Obere Walke in Backnang Wohnen am Wasser

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Auf der Oberen Walke in Backnang sollen 400 Wohnungen, ein Pflegeheim und ein Ärztehaus entstehen. Mitte der 2020er- Jahre könnten auf der Industriebrache bis zu 1000 (Neu)Bürger leben.

Lange wurde in Backnang über die Aufsiedelung der Oberen Walke gestritten, 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen. Foto: Gottfried Stoppel
Lange wurde in Backnang über die Aufsiedelung der Oberen Walke gestritten, 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Ein Fachmarktzentrum auf der Oberen Walke, das werde ein ganz großer Wurf, hieß es mal. Fast schon vergessen, das Vorhaben. Wenig später hat die Stadt Backnang diese hochfliegenden Pläne für die Industriebrache direkt am Murrufer beerdigt. Später sollten auf dem Gelände am Stadtrand in Richtung Freibad dann Reihen- und Einfamilienhäuser sowie ein paar Handwerkerhöfe entstehen. Doch auch daraus wurde nichts. Das ehrgeizige Bauprojekt geriet zu einer wahren Hängepartie.

Zum Ärger der Stadtverwaltung schossen auch noch Umweltschützer dagegen. Der Boden des Geländes, auf dem früher Gerbereien standen, sei womöglich mit Schadstoffen kontaminiert. Zudem liege die Obere Walke in einem Gebiet, das bei Hochwasser überschwemmt werde, so die Kritik etwa des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Dibag Industriebau aus München erstellt Mietwohnungen

Jetzt nimmt der Gemeinderat einen neuerlichen Anlauf: Auf der Oberen Walke sollen nun auf einem ersten Bauabschnitt zunächst 80 Wohnungen, ein Pflegeheim sowie ein Ärztehaus entstehen. Das haben die Kommunalpolitiker einstimmig beschlossen. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Insgesamt sollen auf dem Gelände 370 bis 400 neue Wohnungen entstehen. Der Baudezernent Stefan Setzer hat jetzt auf Anfrage erklärt dass das gesamte Gelände Mitte der 2020er-Jahre komplett aufgesiedelt sein könnte – wenn alle Arbeiten optimal verliefen.

Die Dibag Industriebau AG aus München, die in Backnang schon mehrere Großprojekte realisiert hat, wolle die Häuser bauen, um diese zu vermieten. Auch preiswerte Wohnungen seien geplant, so Setzer. Gut möglich, dass Teilflächen des Grundstücks an andere Bauträger abgegeben würden, unter Umständen könnten auch Eigentumswohnungen entstehen.

Setzer sagt: „Wir wollen ein lebendiges, durchmischtes Stadtquartier mit dem Schwerpunkt Mietwohnungen.“ Das projektierte Pflegeheim muss spätestens im September kommenden Jahres bezugsbereit sein, denn dann müssten die Bewohner des Haus am Berg in der Eugen-Adolff-Straße in den Neubau auf der Walke umziehen, die Zweier-Zimmer im Haus am Berg seien nicht mehr zulässig. Die meisten Häuser auf der Walke sind vierstöckig geplant. Am sogenannten Quartiersplatz allerdings entsteht voraussichtlich ein achtstöckiges Gebäude. Stefan Setzer spricht mit Blick auf dieses Haus von „einem markanten Hochpunkt“, der gut in das Gebiet passe.

Stadtverwaltung: Problem Hochwasserschutz gelöst

Das gesamte Neubaugebiet werde autofrei geplant. Vorgesehen sind eine Tiefgarage sowie ein Parkhaus. Das Problem Hochwasserschutz sei gelöst, so die Stadtverwaltung. Auf dem Gelände soll eine zwei Meter tiefe Mulde ausgehoben werden, diese kann bei Hochwasser überflutet werden. Zudem ist vorgesehen, dass die Bebauung erst mit einem Abstand von zehn bis 20 Metern vom Ufer beginnt.

Das neue Wohngebiet bringt sicherlich zusätzliche Kaufkraft in die Murrstadt, allerdings ganz bestimmt auch mehr Verkehr. Setzer sagt, man wolle erreichen, dass die Bewohner der Oberen Walke mehr Bike fahren beziehungsweise den Bus nehmen, Radwege und eine gute ÖPNV-Anbindung seien geplant.




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