OB-Wahlen in Baden-Württemberg Frischer Wind an Rathausspitzen

In jeder zehnten Kommune in Baden-Württemberg stehen 2019 Bürgermeisterwahlen an. Wir stellen eine Auswahl der Amtsinhaber und Kandidaten vor.

In jeder zehnten Kommune im Land stehen in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen an. (Symbolbild) Foto: dpa
In jeder zehnten Kommune im Land stehen in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen an. (Symbolbild) Foto: dpa

Stuttgart - Karl Hilsenbek hat sich schon festgelegt. Der Ellwanger Oberbürgermeister (Freie Wähler) wird sich am 26. Mai nicht um eine dritte Amtszeit in seiner Heimatstadt bewerben, das hat er dieser Tage bekannt gegeben. 33 Jahre habe er in Wahlämtern verbracht, das sei genug, so die Begründung des dienstältesten Bürgermeisters der Ostalb.

Bevor der 61-Jährige 2003 in Ellwangen im zweiten Wahlgang gegen fünf Mitbewerber zum Rathauschef gewählt wurde, hatte er als Schultes im Ostalbkreis-Dorf Böbingen das Sagen. Er habe sich gefragt, sagt Hilsenbek, ob er die Aufgabe als Oberbürgermeister noch weitere acht Jahr voll erfüllen könne. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel sei – vor allem wegen der Landesgartenschau, die die 24 000 Einwohner zählende Stadt im Jahr 2026 ausrichten wird. „Jetzt müssen die Vorbereitungen für die Landesgartenschau laufen“, so Hilsenbek. „Mein Nachfolger kann den Prozess gestalten.“

Hilsenbeks Rückzug kam überraschend

Die Stadträte hat der OB mit seinem Verzicht auf eine Kandidatur überrascht. Nicht zuletzt, weil Hilsenbek schon Eintrittskarten für die Gartenschau verschenkt hat, was als Zeichen dafür gewertet wurde, dass er die Blumenausstellung in seiner Geburtsstadt noch selbst eröffnen möchte. Dienstzeit hin, Verdienste her – für den 61-Jährigen wäre der kommende Wahlkampf kein Spaziergang geworden. Die Unterstützung im Gemeinderat ist gebröckelt. CDU und SPD jedenfalls haben bereits im vergangenen Sommer durchblicken lassen, sie würden es begrüßen, wenn einer der Chefposten im Rathaus neu besetzt würde. Die CDU, die die mit Abstand größte Fraktion stellt, sucht nach einem eigenen Kandidaten. Zudem ist die Stadt tief gespalten in der Frage, ob der Vertrag mit dem Land für die Landeserstaufnahmestelle in der einstigen Reinhardt-Kaserne verlängert werden soll oder nicht.

Ellwangen ist nicht die einzige der insgesamt 1101 Kommunen in Baden-Württemberg, in denen im Laufe des Jahres von den Bürgerinnen und Bürgern ein neues Stadtoberhaupt bestimmt wird. Insgesamt stehen nach dem Stand der Dinge in 13 Städten Oberbürgermeisterwahlen an sowie in und 97 Gemeinden Bürgermeisterwahlen, sprich: immerhin in jedem zehnten Ort im Südwesten stellte sich die Frage nach dem künftigen Mann oder der künftigen Frau an der Rathausspitze – und nicht selten steht schon vor dem Urnengang, wie in Ellwangen, fest, dass ein neuer Wind in den Amtsstuben wehen wird.

Auch Bosch tritt nicht mehr an

Einen Wechsel wird es auch in Reutlingen geben. Dort tritt die 60-jährige Amtsinhaberin Barbara Bosch nicht mehr an. Weil sie für ihren schwerkranken Mann mehr Zeit haben will, zieht sie sich nach 16 Jahren aus dem Rathaus zurück und wird sicherlich von vielen vermisst werden. Die Bewerbungsfrist um ihre Nachfolge ist vor wenigen Tagen abgelaufen, gewählt wird Anfang Februar. Fünf Kandidaten quer durch die Parteien haben ihre Bewerbungen eingereicht. Ein klarer Favorit ist nicht darunter.

Fest steht auch, dass die kleine Gemeinde Feldberg im Schwarzwald einen neuen Bürgermeister bekommt – aus tragischen Gründen. Der „Schwarzwaldhäuptling“ Stefan Wirbser, der dort 23 Jahre lang Regie geführt hat, ist Ende September im Alter von gerade einmal 53 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Und die Wertheimer bekommen ebenfalls in diesem Jahr ein neues Stadtoberhaupt. Der amtierende OB Stefan Mikulicz (CDU) tritt aus gesundheitlichen Gründen nach 16 Jahren nicht mehr an. Die nördlichste Stadt Baden-Württembergs im Main-Tauber-Kreis wählt am 3. Februar seinen Nachfolger. Dabei stellen sich den knapp 23 000 Einwohnern drei Bewerber. Und noch ein Beispiel: Nach 16 Jahren im Chefsessel im Rathaus in Nürtingen (Kreis Esslingen) macht Otmar Heirich Platz für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Der SPD-Politiker geht am 31. Juli in den Ruhestand.

Spec strebt eine dritte Amtszeit an

An anderen Stellen freilich treten die Amtsinhaber selbstbewusst wieder an – zuvorderst der Ludwigsburger OB Werner Spec. Er hat schon zu Beginn des vergangenen Jahres deutlich gemacht, höchstwahrscheinlich eine dritte Amtsperiode anzuhängen – auch unter dem Eindruck, dass beim Stadtempfang vor einem Jahr von seinem Stellvertreter Konrad Seigfried bis zum CDU-Fraktionschef Klaus Hermann alle betont hatten, wie viel Spec in Ludwigsburg erreicht, wie er die Wahrnehmbarkeit der Stadt in Berlin verbessert und Mammutprojekte – etwa die MHP-Sport- und Kulturarena – gestemmt habe. „Höchste Komplexität bei maximaler Geschwindigkeit“, lobte Seigfried. Ob die Bürger dies auch so sehen, wird die Wahl am 30. Juni weisen.

Auch andere Rathauschefs haben weiterhin Lust an dem viel Gestaltungsspielraum bietenden Posten, wie der Calwer Ralf Eggert: „Nach acht Jahren der Gebäudesanierung und des Schuldenabbaus kommt jetzt die Phase, dass man in der nächsten Amtszeit in Calw auch langfristig etwas bewegen kann“, sagt er.

Auch Landratswahlen stehen an

Im Übrigen müssen sich in Baden-Württemberg in fünf der 35 Landkreise die Kreisräte nicht nur selbst den Wählern stellen (am 26. Mai), sondern sind selbst als Stimmgeber gefragt. In Emmendingen, Konstanz, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall und Tübingen werden 2019 Landräte gewählt. Fest steht nur, dass Konstanz einen neuen Kreisfürsten bekommen wird. Der Amtsinhaber Frank Hämmerle (CDU) tritt nach 22 Jahren altershalber ab.

In Emmendingen, Schwäbisch Hall und Tübingen bitten die jeweiligen Amtsinhaber Hanno Hurth (parteilos), Gerhard Bauer und Joachim Walter (CDU), der Präsident des Landkreistages, um eine Vertragsverlängerung. Ob auch der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas (parteilos) mit 62 Jahren noch einmal in den Ring steigt, ist offen: Im ersten Quartal will er sich erklären. Es wäre für den dienstältesten Vertreter seiner Zunft die vierte Amtsperiode.