Notorischer Straftäter in Stuttgart verurteilt Beim nächsten Mal droht Sicherungsverwahrung

Von George Stavrakis 

Ein betagtes Ehepaar hat alles verloren. Einbrecher hatten ihr Haus in Stuttgart niedergebrannt. Jetzt ist ein Täter verurteilt worden.

Erst eingebrochen, dann niedergebrannt: das Haus am Viergiebelweg Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald
Erst eingebrochen, dann niedergebrannt: das Haus am Viergiebelweg Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Stuttgart - Cornelie Eßlinger-Graf, Vorsitzende Richterin der 4. Jugendstrafkammer des Landgerichts, nimmt kein Blatt vor den Mund. „Wir haben Ihnen heute eine Chance eingeräumt. Wenn Sie es nicht schaffen, droht Ihnen bei der nächsten Verurteilung die Sicherungsverwahrung“, so die Jugendrichterin und: „Glauben Sie mir, da ist nichts mit Chillen, da wollen Sie nicht hin. Kapiert?“ Sie bekommt ein leises Ja als Antwort von dem 19-Jährigen.

Am 21. November 2019 wird der Angeklagte, der in seiner frühen Jugend 18 Heime durchlaufen hat, nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe entlassen. Er bezieht ein Zimmer in einer Jugendwohneinrichtung im Stuttgarter Norden. Bock auf eine Ausbildung hatte er nicht, er habe erst einmal chillen wollen, wie er sagt. Chillen bedeutet für ihn: abhängen, Alkohol und Drogen konsumieren. Dafür braucht man Geld.

100 000 Euro Schaden in Pizzeria

Also beschließen er und zwei Kumpel, in eine nahe gelegene Pizzeria einzubrechen. Da ist der 19-Jährige gerade einmal drei Wochen wieder auf freiem Fuß. Das Trio erbeutet 70 Euro. Einer der jungen Männer merkt an, er habe bei dem Bruch keine Handschuhe getragen. Man kauft Benzin, geht zurück zur Pizzeria, schüttet das Benzin aus und zündet es an. Der Schaden: rund 100 000 Euro.

Am 20. Dezember wird Geburtstag gefeiert. Um sich Geld zu besorgen, versuchen der Angeklagte und ein Komplize, in einen Discounter einzubrechen – vergeblich. Ebenso ergeht es ihnen beim Einbruchsversuch in ein Café am Killesberg. In einer Pizzabar gegenüber erbeuten sie schließlich 100 Euro und zwei Bier. Inzwischen ist aus dem Duo ein Trio geworden. Dann kommt es am 21. Dezember zu der Tat, die das Leben eines betagten Ehepaars radikal verändern wird. Die drei jungen Männer dringen in ein Haus am Viergiebelweg im Norden ein. Das Ehepaar befindet sich im Urlaub.

Wohnhaus brennt komplett nieder

Die Täter stehlen Schmuck und Bargeld im Wert von rund 1300 Euro. Dann legen sie Feuer im Keller des Einfamilienhauses. Mit einem ebenfalls gestohlenen Autoschlüssel stehlen sie den Opel des Paares, fahren bis in die Robert-Mayer-Straße und fackeln das Auto ab. Das Haus brennt derweil komplett ab, nichts bleibt übrig. „Das betagte Ehepaar hat alles verloren, das Haus, alles Persönliche, alle Erinnerungsstücke“, sagt die Richterin. Der Schaden liegt bei mehr als einer Million Euro.

Als der 19-Jährige einen Tag später ein Ehepaar in einem Auto an der Türlenstraße durchs Autofenster mit einer Softair-Pistole bedroht, wird er schließlich festgenommen.

Vor Gericht hat der 19-Jährige auf Anraten seines Verteidigers Andreas von Scholley ein Geständnis abgelegt. Mit den Brandstiftungen in der Pizzeria und am Viergiebelweg will er allerdings nichts zu tun haben, wie er in seiner Aussage deutlich macht.

„Wir halten es für möglich, dass Sie daran beteiligt waren, können es aber nicht nachweisen“, sagt Richterin Cornelie Eßlinger-Graf. Die Kammer verurteilt den jungen Mann schließlich wegen versuchter schwerer Brandstiftung, wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls und wegen Bedrohung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.




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