Neuzugang im Handball Einmal Schwabe, immer Schwabe – warum Patrick Zieker zum TVB Stuttgart kam

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Der TVB Stuttgart trifft diesen Donnerstag (19 Uhr) in der Handball-Bundesliga auf den TBV Lemgo Lippe. Für Patrick Zieker gibt es ein Wiedersehen mit seinem Ex-Club.

Die Nummer 25 des TVB hat es bisher auf 39 Tore gebracht. Foto: Baumann 7 Bilder
Die Nummer 25 des TVB hat es bisher auf 39 Tore gebracht. Foto: Baumann

Stuttgart - Patrick Zieker hat die Nase vorn beim TVB Stuttgart. Und zwar bereits, als er noch gar nicht bei dem Handball-Bundesligisten war. Vergangenen Oktober wurde er (zusammen mit dem Schweden Adam Lönn) als erster Neuzugang verkündet – und das ohne Ausstiegsklausel. Soll heißen, komme was wolle. Im schlimmsten Fall sogar der Abstieg. Ein echter Vertrauensbeweis, auch wenn Zieker sagt, „ich war sicher, dass der TVB drin bleibt“. Am Ende reichte es zumindest zum drittletzten Platz. „Wir haben ab dem ersten Gespräch gemerkt, dass er sich voll mit dem TVB und unseren Zielen identifizieren wird“, sagte damals schon Trainer Jürgen Schweikardt.

Zieker gibt die Vorschusslorbeeren nun zurück. Nach sieben Spieltagen führt der Linksaußen die interne Torschützenliste souverän an und hat sich auch ligaweit auf Rang 13 hoch gearbeitet, obwohl sein Club noch ein Nachholspiel (gegen THW Kiel) hat. Zuletzt in Ludwigshafen war Zieker maßgeblich am 27:23-Erfolg beteiligt, acht Würfe, acht Treffer – besser geht’s nicht. Und Schweikardt sieht sich bestätigt. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm, weil er menschlich ein Supertyp ist, ehrgeizig, aber auch mit einer positiven Ausstrahlung – und natürlich ein sehr guter Gegenstoßspieler.“

Seine Position ist einfach besetzt

Seine Position ist die einzige, die im Kader nicht doppel besetzt ist, auch wenn es mit Max Häfner im Notfall noch eine Alternative gäbe. Doch Zieker ist die Zuverlässigkeit in Person, hat bereits beim TBV Lemgo Lippe kaum ein Spiel verpasst, und als zum Ende der letzten Saison gleich ein halbes Dutzend Stammspieler ausfielen, sogar Rückraum gespielt. „Das hat Spaß gemacht, aber meine Position ist schon Linksaußen.“

Die hat er die vergangenen sieben Jahre in Lemgo gespielt, doch für Zieker stand von Anfang an fest: Irgendwann geht’s zurück in die Heimat. Einmal Schwabe, immer Schwabe. Und: wenn nicht jetzt, wann dann? Vergangenen November wurde standesamtlich geheiratet, im Juni dann kirchlich. Und der Sohnemann ist inzwischen auch schon fünf Monate alt. Zieker: „Es ist doch schön, wenn er Oma und Opa um sich hat.“ In Steinheim und Kleinbottwar, wo die Familie wohnt. Das passt. „Zumal ich nicht so der Großstadtmensch bin“, wie Zieker zugibt.

Vor Lemgo hat er bei der SG BBM Bietigheim gespielt, wurde sogar Junioren-Weltmeister 2011 – zur A-Nationalmannschaft hat’s (bisher) nie gereicht. „Man darf nicht vergessen, dass wir auf der Position auch extrem gut besetzt sind.“ Mit dem Weltklasse-Linksaußen Uwe Gensheimer oder auch noch dem letztjährigen Bundesliga-Torjäger Matthias Musche aus Magdeburg.

Zieker lernt vom Weltmeister

Doch auch so ist Zieker zufrieden mit der Karriere, die unter seinem Ex-Trainer Flo Kehrmann Fahrt aufgenommen hat, schließlich war der Weltmeister 2007 ebenfalls Außenspieler, wenn auch auf rechts. Zieker jedenfalls kommt immer besser in Fahrt, nachdem er vor allem gegen Spitzenreiter Hannover-Burgdorf einen gebrauchten Tag erwischt hatte. „Es war klar, dass wir uns wegen des großen Umbruchs als Mannschaft erst einmal finden müssen“, sagt der 25-Jährige. „Wir brauchen Zeit – aber auch Punkte.“

Der Sieg in Ludwigshafen war deshalb enorm wichtig, nicht nur weil er gegen einen direkten Konkurrenten gelang, „sondern auch gut fürs Selbstvertrauen ist“. Das soll an diesem Donnerstag (19 Uhr) auch der TBV Lemgo Lippe zu spüren bekommen, sein Ex-Club. „Natürlich wollen wir jetzt den ersten Sieg zu Hause“, sagt Zieker, dessen Motto vor der Saison lautete: Heimstärke zeigen.

Wer die Nase nach den 60 Minuten in der noch nicht ganz ausverkauften Scharren (250 Restkarten) vorne hat? „Ich denke, das wird eine enge Kiste.“ Zumal der Gegner ebenfalls holprig in die Saison gestartet ist und auf der Gegenseite ein Spieler nicht minder motiviert sein dürfte: Bobby Schagen, der vor der Saison den umgekehrten Weg nahm, von Stuttgart nach Lemgo. Immerhin: Im direkten Duell hat Zieker (39:21 Tore) klar die Nase vorn. Ein Tor Unterschied würden Zieker und dem TVB in diesem Fall schon reichen.

Patrick Zieker ist nicht der einzig Neue beim TVB – mehr in unserer Bildergalerie.