OB-Wahl in Stuttgart Veronika Kienzle will Problemlöserin sein

Von Josef Schunder und Thomas Braun 

Die Kandidatin der Grünen für die OB-Wahl im November will mit Bürgernähe und langjähriger Verwaltungserfahrung beim Wähler punkten. Veronika Kienzle richtet ihren Fokus vor allem auf die 23 Stadtbezirke. Von der Partei wird die Bewerberin als „führungsstark“ und politisch erfahren gelobt.

Veronika Kienzle fühlt sich für die Aufgabe als OB-Kandidatin der Grünen gut gerüstet. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Veronika Kienzle fühlt sich für die Aufgabe als OB-Kandidatin der Grünen gut gerüstet. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Pünktlich um 11 Uhr am Dienstag betreten die Grünen-Kreisvorsitzenden den Raum der Pressekonferenz in der Kreisgeschäftsstelle – und etwaige Restzweifel verflüchtigen sich: Es ist tatsächlich Veronika Kienzle (57), die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, die die Findungskommission der Basis am 12. März zur Nominierung als grüne OB-Kandidatin in Stuttgart vorschlagen will und die jetzt vor die Mikrofone und Kameras tritt – so, wie es unsere Zeitung am Donnerstag berichtet hatte.

Warum es so gekommen ist? In der Findungskommission sei es aus verschiedenen Gründen schnell auf Veronika Kienzle hinausgelaufen, machen die Kreisvorsitzenden Mark Breitenbücher und Amelie Montigel deutlich. Kienzle mache leidenschaftlich grüne Politik für die Menschen. Sie lebe Bürgernähe. Sie arbeite mit Gespür und „feinen Antennen“ daran, Konflikte früh zu lösen. Und gerade, wenn die Konflikte stark seien, sei Kienzle als Mittlerin besonders stark. Sie habe viel Verwaltungserfahrung und wirke „über die grünen Grenzen hinaus“.

Deshalb habe man Veronika Kienzle einstimmig als „unsere Nummer 1 für Stuttgart“ ausgewählt, obwohl die Findungskommission „ein gutes Dutzend“ Personen durchgescannt habe, sagt Breitenbücher.

Kienzle richtet den Fokus vor allem auf die Probleme in den Stadtbezirken

Die so Gelobte sagt, sie ergreife gern die Chance, die die Findungskommission ihr biete. Sie wolle nun „mit aller Kraft und Leidenschaft“ um das Vertrauen der Stuttgarter und vor allem der Stuttgarterinnen werben. Vor dem Amt habe sie Respekt, „Stuttgarter OBin kann man nicht studieren“, sie fühle sich aber gut gerüstet durch ihren persönlichen Werdegang: 40 Jahre in Stuttgart und 30 Jahre in der Kommunalpolitik, seit 2004 ehrenamtliche Bezirksvorsteherin im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte.

Kienzle formuliert erste Grundpositionen. „Die Probleme der Menschen in den Bezirken müssen ernst genommen werden. Niemand soll sich abgehängt fühlen“, sagt sie beispielsweise. Das werde einer ihrer Schwerpunkte sein. Stuttgart müsse sehr schnell – vor 2050 – klimaneutral werden und sicherstellen, dass es trotz Klimawandel und Hitzestress bewohnbar bleibt. Die „autogerechte Automobilstadt“ müsse rasch Modellstadt für neue Mobilität werden. „Wir müssen uns startklar machen zur Verkehrswende“, sagt Kienzle.

Segler wüssten, dass das Wenden schnell ablaufen müsse, damit das Boot nicht umkippt. Gleichwohl müsse man für die Arbeitsplätze Sorge tragen und den Haltern von Autos mit Verbrennungsmotor eine Alternative mit gutem öffentlichem Nahverkehr bieten.

Ein besserer „Campus Stadtmitte“ für Studierende und Lehrende könnte eines ihrer ersten Projekte sein, verrät Kienzle. In Zeiten populistischer Wissenschaftsskepsis sei es wichtig, dass Stuttgart für Forscher attraktiv ist. Um den Wohnungsmarkt zu verbessern, bedürfe es „gewaltiger Anstrengungen“. Ihr schwebt vor, die Siedlungen in ganz Stuttgart, nicht nur in der Innenstadt „nachzuverdichten“, wobei man neue Ansätze und Modelle in der Architektenstadt nutzen könnte. Die „öffentlichen Räume“ müssten verbessert werden.

Die Arbeit wolle sie aus den Bezirksstrukturen heraus denken und angehen, bis zur OB-Wahl am 8. November auch eine „Themenlandkarte über die 23 Bezirke hinweg“ entwickeln. Mit einem Programmbeirat aus Fachleuten und engagierten Bürgern will sie ein Aktionsprogramm formulieren.

Kretschmann: „Veronika Kienzle ist die Richtige für die Stadt“

Die Personalie löste bei den Grünen viel Zustimmung aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommentiert sie anlässlich der Regierungspressekonferenz so: „Ich glaube, dass Veronika Kienzle die Richtige für die Stadt ist.“ Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir lobt die Entscheidung: „Veronika Kienzle hat das Ohr und das Herz bei den Bürgern dieser Stadt.“ Es sei zudem Zeit für eine Frau an der Rathausspitze. Özdemir nimmt den Wahlausgang schon mal vorweg: „Sie wird eine großartige Frau an der Spitze der Stadt.“

Die Ratsfraktion der Grünen reagiert mit Freude und Zustimmung „Veronika Kienzle hat unsere vollste Unterstützung“, so Fraktionssprecher Andreas Winter. Auch die Landesspitze der Grünen stellt sich hinter die Kandidatin: „Mit Veronika Kienzle geht für uns eine führungsstarke Frau mit Herz ins Rennen. Sie ist mit Leib und Seele Stuttgarterin und lebt genau das, was es als Oberbürgermeisterin braucht: Bürgernähe und Gestaltungswillen“, so die Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand.

Auch das wohl hochrangigste Mitglied der Findungskommission, Verkehrsminister Winfried Hermann, begrüßte die Auswahl: „Veronika Kienzle hört zu und packt an. Mit klarem Kompass und mit Ausdauer, mit Rad und Stöckelschuh ist sie unterwegs mit dem Ziel, Stuttgart jeden Tag ein bisschen besser zu machen.“

Sonderthemen