Nullnummer gegen den VfL Osnabrück Der VfB Stuttgart liefert nur Stückwerk

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Im Saisonendspurt bietet der VfB Stuttgart einmal mehr eine enttäuschende Leistung – und nach dem 0:0 gegen den VfL Osnabrück läuft der Fußball-Zweitligist Gefahr, den direkten Aufstieg zu verspielen.

Enttäuschter Abgang: Die VfB-Spieler Marcin Kaminski, Wataru Endo, Mario Gomez und Gonzalo Castro (von links) verlassen geknickt den Platz. Foto: dpa/Tom Weller 16 Bilder
Enttäuschter Abgang: Die VfB-Spieler Marcin Kaminski, Wataru Endo, Mario Gomez und Gonzalo Castro (von links) verlassen geknickt den Platz. Foto: dpa/Tom Weller

Stuttgart - Holger Badstuber hat die Schnauze voll gehabt. Er riss sich die Kapitänsbinde vom Arm und warf sie auf den Boden. Wütend war der Abwehrspieler des VfB Stuttgart über das 0:0 gegen den VfL Osnabrück. Dabei hatte sich Badstuber selbst nichts vorzuwerfen. Der 31-Jährige hatte alles versucht, um den Fußball-Zweitligisten nach vorne zu bringen. In der Schlussphase hielt es den Innenverteidiger auch nicht mehr hinten – er stürmte mit.

Alles vergeblich, denn in der VfB-Elf demonstrierten zu wenige Spieler den Kampfgeist, den Badstuber zeigte. Genau genommen war der Routinier einer von drei Stuttgartern, die sich in ihrem Engagement etwas abhoben. Wataru Endo und Nicolas Gonzalez hießen die anderen beiden VfB-Spieler. Der große Rest des Teams spielte brav und bieder. Weshalb sich die Stuttgarter trotz des Punktgewinns wie Verlierer fühlen mussten.

Präsident Claus Vogt blickt in leere Gesichter

„Das Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an“, sagte der VfB-Torhüter Gregor Kobel. Er hatte in der fünften Minute der Nachspielzeit sogar noch die Situation überstehen müssen, dass ein abgefälschter Schuss des Osnabrückers Marc Heider beinahe im Tor landete.

Doch mit dieser einen Aktion verströmten die Gäste mehr Torgefahr als die Stuttgarter insgesamt. Und Claus Vogt fuhr im leeren Stadion noch einmal der Schreck in die Glieder. Der Präsident stand in der Cannstatter Kurve und wollte seine Solidarität mit den fehlenden Fans demonstrieren. Er wollte natürlich auch jubeln – aber Vogt blickte nach dem Abpfiff nur in leere Stuttgarter Gesichter.

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Nach zwei Siegen ist die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo in den alten Trott verfallen. Kein Tempo in den Angriffen, kein Esprit in den Aktionen und keine Leidenschaft für das große Ziel war zu sehen. „Wir müssen mehr Herz auf den Platz bringen“, erklärte Kobel. Zurück in die Bundesliga will der VfB ja – und läuft nach der schwachen Leistung nun erneut Gefahr, den direkten Aufstiegsplatz zu verlieren. Denn der Hamburger SV als Tabellendritter hat an diesem Montag mit einem Erfolg gegen Holstein Kiel die Chance, den VfB wieder hinter sich zu lassen.

„Es ist ärgerlich, dass es jetzt schon nicht mehr in unserer Hand liegt“, sagte der Rechtsverteidiger Pascal Stenzel, „es ist einfach doof, wenn man die gute Ausgangsposition nach dem Sieg gegen den HSV so weggibt wie wir, mit so einem Spiel.“ Es war eine ermüdende Vorstellung. Zu viele Quer- und Rückpässe leistete sich der VfB – und zu wenig Ideen brachten die Stuttgarter in ihr Spiel.

Zäh wirkte alles. Ein Bild, das sich durch die Saison des großen Aufstiegsfavoriten zieht – vor allem wenn er gegen vermeintlich kleine Gegner antritt. Die Osnabrücker verteidigten geschickt und hielten die Gastgeber meist von ihrem Tor fern. Lediglich Nicolas Gonzalez und Orel Mangala kamen zunächst zum Abschluss. Aber es fällt schwer, diese Aktionen als wirklich gute Torchancen zu bezeichnen.

Selbstgefällig statt selbstbewusst

Auf der anderen Seite hatte Matarazzos Elf Glück, dass sie nicht in Rückstand geriet, als der eingewechselte Benjamin Girth nicht das leere Tor traf, sondern den Pfosten (40.). Dass es knapp Abseits war, mag Girth hinterher getröstet haben – beim VfB offenbarte sich dennoch seine Anfälligkeit in der Abwehr.

In der Viererkette bot Matarazzo wieder Badstuber nach dessen abgesessener Gelbsperre auf. Der Kapitän Marc Oliver Kempf saß auf der Ersatzbank, weil der Cheftrainer in der Innenverteidigung seit dem Ende der Corona-Pause dem lange verletzten Marcin Kaminski vertraut. Mit dieser gehörigen Portion an Erfahrung soll die Mannschaft in der entscheidenden Phase an Halt gewinnen.

Doch der VfB wirkte wieder nicht selbstbewusst, eher selbstgefällig. „Wir haben eigentlich gut ins Spiel gefunden, aber danach haben wir wohl gedacht, dass es von selbst läuft“, meinte Stenzel. Ein Trugschluss, den der VfB in dieser Runde schon sehr häufig gezogen hat – und der ihn viele Zähler gekostet hat.

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Im Gegensatz zum HSV-Spiel änderte sich diesmal jedoch nach der Pause wenig in der Mercedes-Benz-Arena. „Ich glaube, wir sind in die beiden Spielhälften ordentlich reingekommen, haben aber relativ schnell Struktur und Ordnung verloren“, sagte Matarazzo. Anschließend mangelte es den Stuttgartern am Mut, entschlossen und planvoll den Weg nach vorne zu suchen. Mehr als Stückwerk kam so nicht heraus – was für die verbleibenden vier Partien neue Zweifel sät.

„Ich bin jedoch überzeugt: Wenn wir ab jetzt alle Spiele gewinnen, steigen wir auf“, sagte Stenzel und fügte an: „Wir dürfen das aber nicht nur immer nach dem Spiel so analysieren, sondern es auf dem Platz auch mal umsetzen.“ Die nächste Gelegenheit dazu besteht am Sonntag im Derby beim Karlsruher SC.




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