OB-Wahl in Stuttgart Kuhns Absage verändert Lage für die Konkurrenz

Von Konstantin Schwarz 

Keiner hat damit gerechnet, dass Fritz Kuhn dem Rathaus den Rücken kehrt. Die politischen Gegner hatten sich auf seine Wiederkandidatur eingestellt.

Er wirkt irgendwie befreit: Fritz Kuhn am Dienstag bei der Pressekonferenz, in der er seine Absage auf die Wiederkandidatur bekannt gibt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Er wirkt irgendwie befreit: Fritz Kuhn am Dienstag bei der Pressekonferenz, in der er seine Absage auf die Wiederkandidatur bekannt gibt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Fritz Kuhn hat am Dienstag eine erneute Kandidatur um das OB-Amt ausgeschlossen. Die Grünen in Stuttgart hat die Absage kalt erwischt. „Alle sind überrascht, ich bin betroffen“, sagt Gabriele Nuber-Schöllhammer, Fraktionssprecherin im Rathaus. Keiner habe mit dieser Entscheidung gerechnet. Das vergangene Jahr sei mit der VVS-Tarifreform, dem Klimaschutzpaket und dem Thema lebenswerte Innenstadt für die Grünen und für Kuhn gut gelaufen. „Wir hatten positive Rückmeldungen“, sagt Nuber-Schöllhammer, Kuhn hätte durchstarten können.

Jetzt werden die Ökos auf eine Findungsphase zurückgeworfen. Zwei, drei Namen kommen Nuber-Schöllhammer schnell in den Sinn, einer davon ist OB in Tübingen, den hakt sie ab. Bleiben Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir. Aras war für die Grünen Stimmenkönigin bei der Kommunalwahl und zog 2016 in den Landtag ein. Eine Frau an der Spitze? „Können wir uns vorstellen“, sagt Nuber-Schöllhammer, „aber wenn jemand Landtagspräsidentin ist, will sie dann ins Rathaus?“ Für Özdemir könne es in Berlin Optionen geben. „Die OB-Wahl ist kein gemähtes Wiesle“, sagt die Fraktionschefin. Kuhns Absage sei „ein Einschnitt“, bilanziert der Co-Fraktionschef Andreas Winter, aber sie sei „sehr zu respektieren“. Die Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand erklärten, Kuhn habe großen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Grünen im Land. Kuhn habe Spuren in der Landeshauptstadt hinterlassen.

Respekt aus allen Lagern für die Entscheidung

„Ich habe Respekt vor der Entscheidung, sie ist ungewöhnlich, aber es ist angenehm, dass Kuhn nicht an der Verantwortung klebt“, sagt Hannes Rockenbauch, Sprecher des Linksbündnisses im Rathaus. Er denke „ernsthaft über eine Kandidatur nach, denn das Rennen ist jetzt spannender und offener“, so Rockenbauch. Mit den bei CDU und SPD als Kandidaten gehandelten Fraktionschefs Alexander Kotz und Martin Körner „kann ich mithalten“, sagt er.

Rockenbauch könnte womöglich die Unterstützung der Linken erhalten, so Thomas Adler, ebenfalls Fraktionssprecher im Linksbündnis. Die Linke wolle jedenfalls ihr Positionen in den Wahlkampf einbringen. Das wollen auch die Freien Wähler – und werden dazu Kandidaten zum Gespräch einladen. „Wir sind nicht am Zug, sondern warten ab und werden dann womöglich eine Wahlempfehlung abgeben“, sagt Kreisvorsitzender Peter Aichinger. Kuhns Absage „verändert jedenfalls die Lage“, so der Kreischef.

SPD will ihren Fahrplan einhalten

SPD-Fraktionschef Martin Körner, möglicher SPD-OB-Kandidat, zeigte sich ebenfalls überrascht über Kuhns angekündigten Rückzug. Die Entscheidung sei aber zu respektieren. Auch er sagt: „Kuhns Entscheidung ändert natürlich die Ausgangslage.“ Ihren Fahrplan will die SPD aber einhalten. „Am 20. Januar wird der Kreisvorstand eine Empfehlung für die Delegierten erarbeiten, die am 3. Februar entscheiden“, so Kreisvorsitzender Dejan Perc. „Das ist eine starke Entscheidung“, sagt er zu Kuhn. Die SPD hat möglicherweise ein Überangebot an Kandidaten: Aus Tengen hat Bürgermeister Marian Schreier früh sein Interesse bekundet. Am Dienstag sagte er: „Ich davon überzeugt: Die Zeit ist reif für einen echten Generationswechsel an der Spitze der Landeshauptstadt. Zur Frage meiner eigenen Kandidatur werde ich mich in Kürze äußern.“

Unionsfraktionschef Alexander Kotz, dem Ambitionen nachgesagt werden, nahm die Entscheidung Kuhns überrascht, aber mit Respekt zur Kenntnis. Zugleich sagte er, es bedeute „eine Verbesserung für die Stadt, wenn die Episode Kuhn zu Ende geht“. Der FDP-Kreischef Armin Serwani bezeichnete Kuhns OB-Bilanz als durchwachsen. Die Liberalen werteten seinen Rückzug als als „Chance für die Stadt, mit einer dynamischen Persönlichkeit für einen echten Aufbruch zu sorgen“.




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