer stabilen Inzidenz von unter 35 dürfen sie wieder mit Präsenzveranstaltungen loslegen. Aber mit Einschränkungen. Was heißt das für sie?

Stuttgart - Darauf haben die Messemacher in Stuttgart und ihre Kollegen im Land rund 15 Monate in einer Zwangspause gewartet: Dank der gesunkenen Inzidenz sind sie nicht mehr zu ausschließlich digitalen Veranstaltungen verurteilt, das Messegeschäft mit leibhaftigen Besuchern darf vielerorts wieder starten. Und es darf zumindest so lange andauern, wie die Sieben-Tage-Inzidenz nicht dauerhaft stark über dem Wert 35 liegt. Das ist der entscheidende Schwellenwert, bei dessen Unterschreiten an fünf aufeinanderfolgenden Tagen die Messepforten öffnen dürfen – was am Messestandort im Kreis Esslingen schon am Montagabend der Fall war. Allerdings gibt es eine Beschränkung: Eine Besucherin oder ein Besucher muss rechnerisch sieben Quadratmeter Fläche haben. Bei höheren Inzidenzen sind Messen im Grundsatz nicht erlaubt, allerdings gibt es bei Inzidenzen im Bereich 100 bis 35 nach einem Stufenplan wieder Öffnungsmöglichkeiten mit verschärften Auflagen (10 oder 20 Quadratmeter Fläche pro Besucher), wenn der Wert tendenziell sinkt.

Was bedeuten diese Regelungen in der Praxis? Wie kann die in Leinfelden-Echterdingen angesiedelte Messe Stuttgart damit umgehen? Dazu haben wir Roland Bleinroth, den Sprecher der Geschäftsführung, gefragt.

Wie viele Personen können unter diesen Bedingungen höchstens auf das Gelände oder beispielsweise zur Urlaubsmesse CMT kommen, die für Januar geplant ist?

Dieser Wert war bereits einmal im vergangenen Jahr der Maßstab der damaligen Messe-Coronaverordnung, sagt Bleinroth. Grundlage sei die gesamte Fläche des Messegeländes, also einschließlich der Eingangsbereiche und der Umläufe. Diese „Flächenmaßzahl“ beruhe außerdem auf den gleichzeitig anwesenden Personen. Über einen Tag betrachtet, wäre damit nach Bleinroths Einschätzung auch eine CMT wie früher, ohne nennenswerte und spürbare Einschränkungen für die Besucher, machbar. Voraussetzung wäre aber eine ausgefeilte Besucherführung schon beim Zutritt auf das Gelände, gegebenenfalls nach Uhrzeiten gestaffelt, und natürlich auch auf dem Gelände, um große Ansammlungen zu verhindern. Hinzu komme die „3G-Regel“: dass nur Getestete, Geimpfte oder Genesene überhaupt Zutritt bekommen. Allerdings sei davon auszugehen, meint Bleinroth, dass die aktuellen Regeln bis zum Herbst weiter gelockert werden und somit zur CMT im Januar in der jetzigen Form nicht mehr gelten werden.

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Warum wird jetzt im Fall der Landesmesse der Inzidenzwert im des Landkreises Esslingen herangezogen? Die Besucher kommen doch von überall her?

Die Messe Stuttgart liege eben gemarkungstechnisch auf dem Boden von Leinfelden-Echterdingen und damit im Landkreis Esslingen. Deshalb gelten die Werte und Vorgaben aus diesem Landkreis.

Was ist, wenn die Inzidenzen wieder steigen? Wird der Betrieb dann umgehend eingestellt?

Das muss sich nach Bleinroths Überzeugung in der konkreten Situation weisen. Grundsätzlich seien in der aktuellen Fassung der Coronaverordnung Schwellenwerte und zugeordnete Maßnahmen definiert. Bleinroth ist in Aufbruchstimmung. Er sagt: „Wir sind guten Mutes, starten nun mit den Vorbereitungen für den Herbst – selbstverständlich mit einem umfassenden Sicherheits- und Hygienekonzept.“ Angesichts der weiter deutlich ansteigenden Impfquote könne man annehmen, „dass die Inzidenzen zum Ende des Sommers stabil auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben“.