Damals, als er in Stuttgart-Hohenheim angefangen hat, war sich Odilo Metzler nicht sicher, ob er hier alt wird. Warum er trotzdem geblieben ist, erzählt der langjährige katholische Pastoralreferent hier.

Hohenheim - Für Odilo Metzler ist die Lust zur Veränderung kein Selbstzweck. „Mir war immer wichtig“, sagt der 67-Jährige, dem man sein Alter so ganz und gar nicht ansieht, „dass die Leute ihren Glauben selbst formulieren und auszudrücken lernen“. Der ehemalige Leiter des bischöflichen Jugendamts der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam 1995 als Pastoralreferent in die katholische Kirchengemeinde St. Antonius nach Hohenheim. Und von Anfang an bestärkte er die Gemeindemitglieder darin, Neues zu wagen, „selbstbewusst ihren Glauben zu leben“.

Menschen zur Teilnahme bewegen

Metzler will Menschen einbeziehen, sie zur Teilnahme bewegen. Weil das auch manch ungewohnte Neuerung im Gottesdienst nicht ausschloss, so erinnert er sich, tat sich mancher in der Gemeinde erst einmal schwer mit seinen Ideen. Vielleicht auch deshalb konnte sich der Seelsorger zu Beginn seiner Tätigkeit in Hohenheim noch nicht so recht vorstellen, dort bis zu seiner Pensionierung auszuharren.

„Ich habe dann aber bald auch in der Gemeinde eine Lust an der Veränderung gespürt“, sagt Metzler beim Gespräch im katholischen Gemeindezentrum Padua am Wollgrasweg. Am 1. Januar wird der langjährige Pastoralreferent der Gesamtkirchengemeinde der Stadtbezirke Degerloch, Sillenbuch, Birkach und Plieningen in den Ruhestand gehen – längst hochgeschätzt bei den Gemeindemitgliedern für seine „fortschrittlichen Ideen und Gedanken“, wie es im letzten Gemeindebrief zum Abschied heißt.

Frauen als Priesterinnen

Der bevorstehende Ruhestand – es scheint ein guter Anlass für den Seelsorger, nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft zu blicken: Denn die Pflicht zur Veränderung begreift der 67-Jährige auch als das Gebot der Stunde, wenn es um die große Frage geht, wohin sich die Katholische Kirche als Ganzes entwickeln muss. Metzler, der eine fast ansteckende Fröhlichkeit verströmt, wirkt bei diesem Thema nachdenklich. „Ich halte es jedenfalls für unabdingbar“, sagt er, „dass auch Frauen in Zukunft zu Priesterinnen geweiht werden müssen“. Dass dem weiblichen Geschlecht nach wie vor das Priesteramt verwehrt ist, sei niemandem vermittelbar, sagt Metzler. „Der Priestermangel, der zu Seelsorgeeinheiten von der Größe der Gesamtkirchengemeinde führt, ist aber zuerst einmal die Folge der Zölibatsregelung.“ Für ihn selbst, der Jura und Theologie studiert hat, war das Verbot der Ehe für geweihte Geistliche der Grund, weshalb das Priesteramt ihn selbst nie lockte. Hätte es das Amt des Pastoralreferenten nicht gegeben, der in der katholischen Gemeinde alles machen darf, außer die Sakramente zu spenden und die Gemeinde rechtlich zu leiten, wäre er sicher nicht in den katholischen Seelsorgedienst eingetreten.

Verfechter des Eine-Welt-Gedankens

Neben seiner Arbeit in den Kirchengemeinden von gleich vier Stadtbezirken hat Metzler bis vor zwei Jahren auch noch das Amt des Seelsorgers der ökumenischen Hochschulgemeinde Hohenheim inne. Für den engagierten Verfechter des Eine-Welt-Gedankens war das eine ideale Kombination. Mit der internationalen Gemeinde der Uni Hohenheim organisierte er während seiner Amtszeit nicht nur unter anderem englische Gottesdienste, seine Gemeindemitglieder waren auch mit ihrem Eine-Welt-Stand regelmäßig in der Mensa präsent. Ganz aktuell mündete Metzlers Engagement für fairen Handel und Nachhaltigkeit in der Zertifizierung der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius als „Faire Gemeinde“.

Sorgen bereiten Metzler derzeit die möglichen Auswirkungen der Coronapandemie auf das Gemeindeleben. Viele Veranstaltungen, wie das Gemeindemittagessen im Gemeindezentrum am Wollgrasweg, mussten während der Pandemie auf Eis gelegt werden, erzählt er. „Es wird eine wichtige Frage werden, ob die ehrenamtlichen Helfer sich nach Corona wieder so einbringen wie davor.“ Für sich selbst hat der künftige Ruheständler bereits entschieden, sich auch weiterhin bei der Eine-Welt-Gruppe der Gemeinde zu engagieren. „Das ist mir sehr wichtig“, betont er. Und auch als frisch gewähltes Mitglied des Bundesvorstands von Pax Christi, der internationalen katholischen Friedensbewegung, will er sich künftig verstärkt mit Themen beschäftigen, die weit über die Filder hinausreichen. So gesehen, stehen also bei Odilo Metzler selbst die Zeichen wieder auf Veränderung.

Der Abschiedsgottesdienst ist am Sonntag, 9. Januar, 11 Uhr, in der Antoniuskirche in Hohenheim. Anmeldung ist nötig. Der Gottesdienst wird im Livestream übertragen. Der Link auf der Webseite www.st-antonius-hohenheim.de sein. Das Abschiedsfest ist erst am 2. Juni.

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