Notfallseelsorge in Leonberg Erste Hilfe für die Seele

Von Regine Brinkmann 

Verunglückt ein Mensch, zieht es den Hinterbliebenen oft den Boden unter den Füßen weg. Der Notfallnachsorgedienst versucht, zu helfen.

Bei  einem schweren Verkehrsunfall zwischen Leonberg und Ditzingen starb eine Mutter zweier kleiner Kinder.  Der Fahrer des schwarzen Autos wurde ebenfalls  schwer verletzt. Es waren fünf Notärzte und mehrere Rettungswagen sowie ein Hubschrauber vor Ort – und der Notfallnachsorgedienst. Foto: SDMG
Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Leonberg und Ditzingen starb eine Mutter zweier kleiner Kinder. Der Fahrer des schwarzen Autos wurde ebenfalls schwer verletzt. Es waren fünf Notärzte und mehrere Rettungswagen sowie ein Hubschrauber vor Ort – und der Notfallnachsorgedienst. Foto: SDMG

Leonberg - Wenn die ehrenamtlichen Helfer des Notfallnachsorgedienstes des DRK (NND) zum Einsatz gerufen werden, sind sie auf alles gefasst. Selten wissen sie genau, was sie erwartet. „Manchmal weiß das auch die Rettungsleitstelle, die uns anfordert, nicht bis ins Detail“, erklärt Monika Friedrich. Sie ist Kriseninterventionsberaterin und Bereichsleiterin des NND Nord, der, grob gesagt, für den Altkreis Leonberg zuständig ist. „Aber das vermischt sich mit den Bereichen Mitte und Süd des Landkreises Böblingen“, erklärt Wilhelm Vorreiter, der den NND im Kreis Böblingen mit aufgebaut hat.

Vorreiter nimmt sein Smartphone in die Hand und aktiviert eine App. Eine Landkarte erscheint auf dem Display, kleine Ziffern markieren den Standort der Helfer: „Mit dieser App können wir sofort sehen, welcher Helfer einsatzbereit ist“, erklärt er, „und wie weit der Weg für ihn zum Einsatzort ist.“

Betreuung in schwierigen Momenten

Und die Einsätze haben es oft in sich. Wenn bei einem plötzlichen Todesfall oder einem Suizid die Angehörigen unter Schock stehen, wenn die Polizei eine Todesnachricht überbringen muss oder wenn bei einem schweren Verkehrsunfall Unterstützung benötigt wird, dann stehen die speziell ausgebildeten DRK-Helfer des Notfallnachsorgedienstes in kürzester Zeit parat.

„Wir übernehmen die psychosoziale Betreuung für den Moment“, konkretisiert Friedrich die Aufgabe des NND. Wenn das Telefon klingelt und die Rettungsleitstelle oder die Polizei Bedarf meldet, wird sofort ein Team aktiviert. Mindestes zwei Helfer machen sich auf den Weg, bei größeren Einsätzen auch mehr. Wie bei dem schweren Unfall mit tödlichem Ausgang auf der B 295 am Ortsausgang Leonberg in Richtung Ditzingen Ende April dieses Jahres (wir berichteten).

Kinder haben Priorität

Als der Notruf über die Rettungsleitstelle bei Monika Friedrich einging, alarmierte sie sofort den ersten Helfer. Der gelangte über Feldwege zum Unfallort, „die Straßen waren ja gesperrt“, erklärt sie. Auch sie selbst war vor Ort und koordinierte die vier weiteren NND-Helfer, die letztlich mit ihr am Einsatz beteiligt waren. „Priorität haben immer Kinder“, erklärt sie, „aber Anspruch auf unsere Hilfe hat jeder, egal ob Betroffener, Angehöriger oder Augenzeuge.“ Dabei unterliegen die Helfer der absoluten Schweigepflicht, nichts, was bei ihren Gesprächen offenbart wird oder sie bei den Einsätzen erleben, dringt nach außen. Um das Erlebte aufzuarbeiten, gibt es die monatlichen Treffen der NND-Mitglieder. „Das entlastet uns sehr“, so Friedrich.