Nürtingen Funkstille beim Großen Forst

Die Homepage zur Zukunft des geplanten Gewerbegebiets nimmt nur zögerlich Gestalt an. Im Bürgerblog wird bisher kaum diskutiert.

Esslingen: Wolfgang Berger (ber)
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Nürtingen - Seit Anfang Februar gibt es die Internetseite www.grosserforst.de. An sie knüpft der Gewerbezweckverband Wirtschaftsraum Nürtingen (GZV) große Hoffnungen. Als zentrale Kommunikationsplattform gedacht soll dort die Bevölkerung des Verbandsgebiet darüber diskutieren, was mit der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche geschehen soll. Doch zwei Wochen lag die Homepage brach, was zu Unverständnis geführt hatte. Inzwischen hat der Moderator der groß angekündigten Bürgerbeteiligung, Winfried Schwatlo, einige vom GZV zur Verfügung gestellte Pläne und Fakten online gestellt.

Es gibt nun Pläne und eine Projektbeschreibung. Der Interessierte erfährt etwa, dass der Große Forst bei einem Suchlauf in den 1990er Jahren als künftiger Gewerbeschwerpunkt in den Regionalplan aufgenommen worden ist.

Im Jahr 1999 kam er als interkommunales Gewerbegebiet der GZV-Mitglieder Nürtingen, Beuren, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Neuffen, Oberboihingen, Unterensingen und Wolfschlugen in den Flächennutzungsplan. Zunächst war das Gewerbegebiet Großer Forst auf 40 Hektar konzipiert gewesen. Es ist dann auf 25 Hektar abgespeckt worden. Zum Ausgleich wurden in der Nürtinger Bachhalde zehn Hektar als Dienstleistungs- und Gewerbeschwerpunkt ausgewiesen.

Im Großen Forst gibt es wertvolle Ackerböden

Die Bachhalde ist inzwischen fast vollständig vermarktet. Der GZV klagt deshalb, dass es im Verbandsgebiet keine größeren zusammenhängenden Flächen für Neuansiedlungen oder für Erweiterungen ansässiger Betriebe gebe. Umso mehr liegt dem GZV die Entwicklung des Großen Forsts am Herzen. Dagegen gibt es jedoch Widerstand in Nürtingen. Die Schutzgemeinschaft Großer Forst kämpfte bis vor drei Jahren gegen den geplanten Bau eines Warenlagers durch die Firma Hugo Boss. Das Bauvorhaben platzte, inzwischen hat sich der Modekonzern für Filderstadt entschieden. Warum der Widerstand in Nürtingen so heftig gewesen ist, verdeutlicht der auf www.grosserforst.de einsehbare Umweltbericht der Region. Danach ist eine Bebauung gleichbedeutend mit dem „nahezu vollständigen Verlust von guten und sehr guten Böden“. Weiter wäre das Landschaftsbild wegen der exponierten Lage beeinträchtigt. Zudem ist das Gebiet für das Kleinklima wichtig. Nach dem Landschaftsplan sei eine Bebauung aber „akzeptabel“, sofern es zu Ausgleichsmaßnahmen komme, heißt es im Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft.

Weil sich der GZV mit Boss die Finger verbrannt hat, will er nun die Menschen im Verbandsgebiet intensiv in die Diskussion einbinden. Die Bürgermeister der Mitgliedskommunen bekunden, dass es gegen den Willen einer Mehrheit im Großen Forst kein Gewerbegebiet gibt.

Alternativstandorte sollen geprüft werden

Indessen herrscht im Blog der Beteiligungsplattform www.grosserforst.de noch weitgehend Funkstille. Dem Anspruch einer zentralen Diskussions- und Kommunikationsplattform hinkt die Homepage hinterher. Angesichts der bisher spärlichen Informationen verwundert das nicht.

Er pflege die Seite regelmäßig, erklärt dazu Winfried Schwatlo, der an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen lehrt. „Die Informationen, die man mir gibt, stelle ich innerhalb von 24 Stunden ein“, sagt der Professor. Auch er warte auf weiteres Material des GZV. Insbesondere die „Unterlagen zwecks Prüfung von Alternativstandorten“, die Schwatlo einstellen will, sind dabei von besonderem öffentlichen Interesse. Denn bis zuletzt hatte es immer geheißen, dass es zum Großen Forst keinen Ersatzstandort gebe.

Ein großes Anliegen ist die Suche nach Alternativen den Nürtinger Landwirten. Zum Großen Forst erklären sie: „Hier wurden 25 Hektar bestes Ackerland nach einem Suchlauf, der lediglich auf einer Umweltgrobanalyse basierte, die heutigen ökologischen Standards nicht annähernd genügt, als Gewerbefläche ausgewiesen.“ Eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung ist eine Forderung der Bauern.

// Die Bürgerbeteiligung im Internet www.grosserforst.de // Die Seite der Schutzgemeinschaft unterwww.grosser-forst.de



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